Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, kurz wmdedgt, das will am Fünften eines jeden Monats die freundliche Nachbarbloggerin wissen, und ich wüsste das auch gerne. Donnerstag ist Frei-Tag, und es stehen so gut wie keine Termine im Kalender, ein äußerst ungewöhnlicher Zustand, was soll man da bloß machen?
Erstmal morgendliche Hunderunde, vorbei an den Christbaumplantagen, siehe Bild oben. Wenn Sie ganz still sind, können Sie die übriggebliebenen Weihnachtsbäume kichern hören, weil sie diesmal noch davongekommen sind und weiterwachsen dürfen. Oder Sie hören sie herzerweichend schluchzen, weil niemand sie wollte und sie da jetzt noch ein geschlagenes Jahr dumm herumstehen müssen. Man weiß das nicht, wie Weihnachtsbäume fühlen. Ich werde mal einen Züchter fragen, vielleicht kennt er die Antwort.
Dann das wöchentliche Telefonat mit Neuseeland in Ton und Bild. Wunder der Technik, denke ich immer und schaue danach auf dem (extra zu diesem Zwecke gekauften) Globus nach, wie unfassbar weit die Entfernung ist, die Worte und Bilder in Sekundenbruchteilen zurücklegen müssen. Völlig unklar, alles.
Gelernt: In Neuseeland muss man den Zahnarztbesuch selber zahlen, die Krankenversicherung greift da nicht. Aua. Dafür ist für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre der Arztbesuch umsonst, nicht nur beim Zahnarzt, wenn ich das richtig verstanden habe. Kein Tag ohne Horizonterweiterung. Wäre das für heute also auch erledigt.
Die Sonne scheint und wirft ihre Strahlen durch dreckige Fensterscheiben auf staubigen Fußboden. Das Sofa ruft. Mitten am frühen Vormittag. Das schlechte Gewissen meldet sich auch, das preußisch-protestantische Pflichtgefühl, man müsste doch hier und da putzen, die Fenster, den Boden, und dann noch die to-Do-Liste abarbeiten, ja, ja, nee, nee. Mal ein Stündchen faulenzen, das muss doch drin sein. Irgendwann wird die Sonne weggehen, dann sieht man auch den Schmutz nicht mehr. Hoffnung ist die erste Christenpflicht.
Weltenlage checken, zumindest in groben Zügen. Nur Überschriften lesen, das wird reichen. Flugpläne und -routen studieren, an die Freundin denken, die nach einem halb-beruflichen Aufenthalt in Indien darauf wartet, irgendwie wieder heimzukommen, ohne in Dubai umzusteigen (*winkt aufmunternd rüber nach Indien*).
Hundefutter ist alle, also auch hier die Lage checken, vor allem die Entfernungen. Der nächstliegende Laden ist ein Diska-Discounter, dessen Name mir aus unerfindlichen Gründen so unsympathisch ist, dass es kracht. Aber der Laden ist ok, er hat das gewünschte Hundefutter, und bei Hin- und Rückfahrt fallen nur knapp 14 Kilometer an. Der nächste Edeka ist 10 Kilometer entfernt, macht dann also 20 hin und zurück. Landleben halt. Und nein, es gibt keine ernstzunehmenden öffentlichen Verkehrsmittel, die ich für derlei Einkaufsfahrten nutzen könnte.
Mittags ein berufliches Telefonat, oder wie der Odenwälder sagt: ein Call. Ich calle also einen Fotografen und Naturschützer, für eine Reportage im Magazin MyOdenwald. Falls Sie das noch nicht kennen, dann wirds aber Zeit; auch einen online-Auftritt hat das Magazin, aber man kann es natürlich gefälligst auch abonnieren. Das lohnt sich absolut.
Am Nachmittag zur Postfiliale, und weil das auch wieder eine Fahrt von zig Kilometern bedeutet, gleich noch eine weitere Hunderunde in der Sonne dranhängen.

In der einsamen Weite der Landschaft am Fuße des Katzenbuckels begegnen wir einer älteren Frau, wir bleiben stehen und bewundern gemeinsam das Wetter, sie weist mich auf das erste blühende Scharbockskraut hin, von dem ich zuvor noch nie gehört habe. Mögen Sie Frühblüher? fragt sie mich und ich bejahe sicherheitshalber. Daraufhin schenkt sie mir ein kleines selbstgebasteltes Faltblatt mit Gedanken und Informationen zu Frühblühern, das ich auf einer Bank in der Sonne studiere. Kein Tag ohne Horizonterweiterung, – oder sagte ich das bereits?


Vorbereitungen fürs Abendessen, wir haben Gäste eingeladen. Liebe Freunde, gute Gespräche, schöner Abend. Tomaten, Rucola und Schafskäse. Spaghetti mit Garnelen. Käseplatte.
Jetzt satt und froh und müde.
Vielleicht konnten die Weihnachtbäumchen noch nicht alle Strophen von „Oh, du fröhliche“ und müssen noch ein Jahr in die Baumschule?
Oder sie konnten besonders gut singen und werden noch für die 2. Stimme von „Ihr Kinderlein kommet“ gebraucht.
Liebe Grüße aus der Ferne 🙂
Ganz so stelle ich mir das auch vor, mit den Bäumchen :-)
Liebe Grüße ins Nachbarland, C Stern
In Frau Brüllens Blog lernte ich, dass das Scharbockskraut in der Schweiz “ Glitzerli“ heißt. Ein treffender Name und so viel schöner als der deutsche.
Frühlingsgrüsse schickt
Beate
Scharbockskraut ist sogar essbar, bevor es blüht. Aber es schmeckt (mir) nicht. Interessant finde ich die kleinen Stärkeknollen, die ein so frühes Wachsen ermöglichen. Mir wurde gesagt, die würden an Hoden erinnern. Das sind aber wirklich, wirklich, wirklich kleine Hoden.
Mmh, wie immer, ein Genuss den Blog zu lesen und ganz besonders in der Ferne. Im Übrigen hoffe ich noch, dass die Weltlage – und insbesondere die (vermeintlichen) Weltherren – sich beruhigt und VERNUNFT und Menschenfreundlichkeit die Oberhand gewinnen.
Ganz herzliche Grüße an euch alle aus Hyderabad, Gabriela
Ich freue ich mich schon auf den nächsten Blog – zaubern mir deine Beiträge doch stets ein Lächeln, Schmunzeln oder auch eine nachdenkliche Miene ins Gesicht. Sich so ausdrücken zu können ist grandios.
„MyOdenwald“. Oh my goodness! Das darf ich hier niemandem erzählen, sonst machen die’s nach: MyBayerwald. Ist aber auch schon egal, seit unser altehrwürdiges Fremdenverkehrsamt „Tourist Information“ heißt.