WMDEDGT.

5. März 2015

Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? – kurz WMDEDGT -, fragt die Frau Brüllen jeden Monat einmal. Ich frage mich das auch, und deswegen mache ich doch einfach mit. Vielleicht interessiert mein Tagesablauf irgendwen, man weiß ja nie.

 

Ich mache eigentlich jeden Tag was anderes, das bringt der Job so mit sich, und leider selten das, was ich mir vorgenommen hatte, das treibt den Blutdruck in die Höhe, aber zumindest manche Dinge laufen immer gleich.

 

Der Wecker klingelt immer gleich, um 5 Uhr 20, auch heute ist das so, ein kleiner Kaffee in der dunklen Küche, ein bißchen Ruhe ohne Störung, dann eine Stunde Hunderunde durch das Winterwonderland. Ja, es hat schon wieder geschneit, und ja: ich kriege eine Krise.

 

 

 

 

7 Uhr, am Kloster läuten die Glocken, die Hühner gackern schon im Stall. Mal nach dem Rechten schauen, Futter und Wasser erneuern.

 

 

 

 

Wie jeden Morgen dann die Qual der Wahl: nach Norden oder Süden? Ins Büro 1 oder ins Büro 2? Ja, ich habe zwei Büros zum Preis von einem. Man gönnt sich ja sonst nichts. Heute nach Süden, ins Büro 1, der Terminkalender will es so, durch den Wald und übers Feld Richtung Große Kreisstadt.

 

 

 

9 Uhr 30, Telefonschaltkonferenz mit den Kollegen. Da brannte stimmungsmäßig vorübergehend grad die Hütte, hier isses ruhig. Meistens lobe ich mir das Leben als einsame Provinz-Korrepondentin.

 

Einen Herrn radio-logisch verarztet, der morgen vor Gericht steht. Vorberichterstattung nennt sich das. Schwerer Bandendiebstahl, heißt es in der Pressemeldung der Justiz. Ich würde eher drüberschreiben Wie blöd muß man sein?, nachdem der Herr nur äußerst mäßigen Erfolg hatte bei seinen Raubzügen. Ins Loch geht er vermutlich trotzdem, aber hallo. Auch Blödheit wird bestraft. Drüber nachgedacht, daß mein Ex-Chef mir gern vorwarf, augenzwinkernd, ich hätte immer zu viel Mitleid mit den Angeklagten. So wie neulich der Erpresser. Eine Mischung aus gütiger Großvati und Anselm Grün. Seine Idee sei janz schön blödsinnich jewesen, sagt er auf Berlinerisch, und mir ging gleich das Herz auf. Der sitzt nun schon im Knast, für lange Jahre, und ich sitze hier an meinem Schreibtisch.

 

Mails beantworten, zwei Kilo Post sichten, Termine festzurren, Besuch von einem Hörer. Ob ich wohl das Manuskript der Bildungssendung neulich…. und vielleicht für ihn auch ausdrucken….? Na, klar, wozu sind wir denn da. Dem Bewohner der Johannes-Diakonie die SWR3-Heftchen geschenkt, die er so gerne liest. Wozu sind wir denn da. Ärgerliche Telefonate führen. Und mich bei dem Herrn bedanken, der neulich under cover einen Mord gemeldet hat, der dann keiner war. Morde gibts hier gottseidank nur äußerst selten, Sie wissen ja; die Welt ist noch in Ordnung auf dem Lande, undsoweiter. Aber Tipps aus der Bevölkerung sind schließlich oftmals hilfreich. Die rasende Reporterin kann ja nicht überall sein.

 

Hunde liegen schnarchend neben dem Bürotisch.

 

 

 

Huch, schon wieder Mittag. Pause und 30 Kilometer Fahrt nach Büro 2 im Norden, alles verbinden.

 

 

Im Büro 2 warten die freundlichen Kollegen von der Technik. Seit Montag haben sie das kleine Studio in seine 2,5 Millionen Einzelteile zerlegt und die dann wieder irgendwie zusammengesetzt. Alles neu macht der März. Und ich muß jetzt alles neu lernen. Was funktioniert wie, wo muß ich welchen Knopf drücken, wie kommt was ins Radio. Kann nicht schaden, das zu wissen, wenn man damit sein täglich Brot verdient.

 

 

Sieht alles schick aus, und funktioniert sogar.

 

17 Uhr, Ende der Einweisung. Der Kopf schwirrt.

 

Feierabend. Heimfahrt durch den Wald und über die Felder. Der untergehenden Sonne entgegen. Wäre doof, jetzt in einer U-Bahn eingekeilt zu sitzen, denke ich. Hat ja was, das Landleben. Lieber Odenwälder Rushhour als Berliner Nahverkehr. Jede Dienstfahrt ist sowas wie UrlaubsZeit.

 

 

Zuhause die grüne Kiste checken, die wir einmal in der Woche vor die Tür gestellt bekommen. Bio undsoweiter. Einiges bestaunt, anderes verarbeitet, manches gleich den Hühnern und dem Hasen vorgesetzt. Bei manchen merkwürdigen Pflanzen bin ich auch mal un-bio.

 

 

20 Uhr, der Mond scheint hell, die Hühner schlafen schon, die Hunde schnarchen.

 

Ich werde heute auch nicht alt.

 

 

 

  • 4 Kommentare
  • Johannes Drechsler 5. März 2015
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    Meine Strecke, wenn ich die Kirchengemeinden Buchen, Walldürrn, Hardheim, Bofsheim, Rosenberg, Hirschlanden, Boxberg, Schillingstadt, Eberstadt usw. besuche oder Aktionen haben. Jetzt kann ich auch das swr Auto in Balsbach zuordnen. Grüße aus Wagenschwend

    • LandLebenBlog 6. März 2015
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      Ins Bauland tät ich aber anders fahren, tolle strecke über Waldhausen, rosshof, bödigheim. Kennste aber sicher.

  • Jürgen Hofherr 7. März 2015
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    Bei dir kam der Mord also auch an ;-)

    • LandLebenBlog 7. März 2015
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      Klaro, Morde machen immer rasend schnell die Runde. ;-)

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