Am Zwölften des Monats will die freundliche Nachbarbloggerin zwölf Fotos vom Tage sehen, also bitte sehr. Ganz normaler Tag aus dem Leben einer Regionalreporterin.
Morgens erstmal aus dem Fenster glotzen (siehe oben), im Internet das Wetter checken, Hund begrüßen.


Dann Hunderunde. Schal, Mütze, Handschuhe. Ja, die Sonne lacht. Aber die lacht sich tot, weil sie so tut, als sei Mai, dabei schickt sie kichernd November-Temperaturen übers Land.


Dann los zum ersten Termin. Nachdem ich gestern die Bundesgesundheitsministerin interviewt habe, muss ich heute ins Gefängnis. Nein, kein Kausalzusammenhang. Nur eine Frage der Tagesplanung.
Über den kleinen Dienstweg geht es Richtung Jugendknast.


Ich kenne das Procedere im Gefängnis inzwischen, Ausweis abgeben, Handy registrieren lassen, sich abholen lassen von netten Vollzugsbeamten. Diesmal inklusive Fahrt im vergitterten Bus übers Gelände, das hatten wir auch noch nicht. Alle immer sehr freundlich, die Knackis auch. Der Interviewpartner sowieso.


Nach drei Stunden ist der Termin beendet, wir dürfen wieder raus, die Jungs müssen drinnen bleiben. Immer wieder ein merkwürdiges Gefühl. Auf dem Weg über den Parkplatz friere ich wie ein Schneider. Und weiß nicht, obs nur am Wetter liegt.
Ran an den Schreibtisch im Büro, Töne abhören, sortieren, schneiden, Texte machen, Beiträge produzieren, immer wieder mit Blick auf die Uhr. Kaffee aus dem Pappbecher, ein klebriges Süßteilchen aus der Hand, gesunde Ernährung am Arbeitsplatz ist wirklich wichtig, man kann das gar nicht oft genug sagen.


Zwischendurch Videokonferenzen mit Kollegen im Studio in der großen Stadt, dann noch schnell ein Whatsapp-Interview mit einem, der bei der neuen Regierungskoalition in Baden-Württemberg keine Ministerrolle mehr spielt, ungewohnt nach gefühlten 30 Jahren Amtszeit. Irgendwann ist aber Feierabend. Der Tag war lang.

Schnell Gemüse und Kräuter schnippeln, schnell kochen, schnell Essen, schnell schlafen. Noch kurz nachdenken über Freiheit und Un-Freiheit, über kleine und große Hoffnungen und Chancen, über Umwege und Sackgassen und Fluchtwege, lauter so Zeugs halt.
Morgen wieder alles auf Anfang.
Auch wenn ich mich wiederhole: Bin einfach begeistert von diesem blog, den Bildern, den Texten, dem guten Geist …
Danke und schönen Gruß!
Wenn ein Tag mit so einem Blick in treuherzige Hundeaugen beginnt, ist die Welt jedenfalls in Ordnung.
An solche Augenblicke erinnere ich mich gerne zurück.
Lieben Gruß, C Stern
Kann man sich dieses Interview eigentlich irgendwo anhören, auch wenn man nicht im Odenwald ist?
Ich denke, das wird nicht online gestellt, aber es wird auch einen Fernseh-bericht geben, den verlinke ich hier, wenn er online abrufbar ist.
Interessantes Kontrastprogramm: Wunderschöne Natur, seelenvolle Hundeaugen und dann gefängnisschmutzige Betonwand, Stacheldraht …
Und doch gibt es Versuche, diese drei Dinge zu vereinbaren und auch mit Erfolg. Gefängnisse, die ihre Insassen auf der angeschlossenen Gefängnisfarm arbeiten lassen, laut Berichten ist dort die Rückfallquote zur Kriminalität nach Entlassung deutlich niedriger; Hundetherapeuten mit ihren Therapiehunden haben auch schon manche harte Seele geknackt.
Warum werden solche Maßnahmen nicht öfter oder immer eingesetzt? Ich kenne mich da allerdings nicht aus, vielleicht gibt es so etwas ja doch mehr als bekannt. Zu wünschen wäre es.