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5. April 2017

Was ich den ganzen Tag so mache, das möchte an jedem Fünften eines Monats die freundliche Frau Brüllen wissen. Ich möchte das auch gerne wissen, ich frage mich ja auch manchmal, was ich eigentlich den ganzen Tag so mache, also kann es nicht schaden, das mal ein bisschen zu dokumentieren.  Zumal ich derzeit Urlaub habe, jahahaa, schon wieder, da staunen Sie.

Sie sollten mich aber viel lieber bemitleiden, ich bin aufgrund äußerer und innerer Umstände (die ich niemandem wünsche) in dieses Jahr 2017 gestartet mit nahezu 30 Tagen Resturlaub von 2016, die müssen abgefeiert werden, bevor sie noch verfallen, das artet geradezu in Stress aus, ich kann mich quasi vor Urlaub gar nicht retten. Urlaubsstress ist ja in unserer modernen Gesellschaft ein weit verbreitetes Phänomen, Sie kennen das.

Bevor Sie aber nun weinend in tatsächlich dramatisches Mitleid verfallen, kommen wir zu den Fakten: Am Urlaubstag ersteinmal ausschlafen bis 7 Uhr, so geht das auf dem Lande. Dann checken, was der stundenlange Stromausfall der Nacht für Schäden angerichtet hat, das Dorf fiel gegen 22 Uhr in tiefe Finsternis, die bis zum Morgen anhielt. Der Bäcker nebenan flucht, der Backofen blieb erstmal stumm und kalt, bei uns daheim ist nichts passiert.

Blick ins Wohnzimmer bei Stromausfall.

Nach dem Cappuccino in den Wald, den Vöglein zugehört und mit dem Mann geschwätzt, der dort sein Holz macht. Ich stelle mir immer vor, das sei eine wundervolle Tätigkeit, Holzmachen im Wald, anstrengend, aber meditativ, sinnvoll und ertragreich, eine geniale Kombination. Ich hingegen ziehe mit den Hunden durch die Natur, mit dem Hündchen und dem Ochsen, der von sich behauptet, ein spanischer Straßenköter zu sein.

Eine gute Gelegenheit aber, um gleich mal ein paar Dinge anzuwenden, die ich bei einem Seminar gelernt habe, ja, ich war tatsächlich neulich auf einem Hundeseminar mit einer sehr sympatischen Expertin, das war ausgesprochen nett und auch sehr lehrreich, ich kann das jedem genervten Hundehalter nur empfehlen. So ziehe ich also vor mich hinbrabbelnd durchs Unterholz, wobei die Betonung auf ich ziehe liegt, nicht der Hund zieht, wir verzeichnen also erste echte Erfolge. Ich frage Sie: Kann ein Tag schöner beginnen?

Danach an den Computer, ein bisschen ertragreich, aber gar nicht meditativ, aber bitte, manches muss ja auch im Urlaub sein. Und der nächste Urlaub will ja auch geplant werden, online und mit google maps, ach, es ist alles furchtbar stressig hier. Außerdem immer wieder mit der Stoppuhr stoppen, wieviele Sekunden zwischen Friedrichs Brüllattacken vergehen, auch da verzeichnen wir Fortschritte, die Abstände werden deutlich länger.

Derweil arbeitet der freischaffende Künstlergatte im Atelier, das sieht nicht immer nach Arbeit aus, manchmal eher nach Grübeln oder nervösem Auf und Ab-Gehen oder nach Mittagsschläfchen mit offenen Augen, gehört aber alles zum kreativen Prozess. Ich musste das auch erst lernen, aber nach 20 gemeinsamen Jahren habe ich es begriffen, wie das mit der Kunst so funktioniert.

Dass zum kreativen Prozess auch die jammernde Wimmermusik aus dem uralten Kofferradio gehört, daran kann und will ich mich nicht gewöhnen, aber gottlob gibt es ja Türen zwischen Atelier und Wohnräumen. Und außerdem kann ich ja rausgehen, mit den Hunden. Siehe oben. Schließlich ist es plötzlich wieder Nachmittag, man kann sich das nicht erklären, wie die Zeit rast, wenn man endlich mal ein bisschen davon hat, ein echtes Phänomen, das ich bis heute nicht durchschaue.

Also wieder unterwegs mit Lieselotte, ein bisschen trainieren, ein bisschen Dönkes machen, die Natur genießen und am See mal nach dem rechten sehen. Dort, wo wir immer wieder zu Gast sein dürfen, ein echtes Geschenk.

Dort auch, wo die Forellen im Wasser immer weniger werden, der Forellenbesitzer führt penibel Liste über eingesetzte und über gefangene und verspeiste Fische, das stimmt alles leider nicht mit den Tatsachen überein, irgendwer bedient sich da wohl heimlich. Falls es der Reiher sein sollte, haben wir dem jetzt einen Strich durch die Rechnung gemacht, besser gesagt, ein paar Leinen durchs niedrige Wasser gezogen, auf dass er nicht mehr landen, waten, fangen kann. Der wird schön dumm gucken.

Für den Rest des Tages mit Buch aufs Sofa. Wie: mit Buch??, fragt der Gatte entgeistert, so mit echtem Buch mit echten Seiten, ohne Akku? Genau so. Mit echten Seiten, das muss ja auch mal wieder sein, und außerdem ist Urlaub. Wunderbares Buch übrigens, ich kann das jedem Hühnerhalter nur empfehlen.

So, und nun entschuldigen Sie mich bitte, ich muss mich von des Tages Last erholen.

 

 

 

 

 

 

  • 2 Kommentare
  • Biki 5. April 2017
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    Hohlweg
    1

  • Biki 5. April 2017
    Antworten

    Vielen Dank für ein Schmunzeln, dass du mir bringst!

    Immer wieder freue ich mich, wenn ich hier einen neuen Eintrag sehe. Fahre ja gelegentlich an Eurer Haustür vorbei und denk, ob das wohl Dein Hahn ist, den ich da grad höre…

    Danke fürs Mitnehmen ins Landleben!

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