Was schön war.

24. Juli 2022

Diese Blog-Rubrik Was schön war ist ein bisschen in Vergessenheit geraten, will mir scheinen. Ich habe das einstmals bei dem verehrten Herrn Buddenbohm abgeguckt, der machte das ziemlich regelmäßig, findet aber in letzter Zeit offenbar auch nicht mehr so viel schön. Die Welt ist ja auch ein bisschen un-schön geworden, so insgesamt, und auch im Detail, naja, Sie wissen schon.

Umso mehr habe ich nun den Sonntag damit zugebracht, darüber nachzudenken, was schön war, und schon das war schön.

Wir waren gestern bei einem Jubiläumskonzert im Dorf, zwei Chöre feierten Geburtstag, einen Hundertsten und einen Fünfundzwanzigsten, man saß auf Bierbänken und schlichten Holzstühlen in der untergehenden Sonne, als Bühne diente ein dekorierter LKW, die Sängerinnen und Sänger hatten sich in Schale geworfen, ein Teil des Publikums auch.

Wenn Sie bei dem Stichwort Chormusik nun ausschließlich an die Berliner Oper denken oder an die Elbphilharmonie in Hamburg, dann sind Sie auf dem falschen Pfad, die Chöre im Dorf singen in einer anderen Liga, nicht besser, nicht schlechter, aber eben anders. Aber voller Begeisterung und Inbrunst, mit viel Liebe und Engagement, ehrenamtlich alles, logo.

Die Freiwillige Feuerwehr schenkt Bier und Wein und Limo aus, es gibt Bratwurstbrötchen auf die Hand, der Hof des Dorfgemeinschaftshauses ist gerammelt voll, und es ist einfach schön. Und weil zu einer Geburtstagsparty auch Kuchen und Süßkram gehören, haben die Damen natürlich gebacken, vom Feinsten, alles bedient sich kostenlos am Süß-Tisch und lobt Geschmack und kulinarisches Arrangement in den höchsten Tönen. Ich habe das schnell geknipst, bevor der Tisch gezaust wurde, siehe oben. Das war jedenfalls alles schön.

A propos zausen: Amerikanische Wissenschaftler zausen grade das Unterholz im Odenwald, nah dem Städtchen Buchen. Sie lassen keinen Stein auf dem anderen, drehen jedes verwelkte Blatt um, scannen das Waldstück mit Lasergeräten und Metalldetektoren. Ich durfte sie neulich besuchen, das war auch sehr schön. Wenngleich es um ein tragisches Ereignis geht, einen Flugzeugabsturz 1944, von drei amerikanischen Soldaten fehlt bis heute jede Spur. Aber irgendwo hier müssen ihre Überreste sein. Und die sollen nach Hause, in ihre Heimat. Ich habe Ihnen die ganze Geschichte (klick!) hier mal verlinkt, ich finde das wirklich spannend und ergreifend, und irgendwie auch einfach schön.

Leni ist bei uns eingezogen, das ist auch ausgesprochen schön.

“Guten Tag, ich möchte mit Ihnen über ein generelles Fotografierverbot sprechen.”

Leni ist aus Griechenland, und Leni findet Fotografiert-werden ziemlich gruselig, eigentlich findet sie überhaupt alles ziemlich gruselig. Das ist nicht schlimm, wir haben ja Übung mit derlei Hunden, und dementsprechend auch Geduld. Und Leni wächst jeden Tag ein Stückchen, es ist eine gewisse Wonne, da zuschauen und beitragen zu dürfen. Schön halt.

Der liebe Freund aus dem Nachbardorf hat uns knapp drei Kilo Johannisbeeren geschenkt, das war schön. Also, zunächst muß man sich das schön-reden, es ist mit einem Haufen Sauerei und Arbeit verbunden, bis aus drei Kilo Johannisbeeren mal elf Gläser Marmelade geworden sind, aber ich habe mich dem heute gestellt, fühlte mich wie eine echte Landfrau, habe nun zwar Muskelkater im Gabel-Arm, erfreue mich aber umso mehr am Ergebnis. Schön. Dann kann der Winter ja jetzt kommen!, sagt der Freund fachmännisch anerkennend beim Anblick der elf Gläser, aber er kennt den Gatten und dessen Marmelade-Konsum nicht, mit ein bißchen Glück überlebt das eine oder andere Glas die nächsten vierzehn Tage.

