Was machst du eigentlich den ganzen Tag?, das will an jedem 5. des Monats die freundliche Nachbarin von uns wissen und versammelt die diversen Tagebucheinträge dann bei sich auf dem Blog. Also bitte. Ich bin gerne dabei.

Was ich heute den ganzen Tag mache? In diesem Ungetüm aus Glas und Stahl herumsitzen. Zuhören, reden, Fragen beantworten, Erfahrungen teilen, wieder zuhören, wieder reden, konzentrieren. Den journalistischen Nachwuchs schulen und den jungen Männern und Frauen meine Begeisterung fürs Radio vermitteln, acht Stunden lang. Zwischendurch unten neben sechsspuriger Straße und Betonfassade ein bisschen frische Luft schnappen.

Unter meinen mehr oder weniger strengen Augen und Ohren und mit der Unterstützung von zwei Tontechnikerinnen müssen die Schüler und Schülerinnen Texte einsprechen im Tonstudio, O-Töne schneiden und einen Hörfunk-Beitrag produzieren. Die meisten von ihnen stehen das erste Mal selber vor dem Mikrofon.

Vielleicht habe ich in der vergangenen Woche bei der theoretischen Einführung gute Arbeit geleistet, oder das sind alles Naturtalente. Wahrscheinlich ist letzteres der Fall, jedenfalls haben wir viel Spaß miteinander, und alle sind am Ende stolz wie Bolle und hoch zufrieden mit ihren Erstlingswerken. Und ich mit mir doch durchaus auch. Es stellt sich ein kleines Gefühl der Selbstwirksamkeit ein. Das ist ja auch mal schön.

Es stellt sich allerdings auch ein größeres Gefühl der Müdigkeit ein. Auf dem Weg zurück ins Hotel schlafe ich fast in der S-Bahn ein, die mich zum Rosenheimer Platz bringen soll. Die Luft im Odenwald ist frischer als die in den vollbesetzten, stickigen Waggons. So viel steht fest.

Zwischen S-Bahnhof und Hotel noch schnell einkehren. Das Lokal ist schon gut voll, überall schwätzende, quasselnde und lachende Menschen; der Kellner fragt mich: „Zwei Plätze?“ Ich antworte: „Nein, ich bin allein und ich hoffe sehr, ich bleibe es auch.“ Der Kellner lacht: „Das klingt sehr sympathisch“, sagt er und setzt mich an einen netten kleinen Tisch.

Während ich da mitten im gastronomischen Lärm sitze und innerlich zur Ruhe komme, fällt mir ein, wie ich im vergangenen Jahr hier war. Auch da war der Laden gerammelt voll, und ich genoss das Alleinsein mitten im Getümmel.

Ich gönnte mir Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise, bestellte schließlich die Rechnung und wunderte mich nach dem Bezahlen, dass es nur so wenig gekostet haben sollte.


Also rief ich den Kellner noch mal an den Tisch: „Sie haben mir die Hauptspeise nicht berechnet“, sagte ich ihm und hielt ihm die Rechnung unter die Nase. Er guckte kurz auf das kleine Stück Papier und sagte: „Ach, wissen Sie: Wenn Sie so ehrlich sind, lade ich Sie doch gerne ein.“

Diesmal ist alles okay mit der Rechnung. Ich verlasse das Lokal und gehe noch die paar hundert Meter durch die kalte Münchner Abendluft zum Hotel.
Vorbei an der Rezeption, Richtung Fahrstuhl, Richtung Zimmer und Bett. Mir entgegen kommen ganze Gruppen von Männern und Frauen, Parfümwolken vor sich her schiebend, aufgedreht und plappernd, auf dem Weg vielleicht in das Münchner Nachtleben. Sollen sie die Nacht durchtanzen. Ich gehe schlafen.

3 Kommentare zu “wmdedgt”

  1. Nach einem ereignisreichen und intensiven Tag Füße hoch und Augenpflege –
    super, dass es junge motivierte Menschen im Radio gibt. Mit der vielen Technik muss man halt auch klarkommen – wie fast überall heutzutage.
    Ein sehr sympathischer Kellner, so fein, wenn Menschen ihren Job lieben …
    Wünsche ein entspannendes Wochenende, liebe Grüße, C Stern

  2. …so isses, liebe Mit-Leserin C. Stern, „…so fein, wenn Menschen ihren Job lieben…“ – Merci vielmals für blog und Kommentar und einen angenehmen
    Arbeits-Tag allen Leser’innen. Schöne Grüße!

  3. …so isses, liebe Mit-Leserin C. Stern- merci vielmals für blog und Kommentar und einen angenehmen
    Arbeits-Tag allen Leser’innen. Schöne Grüße!

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