Immer am Fünften eines Monats will die freundliche Nachbarbloggerin von uns wissen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, kurz wmdedgt, und heute ist schon der Sechste des Monats, und das sagt eigentlich schon alles über den gestrigen Tag.

Was ich den ganzen Tag so mache? Schwitzen. Schwitzen und trotzdem arbeiten. Im kühleren der beiden Büros ist es erfrischende 28 Grad, also bitte, ich will nicht klagen. Muss aber einen Gutteil des Vormittags in der prallen Sonne herumstehen, auf den Pferdekoppeln der hiesigen Stutenmilchfarm. Die ist ihrerseits die älteste und größte in Deutschland, vielleicht sogar in Europa, sagt der Chef. Und leidet aktuell auch unter der extremen Trockenheit, die Geschichte können Sie hier nachlesen, es ist alles ein bisschen apokalyptisch. Wo grüne Weiden und Wiesen sein sollten, alles grau und braun und staubig, kein Hälmchen weit und breit, aber 350 Pferde, die satt werden wollen, Tag für Tag.

Zusammen mit einem Kollegen aus dem großen Studio in der großen Stadt sammeln wir Töne, Fotos, Videos, während der Schweiß in Strömen fließt. Zurück im Büro fließt er weiterhin, aber wir tun, als wäre nix gewesen und arbeiten uns durch das Material, basteln daraus einen Beitrag. Zwischendurch Video-Konferenzen, Telefonate, eine Hörerin kommt ins Büro und möchte sich beschweren über dies und jenes. Ich kann ihr leider auch nicht helfen, und am Ende verabschieden wir uns freundlich.

Noch mehr Konferenzen, Telefonate, Anfragen und Aufträge. Irgendwann gebe ich mir und dem Kollegen hitzefrei, da ist es schon lange nach 17 Uhr und der Arbeitstag schon neun tropisch-warme Stunden alt.

Auf der siedend-heißen Autofahrt nach Hause fällt mir siedend-heiß ein, dass in wenigen Minuten eine Sitzung im kleinen Museum stattfindet, mein geschmolzenes Gehirn hatte das bis eben noch verdrängt. Ehrenamt rockt, jaja, naja, Sie wissen schon. Da also hin. Nicht ahnend, dass die wirklichen Dramen des Tages noch bevorstehen.

Und das Drama geht so: Superhuhn Uschi hat beschlossen, dass es jetzt mal gut ist mit neun Kindern Küken. Am Abend ist sie zurückgekehrt in den großen Stall, nach sechs Wochen im kleinen separaten Glucken- und Kükenhäuschen. Endlich mal wieder ihre Ruhe haben, Me-Time, wie man heutzutage sagt, Zeit für sich, niemand, der ihr am Rockzipfel hängt, dauernd Mami-Mami!! brüllt, Hunger oder Durst hat. Man kann das ja verstehen. Mütter können das verstehen.

Damit ist jetzt ein für allemal Schluss. Sagt Uschi.

Jedenfalls hat sich Uschi im großen Stall auf die hinterste Stange gesetzt, in die hinterste Ecke, verdeckt von all den anderen Hühnern, die jetzt langsam schlafen wollen, und sie gibt keinen Mucks von sich. Keinen einzigen. Die Küken im Gehege sind außer sich, völlig aufgelöst, sie sehen Uschi nicht, sie hören sie nicht, in den Gluckenstall wollen sie nicht ohne Mami, aber Mami, Mami!, wo ist sie bloß? Uschi schweigt beharrlich und denkt sich ihren Teil. Es ist ein Drama. Oder sagte ich das bereits? Und das abends um 21 Uhr.

Die Küken wimmern und weinen, rennen kopflos durch die Gegend, ich bin hundemüde und weine und wimmere auch gleich. Und stolpere unter Absingen schmutziger Lieder durchs Gehege, um Küken zu fangen und Richtung Uschi in den großen Stall zu bugsieren, leider komplett erfolglos. Was man halt so macht nach einem langen Arbeitstag als supi-dupi-Journalistin.

In ihrer Verzweiflung springen die Küken erst mir auf Arme und Schultern, dann von da aus auf die umstehenden Bäume, unerreichbar. Schluchzend richten sie sich auf Ästen und Zweigen für die Nacht ein, und ich denke irgendwann bei mir Ihr könnt mich mal.

In der Nacht träume ich von blutrünstigen Mardern, die auf Bäume klettern, ich träume von Gewittern und Regen und Sturm, von zerzausten, ertrinkenden oder anderweitig gefährdeten Küken, aber heute früh sind alle unversehrt und munter, und ich muss jetzt einen Plan aushecken, wie ich die Drecksviecher die kleinen Süßen heute Abend in den großen Stall zu Mutter Uschi und den anderen verfrachte.

So wird es einem wenigstens nicht langweilig, Naja, Sie wissen schon.

3 Kommentare zu “wmdedgt”

  1. …und ich werde immer ganz neidisch, wenn ich lese, mit wie vielen Begriffen man eine Sache beschreiben kann!
    Schönen Sommertags-Nachmittag in die Runde …

  2. Das Foto von Uschi und ihren Buben und Mädchen ist der Hammer :-)) Ganz stolz blickt sie in die Kamera – aber auch entschlossen. Und ja, ich kann es Uschi schon nachfühlen, dass sie eeendlich mal eine Pause braucht. Das ist schließlich menschlich wie auch tierisch.
    Mit all den Tagesordnungspunkten, die ich hier lese, da kann einem gar nicht langweilig werden.
    Es steht ein Wochenende in Aussicht, dazu viel Erholung sowie eine rücksichtsvolle Hühnerbande.
    Liebe Grüße, C Stern

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