Naß und kalt, aber auch irgendwie schön: Lieselottes Nase.

Noch irgendwas schön? Wir hatten immer noch kein Corona, falls Sie das schön nennen wollen. Wir hatten noch nicht mal eine Sommergrippe. Und sonst so: Die Glucke gluckt. Lieselotte findet Leni toll. Der Hahn kräht munter morgens ab halb Fünf. Ob das jetzt nun allerdings schön ist, das müssen die Nachbarn beurteilen. Naja, Sie wissen schon.

  • 8 Kommentare
  • Bauer Willi 24. Juli 2022
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    Bei uns ist 1943 ein britisches Flugzeug abgestürzt. In unserem
    Acker. Die Piloten wurden bestattet.
    Was bei uns schön war: zwanzig Millimeter Regen. Es riecht wieder nach Wachstum.

  • C Stern 25. Juli 2022
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    Soviel Schönes hier zu lesen, das weitet einem das Herz! Vielleicht wissen wir überhaupt in anstrengenden Zeiten das Schöne wieder um soviel mehr zu schätzen, eben, weil es inzwischen alles andere als selbstverständlich ist.
    Schön auch, dass es den beiden Hundedamen gut geht! Das Schöne muss wieder viel mehr hervorgeholt werden! Danke für den Anstoß dazu!

  • nina. aka wippsteerts 25. Juli 2022
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    Wo ich herkommen ist lt meinem Vater auch ein Bomber (wg Bahn) in den Berg geflogen, war wohl zu tief. Ob sie da auch dann mal suchen werden?
    Sehr schönen Hundezuwachs! Freut mich für Euch!
    Das kleine und große “Schöne” rettet uns doch über so manchen Tag, wir müssen es uns nur mal bewusst machen
    Hier hätte sich letztens übrigens ein kleiner Projektchor zusammengefunden, einfach nur so und ohne lange Verpflichtung und war (neben den üblichen Vereinen, die es hoffentlich weiterhin auch überall gibt) und auch wenn da mal eine Note daneben lag war es rührend schön
    Liebe Grüße und auf viele kleine, schöne Momente
    Nina

  • Juliane 25. Juli 2022
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    Das war schön!
    Liebe Grüße, Juliane

  • caterina 25. Juli 2022
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    Ich überleg mir jeden Abend im Bett vor dem Einschlafen, was schön war diesen Tag. Und ich finde immer eine ganze Menge. Und wenn’s nur das tägliche Kuscheln mit dem Kater war…

  • Jawa 25. Juli 2022
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    Zum Air-Crash bei Buchen. Als ehem.Jagdflieger der Luftwaffe wurde ich zur 2. Untersuchung/Grabung durch “History Flight” nach den 3 vermissten Besatzungsmitglieder des US Bombers B-27 “Fuddy Duddy”eingeladen, habe danach wiederholt die Grabungen mit Ergebnissen beobachten können. Es würde mich sehr wundern, wenn es bei den jetzigen Grabungen zu einem anderen Schluß käme, obwohl ich es, auch für die Angehörigen der vermissten Besatzungsmitglieder begrüßen würde. Beide Bomber, auf dem Flug nach Mannheim, kollidierten, voll mit Bomben beladen, am 30.Dezember 1944 über’m Arnberg. Beim Aufschlag explodierte die gesamte Ladung und tötete (nach meiner Meinung die in Kleinstteile zerstückelte) restlichen Besatzungsmitglieder. So ehrenhaft auch die Nachforschungen durchgeführt werden, die Untersuchungen werden auch diesmal ohne weitere Erkenntnisse bleiben.
    Die Hoffnung stirbt zuletzt!

  • Nobi 25. Juli 2022
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    Es ist schön zu lesen, dass ein so kleiner Verein auf diese Weise im Web auf sich aufmerksam machen kann! Danke dafür. Und weitere Blogs über unsere Aktivitäten!

  • Hauptschulblues 25. Juli 2022
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    Danke für den Anstoß. Ich muss mich auch wieder mehr auf die Schönheiten konzentrieren.
    Die Hundedamen – wunderbar.

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