Am Tag, als die Fräääääse kaaam/ Laaang-erseeehnt/Heeiiiiiß-erfleeeht, – Laaaa, lalalala-laaaaaaa – Sie kennen sicher diesen alten Schlager, er ist – das wissen Viele ja gar nicht – im Odenwald entstanden. Oder zumindest in einer deutschen Mittelgebirgsregion. Da, wo es früher zuverlässige Winter hatte. Heute nicht mehr.
Die benzingetriebene Schneefräse ist, was die Lautstärke angeht, die große Schwester des Laubbläsers. Während der aber jedes Jahr raus darf, weil Bäume immer Blätter schmeißen, musste die Schneefräse in den vergangenen Jahren ein einsames Schattendasein in Kellern und Garagen fristen. Niemand brauchte sie, zumindest hier im Odenwald niemand. Sehen wir mal von den Männern ab, die schon bei 1 cm Schnee die Fräse in Gang warfen, und sei es nur, um ihr das Gefühl zu vermitteln, dass sie nicht vergessen sei, und die dann mit grimmiger Entschlossenheit den eisigen Puderzucker auf den Gehwegen zusammenfrästen.

Jedenfalls schneit es seit heute früh, es schneit und schneit und schneit und schneit. Frau Holle schüttelt nicht nur ihr eigenes, sondern auch noch drölfzig Gästebetten aus, nach den Feiertagen ist das so gesehen ja kein Wunder. So einen Wintereinbruch hatten wir ja seit Jahren nicht mehr, sagt mein Geo wieder und wieder und glotzt in die wirbelnden Schneeflocken vor dem Fenster.
Und plötzlich sind sie wieder da, überall, Männer und Fräsen, sie ziehen die Wege gemeinsam hinauf und hinab, endlich ist es mal wieder so weit, endlich dürfen sie wieder raus, ans Licht, an die Luft; die Fräsen spucken begeistert den Schnee in hohen Fontänen zur Seite, und ich warte nur darauf, dass die erste von ihnen sich fröhlich wiehernd aufbäumt wie ein glückliches Pferdchen.

Ich glaube, die Männer an den Maschinen sind auch glücklich, sie machen dem Schnee den Garaus, lärmend und knatternd, sie fräsen und fräsen und sichern sich und den Liebsten das Überleben; sie halten gleichsam den Höhleneingang frei, wie unsere Vorfahren im Neandertal, fürsorglich und fast ein bisschen archaisch. (Wobei ich gar nicht weiß, ob es im Neandertal seinerzeit geschneit hat, und ob man da schon Schneefräsen oder Schneeschaufeln hatte, ich werde das mal recherchieren müssen.)

Jedenfalls war Schneefräse lange unter meiner Würde. Ich setzte auf Muskelkraft und Schneeschippe, damals, als es noch tiefe Winter gab im Odenwald. Selbst ist die Frau. Das ist nun allerdings zugegebenermaßen ein paar Jahre her, mit der Muskelkraft ist das inzwischen so eine Sache, jahahaaaaa, und allein das Wort Schneeschippe verursacht mir Rücken und singende Bandscheiben. Tja, das habe ich nun von meiner Schneefräsen-Arroganz. Hochmut kommt vor dem Schnee, oder wie das heißt.
Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, wir müssen wieder schaufeln gehen. Uns und den Hühnern das Überleben im Schneechaos sichern. Ich weiß aber spätestens jetzt, was ich mir nächstes Jahr zu Weihnachten wünsche. Naja, Sie wissen schon.
Diese wunderbaren Bilder bringen mich auf den Gedanken: Gibt es eigentlich einen Kalender? Wäre doch ein wunderbares Weihnachts-Geschenk; nur als Anregung für den 24.12.2026. Schöne weiße Grüße!
Kalender würde ich sofort kaufen, mehrfach.
Männer, die auf Fräsen starren… als diplomierte Friertante lese ich Ihr Blog derzeit mit Puscheldecke und elektrischer Heizdecke „auffe Kautsch“ (der heimatliche Ruhrpott kommt durch!). Herzliche Grüße!