Beim Vorbeifahren sehe ich eine Frau, die im Dorf zu Fuß aus einer Nebenstraße kommt und eine kleine Ziege auf dem Arm trägt. Wie eine Tasche trägt sie die Ziege, unter den Arm geklemmt, als sei es das Normalste von der Welt. Als selbsternannte Landpomeranze mit inzwischen langjähriger Erfahrung tue ich natürlich so, als wäre nichts gewesen.

Es regnet, es regnet, und kaum was wird nass. Es reicht einfach nicht. Bietet aber weiterhin Gesprächsstoff, mehr als jedes andere aktuelle Thema. Nicht übers Wetter redet man, nur über Hitze und Dürre. Jeder kennt jemanden, dem der Mais vertrocknet, die Wiesen verbrannt, der Futterklee verdurstet ist. Es ist ein Elend. Der Bauernverband fordert schnelle finanzielle Hilfen für die Landwirte. Ob er darüberhinaus noch was fordert, irgendwas mit Klimaanpassung oder wasweißich, das muß ich noch herausfinden.

Kinder, es liegt ein herbstlicher Faden in der Luft!, würde mein Großvater selig jetzt sagen, und alle seine zahllosen Kinder würden genervt mit den Augen rollen, und am Ende hätte er aber wieder recht. Wie immer.

Aus den ersten Schornsteinen steigt in der langersehnten Kühle des Morgens wieder dicker grauer Rauch, als verbrenne da jemand Oppas alte Socken. Der Nebel drückt den Rauch bis in den Wald, und kurz denke ich da draußen, es gebe einen Waldbrand, so sehr stinkt es nach Qualm. Nach einer kurzen Weile des Schnüffelns und Riechens sage ich zu den Hunden Nee, sind nur Oppas alte Socken und gehe meiner Wege.

Am Altrhein war ich für einen halben Tag, in den Altrhein-Auen, in denen man normalerweise nasse Füße bekommt, sobald man die Wege und Pfade verläßt. Wo Wasser sein sollte, sind überall Trockenheit und Sand und Staub, hübsch anzusehen. Hübsch und apokalyptisch zugleich.

8 Kommentare zu “Dies und Das vom Tage.”

  1. Ich sehe hier überall die braunen Blätter in den Kronen der Buchen. „Das ist abgestorben, nicht verfrühtes Herbstlaub“ meint der Umweltamtleiter meines Vertrauens. Viele Bäume fallen sogar um, und mich deprimiert das alles sehr.
    Bauernverband fordert wegen der Dürre billigeres Agrardiesel. Keine Pointe.

  2. Diese Aufnahmen – beeindruckend fotografiert, transportieren sie allerdings das blanke Elend. Jedes Tier, das in den ausgetrockneten Flüssen oder Seen verendet, tut mir einfach leid. Auch die Bauern sind zu bedauern, es ist wohl auch ein Schlag für ein Bauernherz, vertrocknete Früchte und verdorrtes Gemüse vorzufinden. Auch, wenn so mancher Schaden halbwegs von Versicherungen abgedeckt ist – für mich wäre es sehr schmerzhaft, wenn viel Arbeit auf so eine Weise vernichtet wird.
    Es braucht soviel Umdenken in so vielen Bereichen, damit wir mit den Herausforderungen zurechtkommen.
    Nachdenkliche Grüße, C Stern

  3. Mein Nachbar, ein Winzer erklärte seiner 15jährigen Tochter, dass die Abgase vollkommen unschädlich seien. Das wäre wie der Atem der Menschen. Ich lebe seit 10 Jahren hier in diesem Dorf (komme aus der Stadt) und es lässt mich verzweifeln. Man lässt Traktoren/Autos auf der Straße laufen, einfach so, geht zwischenzeitlich noch einen Kaffee trinken usw. Diesel und Benzin zu teuer?? Meine Beschwerden werden belächelt und abgebügelt. Jetzt nach all diesen Jahren habe ich aufgegeben. Denen (und uns) ist nicht mehr zu helfen.
    Liebe Grüße Ingrid

    1. Das spricht mir aus dem Herzen. Ich habe früher Menschen freundlich darauf aufmerksam gemacht, wenn sie ihren Motor laufen ließen. Da kam mir soviel Aggression entgegen, daß es mir stundenlang nicht gut ging, angesichts dieser Reaktionen. Es heißt so oft „man muß miteinander reden“…bei vielen Menschen wäre wahrscheinlich auch der Seelendoktor mit seiner Weisheit am Ende.

  4. Stellt sich die Frage, ob die Menschheit wirklich so unbelehrbar ist oder ob das auch daran liegt, dass trotz allen Wissens um das, was da kommt und sich immer mehr bestätigt, die Ignoranz derer, die in unserem Auftrag entscheiden sollen, ihren Teil dazu beiträgt. Für den Moment wird alles Mögliche plakativ gefordert und im nächsten Atemzug ist alles wieder passé, wenn man seinen Auftritt gehabt hat.

    Faktisch sollte in jedem ihrer Zimmer die vermeintliche Weissagung der Cree hängen, aber manchmal nehme ich an, dass die wirklich glauben, mit Geld und irgendeiner technischen Lösung der Zukunft könne man sich freikaufen…

    1. Ich glaube, die Weissagung sollte tatsächlich in jedem Amtszimmer hängen – aber ich glaube auch, wir machen es uns zu leicht, wenn wir nur auf “die da oben” zeigen. Verantwortung lässt sich nicht outsourcen, weder nach oben noch nach unten. Jeder Einzelne trifft täglich Entscheidungen – wie wir konsumieren, wie wir wählen, wie wir leben – und diese Entscheidungen summieren sich. Politik reagiert am Ende auch auf das, was eine Gesellschaft wirklich einfordert und vorlebt, nicht nur auf das, was plakativ gefordert wird. Wer glaubt, mit Geld oder einer technischen Lösung ließe sich die Zukunft freikaufen, verwechselt Verantwortung mit Verwaltung.

      1. Meines Erachtens tun das durchaus viele, denn wer sich ernsthaft mit solchen Themen befasst, bei dem schlägt sich das auch im Handeln nieder.

        „Politik“ sollte jedoch nicht erst im Nachinein reagieren, sondern im Sinne der Gesellschaft – ja – auch verwalten. Dafür wurden sie nämlich gewählt!

        Und da ist es eben nicht mit ein paar Sonntagsreden und Interviews getan, wenn gerade „mal wieder“ Katastrophe ist, sondern da geht es um vorausschauendes Entscheiden.

        Schaut man sich an, was derzeit so „reformiert“ wird und wie der Wandel weg zu einer weitestgehend von Fossilem unabhängigen Energie und Mobilität regelrecht sabotiert wird, habe ich da so meine Zweifel, ob das tatsächlich „Volkes Wille“ ist.

        Die Rechung bekommen wir jeden Tag präsentiert. Wie sich das auch politisch niederschlägt, sehen wir im Aufstieg einer offen rechten Partei, die aus diesen Zukunftsängsten ihre populistische und polemische Energie bezieht.

  5. Vielen Dank für alle Kommentare, denen ich mich nur anschließen kann. Ganz besonders dem letzten!
    Trotzdem: Schöne Grüße 😊

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