Der Odenwälder Patriotismus verlangt, dass wir in diesen Tagen verstärkt zum Space Center nach Cape Canaveral glotzen. Oder abends in den Himmel, Richtung Mond, wie Sie wollen. Jedenfalls ist da ja gerade ein amerikanisches Raumschiff unterwegs – Richtung Mond – , das quasi hinter dem Mond herumfahren soll, um ihn mal von hinten zu begucken. Da gibt es nämlich Stellen auf der Rückseite, die kriegt unsereiner von der Erde aus nie zu sehen, das hat irgendwas mit der Rotation zu tun, fragen Sie mich nicht, glauben Sie es einfach.

Es ist also unsere Odenwälder patriotische Pflicht, da mehr oder weniger live dabei zu sein. In ein paar Tagen werden die vier Astronauten aus dem Fenster gucken und sagen Oh, da ist ja die Rückseite des Mondes!, und Oh, da ist ja auch der Hohmann-Krater!, Hello, Walter, thank you very much!, und dann werden sie winken und lachen und vielleicht ein paar Blümchen Richtung Hohmann-Krater abwerfen, davon gehe ich jedenfalls aus.

Treue Leser kennen die Geschichte, (Klick! Hier hatte ich sie schon mal erzählt): der Odenwälder Walter Hohmann (oben auf einem Ölgemälde im Hardheimer Rathaus) hatte so ab 1911 herum zu viel Tagesfreizeit (und vielleicht auch Langeweile in seinem eigentlichen Job) und hat deswegen darüber nachgedacht, wie ein raketenbetriebenes Raumschiff von der Erde zu anderen Planeten fliegen müsste. Also, auf welchen Bahnen ganz genau. Ab 1911, wohlgemerkt. Was man halt so macht, wenn man sich langweilt.

Kein Mensch hatte einen Schimmer, was ein raketenbetriebenes Raumschiff sein soll, aber olle Walter ließ sich nicht beirren. Er erfand mit allerlei mathematischen Kniffen um 1925 schließlich die Hohmann-Bahnen, und nach denen richtet sich die Raumfahrt noch heute. Ja, da staunen Sie! Ohne Odenwälder also keine Mondmission, so ist es wirklich. Deswegen ist nach dem Herrn aus dem Odenwald auch ein Krater auf dem Mond benannt. Nix Popeliges, sondern so ein schickes kreisrundes Ding mit immerhin 17 Kilometer Durchmesser. Also, bitte.

Und das Aller-allerbeste, das wurde mir erst heute nach der entsprechenden Lektüre bewusst: Hohmann hat nicht nur die Flugbahnen theoretisch berechnet, sondern er hat dabei auch darauf geachtet, dass die Astronauten Sprit sparen können. Die sparsamsten Routen hat er vorgegeben, und da muss man sich ja heutzutage fragen: Wie vorausschauend war das denn bitte?? Jetzt, wo Diesel und Benzin und wasweißich so irre teuer sind, weil der Vollhonk im Weißen Haus dafür gesorgt hat. Hat Hohmann das vorausgesehen? Hat er in die Zukunft blicken können? Wir müssen es fast annehmen. Odenwälder halt. Naja, Sie wissen schon.

Falls Sie die aktuelle Mondmission also in irgendeiner Weise verfolgen, (Klick: hier zum Beispiel live) legen Sie bitte eine kleine Gedenkminute für Herrn Hohmann ein, wenn das Raumschiff die Mond-Rückseite passiert. Denken Sie nicht an die Spritpreise. Denken Sie für einen Moment nur daran, dass Hohmann sein Bestes getan hat und immer ans Spritsparen dachte, auch damals schon, ab 1911.

9 Kommentare zu “Walter, wir grüßen Dich!”

  1. … eine interessante Perspektive, die die Benzinpreise eines energiesparenden Raumschiffes bzw. seiner Route bzw. seines klugen Erfinders mit den Zöllen eines amerikanischen Präsidenten zusammenbringt – und beider Familiengeschichte wurzelt im ländlichen Raum Süddeutschlands.

  2. Ich kann mich vor einem Menschen mit so einer wachen Intelligenz und Weitsicht nur tief verneigen!
    Herzlichen Dank für diesen höchst lesenswerten Beitrag, mir war Herr Hohmann noch nicht bekannt. Zweifelsfrei ein gewaltiger Wissenskrater, ich gebe es unumwunden zu.
    Ich wünsche den Menschen an Bord eine erfolgreiche Mission und uns frohe Ostern.
    Mit besten Grüßen, C Stern

  3. Liebe Friederike, danke für den für mich vollkommen neuen Begriff: „Vollhonk“, ist der irgendwie verwandt mit dem „Vollpfosten“ hier im Norden?

    Gruß aus der Heide – ekke

  4. äh – Lizenzgebühren meine ich natürlich 🙄 Als Kompensatiom für Zölle, Bemzinpreise, allgemeine Übelkeit – Sie wissen schon …

  5. Vom Hohmann hatte ich mal gelesen, als ich mich mit den Apollo-Mondflügen beschäftigte. Wahrscheinlich wusste ich auch das mit den Flugbahnen, hatte es zwischenzeitlich aber vergessen. Und dass er Odenwälder war, wusste ich gar nicht. Also wieder mal ein Erkenntnisgewinn.
    Die Artemis-Mission, nuja, ich hab‘ ein paarmal reingeschaut, aber ist halt ’n Raumflug, einmal um den Mond und zurück. Hat die Menschheit schonmal hinbekommen, also werden’s die Leute von heute doch wohl auch schaffen. Alles andere wär‘ ja peinlich.

  6. Vielen Dank,
    ich freue mich immer wieder über diese „Fundstücke “ .
    Grüße aus Frankfurt/Main
    Hede

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