Landleben ist ja auch, wenn man a) im Wahllokal freundlich namentlich begrüßt wird und ergo auch keinen Personalausweis braucht, und b) wenn der/die Allererste morgens früh beim Betreten des Wahllokals einen Schnaps angeboten bekommt. Letzteres wird mir nur berichtet, ich selber habe zu lange geschlafen, und ich kann den Wahrheitsgehalt der Schnaps-Geschichte nicht überprüfen. Bin aber durchaus geneigt, das zu glauben.

Staatsbürgerpflicht also erfüllt, jetzt abwarten, nachher arbeiten. Glückliche oder frustrierte Kandidaten interviewen, wenn die Ergebnisse auf dem Tisch liegen. Ich bilde mir ein, diese Landtagswahl sei spannender als viele zuvor.

Aber a propos frustriert: Ich habe Ihnen Rudi noch gar nicht vorgestellt, oder? Rudi ist der neue Hahn im Haus, ein Zwerghahn, dem Unheil drohte, weil es Knatsch mit den anderen Junghähnen in seinem ursprünglichen Zuhause gab. Deswegen durfte der Zwerg zu unseren Riesen-Hennen. Sie können den Größenunterschied auf den Fotos nur ahnen, er ist in Wirklichkeit gigantisch. Es ist ein bisschen David-gegen-Goliath-mäßig.

Rudi benimmt sich vorbildlich, ein echter Gentleman, er kräht und kräht, zeigt den Hennen die besten Futter-Stückchen, sucht keinen Streit. Und hat offenbar eine große Frustrationstoleranz. Die kommt immer dann zum Vorschein, wenn Rudi tut, was alle Hähne tun: wenn er die Hennen bespringt.

Rudi bräuchte dafür eigentlich eine kleine Leiter, aber er nimmt alle Kraft zusammen und flattert tollkühn auf die Hennen drauf, krallt sich fest und müht sich redlich. Er sitzt dann oben auf der Henne wie Erwin Piependeckel beim Ägyptenurlaub auf dem Kamel, völlig verkrampft und unbequem und eigentlich auch fehl am Platze, aber tapfer lächelnd.

Den Hennen geht Rudi dabei wortwörtlich am Allerwertesten vorbei, dieser Winzling da oben auf ihrem Rücken, wie Erwin Piependeckel auf dem Kamel, also schlendern sie unbeeindruckt weiter, suchen Körner, begucken die Landschaft, als wäre nix gewesen. Manchmal schütteln sie sich, wie ein Pferd, das die lästigen Fliegen verscheuchen will, dann segelt Rudi im hohen Bogen in die Tiefe, schüttelt sich seinerseits und tut auch, als wäre nix gewesen.

Ich stelle mir das peinlich und frustrierend vor, aber noch scheint Rudi keinen seelischen Schaden davonzutragen. So sei es und so bleibe es, bis in Ewigkeit, Amen. Mit Fortpflanzung wird das so nix, ist aber auch ok.

Vielleicht hat Rudi bei unserer Uschi Glück, beim Flughuhn, das sich für einen Seeadler hält, das fällt mir grad so ein. Uschi ist deutlich kleiner als die anderen Hennen, das könnte also passen, und das wäre ja auch mal eine ganz besondere Verbindung. Eine ungewöhnliche Koalition quasi, um damit wieder die inhaltliche Kurve zur eingangs erwähnten Landtagswahl zu kriegen. Auch da also: abwarten. Naja, Sie wissen schon.

5 Kommentare zu “Rudi und die Landtagswahl”

  1. …die Spannung wächst; wollen wir hoffen, dass es im Umgang mit dem Ergebnis der Wahl ebenso friedlich ist wie im Hühnerstall.
    Schöne Grüße!

  2. Wunderbar: Zwerghahn koaliert mit Flughuhn … wird in den Rathäusern, die bei uns (Liebe Grüße Bayern) gerade zur Wahl stehen, häufig ähnlich aussehen.

  3. Köstlich, dieser Bericht über Rudi und seine Damen! Die können froh sein, dass sich Rudi so freundlich verhält.
    Ich wünsche ihm, dass er Glück hat bei Uschi, sie soll es nicht bereuen.
    Liebe Grüße, C Stern

  4. Der Rudi ist ein wirklich schöner Hahn und auch bemüht diese Goliath-Hennen zu begatten. Das verdient meinen großen Respekt und meine Anerkennung, daher, Frau Landlebenbloggerin, muss ich Sie im Namen der Ehahnzipation auffordern, diese Viecher umgehend zu Hühnersuppe zu verarbeiten und dem Rudi ein paar artgemäße Hennen zu besorgen. Die im Übrigen auch Eier legen, die sogar sehr deliziös schmecken sollen, das sei abschließend angemerkt.

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