Wmdedgt – die Abkürzung steht für Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, das will die freundliche Nachbarbloggerin immer am Fünften eines Monats von uns wissen, und jetzt ist schon plötzlich der 5. Mai, und in sieben Monaten ist dann völlig überraschend Weihnachten.

Also, was mache ich an einem stinknormalen Werktag? Was supidupi Regionalkorrespondentinnen in der vermeintlichen Provinz halt so machen: Morgens krieche ich auf allen Vieren durch den Hühnerauslauf, durch Hühnerdreck und Staub, auf der Suche nach Uschi. Uschi ist die Ausbrecherkönigin unter den Hennen – und natürlich mal wieder weg. Die supidupi-Regionalreporterinnen-Dienst-Klamotten leiden ein bisschen unter dem Gekrieche durch den Hühnermist, aber naja, egal, heute stehen keine offiziellen Termine auf dem Büro-Programm, das wird schon niemand merken, die Hühner-KackeSpuren auf dem grauen Blazer. Und: nein, ich habe keine Fotos gemacht. Dafür dann eins auf der schnellen Hunderunde, siehe oben. Wetter so lala.

Vormittags befasse ich mich noch rückwirkend mit einem gestrigen Ministerbesuch im Krankenhaus in der Großen Kreisstadt, der Herr Minister hat wider erwarten Tacheles geredet, sowas ist ja auch mal schön. Nicht schön in der Sache, aber so vom Prinzip her. In der un-schönen Sache geht es um die Millionen-Defizite der beiden kreiseigenen Kliniken, die kein Mensch mehr bezahlen kann und will. Wenn Sie in einer ländlichen Region wohnen, kennen Sie das leidvolle Thema.

(Der Minister fällt übrigens (wie etliche seiner Kollegen, egal welcher Partei) immer mal wieder in die sehr informelle Anrede. Sagen die anwesenden Stadt-, Kreis- oder Aufsichtsräte formell Herr Minister, könnten Sie uns bitte mal Ihre Sicht der Dinge undsoweiterundsoweiter, dann lautet die Antwort Ihr müsst jetzt einfach mal oder Habt Ihr Euch denn schon mal erkundigt undsoweiterundsoweiter. Warum das so ist? Ich habe dazu Thesen (und Fragen), aber das wäre jetzt wieder eine andere Geschichte, naja, Sie wisssen schon.)

Ausserdem auf dem dienstlichen Schreibtisch, zwischen Nußschnecke und Butterbrezel: der Glasfaserausbau in der Region und eine Kriminalstatistik, alles auch nur so semi-erfreulich. Ach ja, mit Endometriose befasse ich mich auch noch, ebenfalls nur dienstlich, gottseidank. Das ganze Spektrum also, das volle, bunte Leben. Unter dem Tisch schnarchen die Hunde. Von zuhause der erlösende Anruf: Uschi ist wieder da. Weiß der liebe Himmel, wo sie heute morgen unterwegs war, oder bei wem sie vielleicht die Nacht verbracht hat. Bei Uschi muß man ja mit allem rechnen.

Punkt Zwölf: Pause. Wie so’n braver Arbeitnehmer. Spazierengehen in diesem Draußen, solange noch die Sonne scheint. Die Hunde als betriebliches Gesundheits-Präventions-Gedöns. Ohne die würde ich un-gesund durcharbeiten, garantiert. Meine Selbstdisziplin lässt da sehr zu wünschen übrig, und Selbstfürsorge ist für mich ein Fremdwort, viel zu oft. Sonne ist aber schon bald nur noch so semi. Und tatsächlich wäre Regen auch mal wieder gut. Behaupten der Garten, die Felder und die Wälder. Aber trotzdem alles so schön grün hier.

Am Nachmittag: Konferenzen, Konferenzen. Und Warten auf Rückmeldungen. Journalisten verbringen rund 50 Prozent ihres Lebens mit Warterei, auf Rückmeldungen, auf Anrufe, auf Antworten, auf Pressegespräche und andere Katastrophen, – wussten Sie das? Dafür arbeiten sie dann in den übrigen 50 Prozent mit 300 Prozent ihrer Kraft oder irgendwie so, es ist jedenfalls manchmal etwas anstrengend. Sie dürfen mich gerne bemitleiden.

Mitten in die Warterei ein un-erwarteter Anruf eines aufgebrachten Hörers, es wird von Sex-Orgien im Naturschutzgebiet und unter freiem Himmel berichtet, von bereits aktenkundigen verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen zwischen Menschen mit – und Menschen ohne Badebekleidung, der Anrufer geht da auch ins Detail, was primäre männliche Geschlechtsteile angeht, ich will es bei dieser Andeutung bewenden lassen, hier lesen ja auch Kinder mit.

Jedenfalls klingt das nach einer Riesen-Geschichte, wir werden der Sache mal nachgehen. Ist nur die Frage zu klären, ob der zuständige Reporter da mit oder ohne Badebekleidung vor Ort geht. (Und da behaupte noch einer, im Odenwald wär nix los.)

Irgendwann ist dann aber auch mal gut. Feierabend. Prompt öffnet der Himmel seine Schleusen.

Noch kurz ehrenamtlich unterwegs, noch kurz essen, dann kurz lesen, dann kurz schlafen. Und morgen wieder: alles auf Anfang.

2 Kommentare zu “WmDedgT”

  1. Nach einem anstrengenden Tag mit einem Besuch im Krankenhaus wieder gerne hier gelesen.
    Liest sich ganz klar nach vielen Herausforderungen, so ein Journalistentag. Da könnte eine Geschichte über Orgien-affine Menschen einen kleinen Schmunzler entlocken, wobei: Kindergeschichten sind das wirklich keine ;-)
    Hoffentlich kommen diese dicken Regenwolken auch zu uns, hier können Felder, Wiesen, Brunnen und auch Seen Wasser von oben ebenfalls sehr gut brauchen.
    Erholsame Abendstunden wünscht C Stern

  2. Vielen Dank für die aufschlußreichen Informationen über den (Arbeits-)Tag einer Lokaljournalistin!
    Eine Frage hätte ich noch: Heute war ja der „Tag des Lokaljournalismus“, worüber in swr2 mehrfach berichtet wurde, allerdings immer nur im Kontext der print-medien. Sehr gerne hätte ich auch einen Beitrag über- oder zumindest einen Hinweis auf – den radiophonen (gibt es diesen Begriff überhaupt??) Lokaljournalismus gehört.
    Schöne Grüße! Gabriela

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