Für den Freundeskreis Wolken habe ich ein paar Bilder mitgebracht von der heutigen Hunderunde, ein Stück vom Odenwälder Himmel. Der machte dicke Arme, drohte schwarz und tiefgrau, kam mir und den Hunden immer näher und verschwand dann aber so plötzlich, wie er entstanden war. Wir sind jedenfalls trocken geblieben.

Davor war ich im Wald unterwegs gewesen und hatte über Hinrichtungen nachgedacht. Was man halt so macht, an einem Sonntag auf dem Lande, es ist ja sonst nicht viel los.
Der Wald da hinten nämlich, da war vor rund 200 Jahren das Versteck vom Räuber Hölzerlips und seiner Bande. Männer, Frauen und Kinder, die von Diebstahl und Überfällen lebten, um überhaupt über-leben zu können. (Falls Sie den Hölzerlips nicht kennen, gucken Sie mal hier, aber es gibt da insgesamt viele Quellen im Internet, und Banden wie die vom Hölzerlips waren in vielen armen Regionen Deutschlands unterwegs.)
Jedenfalls: Wie ich da heute so durch den Wald stolpere, komme ich an den Wander-Wegweisern zum Felsenhaus vorbei, das war das Versteck der Bande. Der riesige Haufen Felsbrocken und Steine, mit kleinen Höhlen und breiten Spalten, dieses Versteck aber half ihnen wenig, irgendwann wurden der Hölzerlips und seine Räuberkumpel geschnappt und verurteilt. Zum Tode.
In Heidelberg fand erst ein Blutgericht statt, dann vor der Toren der Stadt die Hinrichtung, am 31. Juli 1812. Die Obrigkeit wollte Köpfe rollen sehen, und die Bevölkerung wollte das auch. Und wie: 30.000 Menschen pilgerten aus allen Himmelrichtungen nach Heidelberg, um dem Spektakel beizuwohnen. Dreißigtausend.
Die kleine Stadt am Neckar war über Tage im Ausnahmezustand und hatte Mühe, den Ansturm der Schaulustigen irgendwie in geordneten Bahnen zu halten. Eine Hinrichtung als touristisches Mega-Event, der Tod durch Enthauptung als Volksbelustigung, hui, wie schaurig-schön!, und das alles auch noch live, in Farbe und bei freiem Eintritt.
Gute 200 Jahre ist das her, und wenn ich es richtig im Kopf habe, war die öffentliche Hinrichtung vom Hölzerlips und seinen Kumpels die letzte ihrer Art in Heidelberg. Da haben die Menschen in den vergangenen 200 Jahren vielleicht doch was gelernt, dass sie sowas abgeschafft haben!, sage ich heute Mittag zu den Hunden, während wir durchs Unterholz nicht weit vom Felsenhaus des Hölzerlips steigen und sich die Brombeerranken an meinen Hosenbeinen festkrallen, das war doch alles grauenhaft!
Die Hunde glotzen mich an und schweigen nur. Ob aus Desinteresse oder Unverständnis, vielleicht auch nur aus reiner Höflichkeit: das bleibt offen.
Naja, Sie wissen schon.
… bei aller Schaurigkeit: Schönen Rest-Sonntag noch!
Es IST ( wieder ) schaurig.
Kleine Änderung: Öffentliche Hinrichtungen jetzt bequem im Livestream von der Couch aus.
Dazu fällt mir der Beerfelder Galgen ein. Auf einer Anhöhe gelegen mit wunderschöner Aussicht. Was war wohl die Motivation, den Galgen gerade hier aufzustellen? Sollten die Verurteilten nochmals in den Genuß der herrlichen Landschaft kommen oder sollte die Schaulust der sensationsgierigen Menge mit einem Ausflug verbunden werden? Als Unterhaltung mit der Familie…