Irgendwas is immer, und die Zeit rast. Die rast so schnell, dass der Uhr da oben schon vor lauter Geschwindigkeit die Zeiger weggeflogen sind, ja, da staunen Sie. Ich staunte nicht, sondern dachte nur bei mir Ich auch, kleine Uhr, ich auch! Die zeit-lose Uhr habe ich in Bad Rappenau entdeckt, das ist nur eine halbe Weltreise von hier entfernt, aber der Weg ins (Klick!) japanische Lokal lohnte sich absolut, ich kann das sehr empfehlen. Wenn Sie Hüfte oder Knie haben und da mal in der Reha sind. Oder auch sonst, das geht natürlich auch. Ich habe weder Hüfte noch Knie und war tatsächlich nur zum Essen in Bad Rappenau.
Die Zeit rast also, der komplett verregnete, verhagelte und verschneite Urlaub ist auch schon wieder gefühlte zwei Monate her, und plötzlich bricht im Odenwald der Frühling aus. Der knapp einstündige Weg heute Mittag geht über die Felder, die meiste Zeit durch die pralle Sonne, die Wärme kommt etwas plötzlich, die Hunde hecheln, ich hechle auch.



In den blühenden Obstbäumen summen Bienen und Hummeln, das zarte Wiesenschaumkraut wiegt sich im Wind, es ist die pure Idylle, und hier und da stinkt es aus den Weihnachtsbaumplantagen nach Chemie. Irgendwas is ja immer.
Auch, wenn man sich über die Weltenlage informieren will, ist immer irgendwas, ich vermeide das deswegen, so gut es eben geht in meinem Job. Es geht tatsächlich nur so semi, und im Moment habe ich mich mit den aktuellen Sparplänen der Bundesgesundheitsministerin zu befassen und mit der Reform der Reform der Krankenhaus-Reform, das ist auch nur so halbwegs erfreulich.
Sie dürfen morgen, Samstag, an mich denken; während Sie auf dem Sofa oder in der Sonnenliege den Tag genießen, sitze ich voraussichtlich acht Stunden lang in einer Expertenanhörung zur Zukunft der hiesigen Kliniken. Die machen allerbeste Arbeit, aber leider im Monat derzeit um die eine Million Euro Schulden, und das ist ja nun kein Zustand, um es vorsichtig zu formulieren.
Es geht also um nicht weniger als die medizinische Versorgung im ländlichen Raum und um die passenden – oder eben nicht passenden – politischen Rahmenbedingungen, und wenn Sie mich fragen, wird das alles ausgesprochen böse enden. Mich fragt ja aber keiner, vielleicht ist es auch besser so, denn vielleicht täusche ich mich, hoffentlich. Die oben erwähnte Bundesgesundheitsministerin wird auch da sein, die wohnt hier um die Ecke. Sollte also eigentlich ein Heimspiel für sie werden, aber so ganz sicher bin ich mir auch da nicht mehr. Irgendwas is immer.
Ansonsten leckt im Keller die Heizung, und die neue Neonröhre an der Decke will nicht so, wie ich will, und außerdem hat der neue klitzekleine Hahn Rudi bei einem Himmelfahrtskommando sein Leben lassen müssen. Das war ausgesprochen schade. Wer aber auch so lange auf dem (festsitzenden) Deckel der Regenwassertonne herumhampelt, bis der Deckel ins Kippeln kommt, wer dann in die Wassertonne fällt, während der kippelnde Deckel sich über ihm wieder schließt, der darf sich halt nicht wundern. Das haben in 20 Jahren noch kein Hahn und keine Henne geschafft, aber irgendeiner muss halt immer mal der Erste sein. Wirklich schade. Sehr schade. Ruhe in Frieden, kleiner Rudi.
