Still liegt der kleine See, die Morgensonne wirft glitzernde Punkte auf das Wasser, in den Bäumen säuselt der Wind sein altes Lied vom tiefen Frieden, und überhaupt wirkt die ganze Szenerie am Forellenteich da draußen am Waldrand ausgesprochen idyllisch. (Hier bitte eine kleine Kunstpause einfügen.) Treue Leser ahnen es: Die Idylle trügt. Aber sowas von.

Im Forellenteich treibt ein Monsterfisch sein Unwesen. So berichtet es der liebe Freund und Forellenteichbesitzer. Sooooooooo groß ist der!, sagt er mit schreckensgeweiteten Augen und breitet die Arme maximal weit aus, und sooooo einen riesigen Schädel hat er. Aha, sage ich und staune. Biete aber natürlich sofort meine Hilfe an. Mission Monsterfisch. Das Viech muß mit vereinten Kräften raus aus dem Forellenteich, es frißt den klitzekleinen Forellennachwuchs, der noch nichtsahnend durchs Wasser schwimmt und an den tiefen Frieden glaubt. Heieieieieiiii, denke ich laut. Nicht Hai. Forelle!, korrigiert mich der Freund.

Der Monsterfisch dürfte nämlich selber eine alte Forelle sein, ein Forellen-Methusalem, der in den Vorjahren nicht gefangen worden ist und seitdem wächst und wächst und wächst und wächst. Unbemerkt und unentdeckt. Ich lese nach, tatsächlich können Forellen bis zu einem Meter lang werden, ich staune wieder, kein Tag ohne Horizonterweiterung.

Also: Mission Monsterfisch. Ich arbeite in einem der modernsten Funkhäuser Europas, ich habe die beste supidupi-Ausbildung, die man so kriegen kann, und zu guter Letzt: ich komme aus Berlin, da werde ich doch wohl einem Odenwälder Monsterfisch den Garaus machen können, also bitte, das wäre doch gelacht.

Unsere ersten gemeinsamen Fangversuche scheitern allerdings kläglich, ich locke mit Futter, der Freund liegt mit dem Kescher auf der Lauer. Eine gute halbe Stunde geht das so, wir locken mal mit Süßholzgeraspel (Hallooooo, kleines Monsterfischelein, schau mal, was wir hier haaaaaben!), mal mit strengen Worten (Du blödes Mistviech, komm doch endlich mal da raus jezze!), aber alles vergeblich. Wir hören den Monsterfisch tief unten am Grund des Sees zwar hämisch kichern, zumindest bilden wir uns sowas ein, aber zu sehen bekommen wir ihn nicht.

Bist Du wirklich sicher….?, frage ich den Freund, aber der hat 50 Jahre Fisch-Erfahrung auf dem Buckel, ich werde ihm wohl glauben müssen. Ich habe ihn doch selber gesehen gestern!, beteuert er und fuchtelt mit dem Kescher herum. Angeln geht nicht, die Angel reißt mir doch in tausend Stücke bei dem Gewicht!. Ich sehe vor meinem geistigen Auge eine Forelle von den Außmaßen eines Opel Corsa, der die berstende Angel mitsamt Angler in die Tiefe reißt, und mich gleich mit dazu.

Zum Glück Leider muß ich heute erstmal arbeiten, aber die Mission Monsterfisch duldet keinen Aufschub. Der Freund will sich dem Feind im Teich heute alleine gegenüberstellen. Mann gegen Mann. Ich weiß ja nicht, ob das vernünftig ist. Was, wenn der Fisch tatsächlich meterlang und tonnenschwer ist? Wenn er den Freund mitsamt dem Kescher zu sich hinab in die eiskalten Fluten zerrt? Ihn gar verschluckt, wie seinerzeit der Wal den Jona, in der Bibel, Sie erinnern sich? Nicht auszudenken.

Ich werde nach Feierabend an den Forellenteich fahren müssen und mal nach dem Rechten sehen. Innerlich auf alles gefasst. Falls ich bis dahin nichts von dem Freund gehört habe. Oder von dem Fisch.

Naja, Sie wissen schon.

(Im Übrigen haben heute früh alle Hühner einen kleinen Ausflug in die Nachbarschaft unternommen, genauer gesagt in alle sieben Himmelsrichtungen, mein Geo hat daraufhin fast einen Herzinfarkt bekommen, konnte aber unter Einsatz seines Lebens alle wieder zurückholen und dann noch zwei Schlupflöcher im Hühnerzaun flicken, also langweilig wird uns hier nicht.)

7 Kommentare zu “Heieieieieieiii.”

  1. Sie haben ja sowas von neugierige Hühner im Odenwald! Kann der Monsterfisch mit arglos am Ufer herumgackernden Hähnchen gelockt werden? (Falls mal wieder ein Hühnerzüchter Hähnchenüberschuss hat…) Nein. Lieber nicht. das arme Hähnnchen. Vorschlag zurückgezogen….

  2. Als Reporterin im Funkhaus wäre es doch ein Leichtes, die Bevölkerung zur tatkräftigen Mithilfe bei der Jagd nach dem Monsterfisch aufzurufen. Der Forellenteichbesitzer würde sich über regen Andrang sicherlich freuen.

  3. Wohlmeinender Ratschlag: Ich würde nicht damit rechnen, den Monsterfisch in naher Zukunft fangen oder auch nur richtig sehen zu können. Man denke an Nessie …
    Also warm (oder wasserdicht) anziehen und waaaarten!

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