Der Heilige Geist hat es zu Pfingsten nicht sonderlich gut mit Glucke und den völlig unerwarteten Küken gemeint, aber vielleicht hatte er einfach auch an anderen Stellen der Welt zu viel zu tun, man weiß es nicht. Jedenfalls war Küken Nr. 1 ein wahres Prachtkerlchen, wurde aber von der Riesenhenne bis zur Unkenntlichkeit plattgedrückt, das Küken starb also an einer Überdosis Mutterliebe. Oder an grobmotorischer Ungeschicklichkeit, man kennt das leider von unerfahrenen Hennen, die zum ersten Mal ein Küken unterm Herzen wärmen wollen und es dann ein bisschen übertreiben.
Tags drauf schlüpfte tatsächlich auch noch Küken Nr. 2. Es wirkte bald schwach und überfordert von der Welt, und bevor wir noch eingreifen konnten, starb es in der folgenden Nacht. Auch unter der Henne, die Gründe sind unklar. Die Unmöglichkeit der Verpaarung? Die Hitze?
Die restlichen Eier fingen an, ungute Gerüche von sich zu geben, wir haben sie in einem passenden Moment aus dem Nest entfernt. Was die Glucke nicht daran hindert, weiter zu glucken.
Jedenfalls war das in dieser Hinsicht ein ganz und gar doofes langes Wochenende. Ein Scheiß-Wochenende nachgeradezu. Ich werde die kommenden Tage damit zubringen, herauszufinden, wie überhaupt ein erwachsener, rational denkender Mensch (ich) sein Herz an kleine Küken verlieren kann. Und wieso unsereinen (mich) das Schicksal dieser kleinen Küken mehr zu berühren und zu beschäftigen scheint als all das grauenhafte Toben der ganzen Welt ringsum. Vielleicht nicht mehr, aber doch ganz anders. Irgendwie umittelbarer. Ich muß darüber nachdenken.
Naja, Sie wissen schon.
Das hat mich wirklich sehr betroffen gemacht, die armen kleinen Küken! Abgesehen davon wäre es natürlich auch spannend gewesen zu sehen, ob sie dem Papa oder der Mama nachgeraten wären, und überhaupt hatten sich alle auf die Fortsetzung schon gefreut.
Ich finde es normal und eigentlich auch beruhigend, dass wir trotz der grauenhaften Vorgänge in so vielen Teilen der Welt, von denen uns die Medien täglich berichten, vom Schicksal eines kleinen Kükens berührt sind. Das ist doch ein gutes Zeichen, dass wir immerhin noch nicht völlig abgestumpft auf all das Leiden ringsherum reagieren.
… genau so, Danke Sonja B.!
Danke Ihnen :-).
Ich verstehe das total! Und Menschen, denen ein kleines Tierchen nicht fürchterlich leid tun kann, sind mir unheimlich.
Das Schicksal von aus dem Nest geworfenen Jungvögeln hat mich auch schon sehr berührt – ich kann das sehr nachempfinden.
Ich glaube, es hat tatsächlich auch damit zu tun, wie unmittelbar Schicksal stattfindet.
…und dann wäre da noch das Kindchenschema – es wird wohl Alles hier schon Erwähnte zusammen sein, ist aber dann auch wieder auf eine von mir nicht in Worte zu fassende Weise sehr egal.
Wie traurig für das Küken, für die Glucke und für Sie. Und für uns Lesende auch.
Oh, das tut mir sehr leid. Ja, es ist erstaunlich, was für Gefühle diese kleinen Tierchen auslösen können. Schade, dass keines der Küken durchgekommen ist. Sitzt die Henne immer noch?
Sie sitzt und sitzt. Wir werden dem Spuk dieser Tage ein Ende setzen müssen.
Wie setzt einem solchen Spuk ein Ende? Mir fehlt da jegliche Expertise, aber ich bin interessiert.
Es gibt eine Geschichte vom französischen Satiriker Deproges, in der der Sohn des Fleischmeisters am Tag von 9/11 einen Unfall in der Metzgerei hat und einen Finger verliert. Deproges stellt zu recht die Frage, wie dieser Tag in die Erinnerung des Metzgers eingehen wird – als Tag des Terrors oder als Tag des Unfalls in der Familie.
Was uns näher ist, muß und soll uns unmittelbarer berühren, es macht uns zu Menschen. Im Unmittelbaren können wir vielleicht etwas tun, in der Ferne weniger. Und wer nicht um kleine Tiere weinen kann, dem glaube ich persönlich auch die Trauer um Menschen nicht so recht …
Mir tut es auch sehr leid um die kleinen Küken!