Wir haben nun kurzentschlossen den nächsten jungen Zwerghahn aus einer unharmonischen Hahnen-WG übernommen und die Wassertonne noch doppelt und dreifach abgesichert. Klein-Hähnchen genießt nun sein Dasein als alleiniger Hahn im Korb (sorry, der musste sein), er erkundet munter den Hühnerauslauf und die Riesenhennen und überzeugt sie (und uns) mit ausnehmend guten Manieren. Ich werde ihn hier mal demnächst etwas ausführlicher vorstellen, für den Freundkreis Hühnchen.
Und sonst so? Noch ein paar Geschichten für das Magazin MyOdenwald geschrieben, das kennen Sie hoffentlich, sonst (Klick!) bitte hier entlang, ein tolles Heft. Dann noch dieses und jenes, und vor lauter lauter nicht zum Blogschreiben gekommen. Irgendwas is immer. Naja, Sie wissen schon.
zum Thema Neonröhre: Da muss/soll man (meistens) auch den Starter tauschen…
LG Rudi
Das haben wir natürlich gemacht. Funktioniert trotzdem nicht. Dieser Tage ist der Elektriker eh im Haus, soll er halt auch mal auf die Neonröhre gucken.
Der arme Rudi 🫣
Ja. ;-(
Schönen Gruß!
Liebe Grüße aus Auerbach und danke für die Inspirationen zu japanischen Speisen und anderen schönen Dingen.
Ein themenreicher Eintrag, die zeitlose Uhr gefällt mir ausnehmend gut. Symbolkraft, hoffentlich! Ohnehin wird heute nur noch dahingehastet, das ist so gar nicht mein Tempo.
Natürlich musste ich einen Blick in die japanische Speisekarte tun – ich mag asiatisches Essen. Dennoch finde ich bedauernswert, was gerade in meiner Heimatstadt passiert. Wenn es so weitergeht, wird bald nur noch asiatische Küche angeboten, denn einheimische Lokale schließen immer öfter. Fast jedes Lokal, das nachwächst, ist auf asiatische Speisen spezialisiert. Ich liebe die Vielfalt …
Das Schicksal von Hahn Rudi ist äußerst bedauerlich. Da wünsche ich dem Neuzugang alles Gute – und freue mich auf eine Vorstellung!
Liebe Grüße, C Stern
Bei ausbrechendem Frühling muss ich immer an das schöne Lied vom Georg Kreisler denken:
„Ja, der Frühling, der Frühling, der Frühling ist hier
Gehn wir Tauben vergiften im Park!
Kann’s geben im Leben ein größres Plaisir
Als das Tauben vergiften im Park?“
Das und die englische Version „Poisoning Pigeons in the Park“ von Tom Lehrer gibt’s auf YouTube.
Oje – Sie lassen bei Ihrer Hofhaltung aber auch nichts aus!
Diese Version von „Dippel“ wie beim Hahn muss auch etwas mit System sein. Wenn die Jungmännlinge mal so das erste Jahr überstanden haben, dann stehen die Chancen gut, dass sie noch ein paar weitere schaffen. Wir haben die Erfahrung eher mit Katern und Katzen gemacht, bei denen erstere sehr oft unter dem Auto oder in anderen Situationen landen, die einem Tierleben nicht sonderlich förderlich sind:-(
Zum ganzen Polittheater spare ich mir die Luft, sonst kriege ich wieder zuviel Puls und davon hatte ich die letzte Zeit auch so genug.
Lieber kompensiere ich das wie am vergangenen Wochenende mit einer Radtour in der Karwendel-Gegend. Am zweiten Tag hatten wir dann die Dusche bereits mehrmals während der Fahrt und das nicht von schlechten Eltern, aber das war egal. Die Landschaft entlang der Isar von der Quelle und den Oberlauf entlang war es wert. Die (Handy-)Bilder waren ähnlich dramatisch.
Und von Samstag zu Sonntag ist es tatsächlich Frühling geworden. War es Samstag noch ein grüner Schimmer in den Bäumen, schienen diese innerhalb dieses Tages regelrecht explodiert zu sein und der Wald war ein hellgrünes Meer.