Manche Leute behaupten ja, man sei bei dieser Hitze zum Nichtstun verdammt. Hirn weggeschmolzen, jede Bewegung eine Herausforderung. Badisch-Sibirien ist auch nicht mehr das, was es mal war.

Die Unterschiede zwischen Außen- und Innentemperaturen sind nur noch graduell, hier 32, da 34, das macht den Kohl jetzt auch nicht mehr fett. A propos: Auf fetten Kohl sollte man dieser Tage verzichten. Auf Rinderbraten und dicke Knödel auch. Aber das wissen Sie vermutlich.

Ich bin jedenfalls nicht zum Nichtstun verdammt, obwohl Freitag immer Frei-Tag ist. Ich betätige mich sportlich, indem ich den großen Standventilator ständig von hier nach da schleppe, der wiegt ganz schön was, optimales Work-out also. Treppe rauf, Treppe runter, Bauch-Beine-Po.

Wenn ich den Ventilator auf Stufe 3 stelle, wirbelt er außerdem alle Papiere, Briefe, Unterlagen durcheinander, die ich immerzu irgendwo liegenlasse, lustig fliegen sie durchs Zimmer wie Laub im Herbststurm, und dann landen sie an Stellen, an die kein Mensch jemals drankommt. Unter dem Sofa, hinter dem Schrank, unter dem Esstisch. Ich krieche mit wehendem Haar durch den Raum und sammle Steuerbescheide, Versicherungsunterlagen und wichtige Mitteilungen der Kreisverwaltung wieder ein, das hält die alten Knochen jung und gelenkig, ist also auch im Sinne der Gesundheit.

Die Hunde übergieße ich alle halbe Stunde mit lauwarmem Wasser, dann hören sie für drei Minuten auf mit dem hektischen Gehechel, das unseren Tag ansonsten rund um die Uhr untermalt. Wie ein Basso Continuo ist das Gehechel, mit weit herausgestreckter Zunge, von der die Spucke (oder was von ihr übrig ist) sabbernd auf den Boden tropft. Un-unter-brochen geht das so, es macht mich rasend.

Weil ich den Tipp im Internet las, biete ich seit einigen Tagen jedem Briefträger, Paketboten oder sonstwelchen Lieferanten eine anderthalb-Liter-Flasche Mineralwasser zum Mitnehmen an. Bisher waren sie noch alle selber gut genug mit Wasser versorgt, Der kluge Mann bewässert vor, – lehnten also dankend ab, JA DANN HALT NICHT!!!!1!!!11!! , aber ich werde dieses Angebot natürlich weiterhin machen.

Der Gatte liegt im abgedunkelten Zimmer auf einer Liege und döst, ab und zu murmelt er etwas wie Aber früher wars im Sommer doch auch schon heiß!, und ich antworte Jaja und tupfe mir die Schweißperlen von der Stirne.

Ansonsten schaue ich dem Asphalt vor dem Haus beim Schmelzen zu, fülle Wassernäpfe für Vögel und Igel im Garten, Wassernäpfe für Bienen und Hühner. Gucke alle paar Stunden, ob Uschi noch sitzt und ob Uschi noch lebt, beides ist nicht selbstverständlich bei 36 Grad im Schatten. Vielleicht verwandeln sich die 15 Eier unter Uschi demnächst in blubbernde Spiegeleier, oder die geplanten Küken schlüpfen schon als fertiggebratene Hähnchen, man muss da mit allem rechnen.

Und dann wollte ich vorhin noch äußerst experimentelle Fotos zum Thema Hitze machen. Aber es war – Sie ahnen es – schlichtweg zu heiß dafür.

2 Kommentare zu “Dies und Das bei drölfzigtausend Grad”

  1. Ich habe heute beinahe vor Glück geweint. Termin heute zur hessischen Tunnelwoche (oder so ähnlich), der Termin größtenteils im klimatisierten Infocenter und in einem im Bau befindlichen Tunnel, das eine schon fast zu kühl, das andere lauwarm und gut erträglich. Dazwischen in Gummistiefeln mit Helm und Warnweste durch die Sonne latschen, aber das war für die paar hundert Meter schon wieder fast lustig.
    Zuhause kann ich mir auch nur mit dem von dir beschriebenen Workout-Instrument behelfen…

    Grüße von der heißen Seite des Odenwalds (morgen geht es an die 40…)
    Katja

  2. … schwitzen tut der Haut gut – liebe Schwestern im Schweiße – wir werden immer schöner …
    Schöne Grüße, auch an die Herren der Schöpfung,
    Gabriela

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