Landleben.

26. Mai 2020

Urlaub zuhause ist ja auch sowas, woran ich mich gewöhnen könnte. Alle social-media-Apps vom Smartphone gelöscht. Sich mal ausklinken aus dem allgemeinen Geschrei in den Sozialen Netzwerken, das immer hysterischer, immer un-sozialer zu werden scheint. Ich kann das sehr empfehlen, der Erholungsfaktor ist enorm.

Ohne Handy durch die Gegend wandern. Bisschen rumknipsen. Vesper aus dem Rucksack. Die Stille genießen.

Kiloweise Erdbeeren schnippeln bei der Freundin, und dann beladen mit Marmelade, Rhabarberstangen, Rucola, Dill und palästinensischen Datteln wieder nach Hause zurückkehren. Naturalienhandel, wie bei den alten Homo-Heidelbergensis-Knaben im Plästozän, oder wie das heißt.

Abends einem Geburtstagskind frischgelegte Eier mitbringen, und ein gutes Buch, und draußen im Garten des Aussiedlerhofes mit Blick auf die Felder und den Sonnenuntergang sitzen und quasseln und essen. Im Salat sind Gänseblümchen und Brennenssel und lauter so Landleben-Zeugs. Und alle mit Sicherheitsabstand, logo.

Sicherheitsabstand auch zu den zwei jungen Mädchen, die mit den vollgepackten Rädern des Wegs kommen und nicht so recht wissen, wohin. Sie sind auf dem Weg von Würzburg nach Stuttgart und schlagen ihr Zelt neben dem Gartengrundstück auf, wow, was für eine Aussicht, sagen sie, und ich denke so bei mir Stimmt, unfassbar schön hier.

Damit es uns nicht langweilig wird (und nicht eines Tages kalt): Holz hacken für den Winter. Das ganze Krumpelzeugs, das mein Geo von seinen morgendlichen Radtouren mit nach Hause schleppt, wie so ein Wilddieb. Herr Kachelmann würde schön schimpfen, er ist ja ein ausgemachter Feind der Verbrennung von Holz in Kaminöfen, Klimabilanz und so, aber ich würde da nochmal einen Unterschied machen wollen, ob das kaminbefeuerte Haus nun in Berlin-Kreuzberg oder in einem Dreihundert-Seelen-Dorf steht. Ist aber vielleicht auch nur eine Ausrede, ach, es ist auf jeden Fall sehr kompliziert. Fühlt sich aber schön nach Landleben an, die ganze Plackerei.

Der Freund aus dem Nachbardorf kommt mit dem Bulldöggle angefahren, aus dem Führerhaus brüllen deutsche Schlager gegen unseren Krach an, er schimpft über den Zustand der Wippsäge, auf die ich doch so stolz bin. Die sägt nicht, die driggt bloss noch, befindet er mit einem fachmännischen Blick auf das rostig-olle Blatt. Ich werde es also demnächst ausbauen und zum Raiffeisen bringen müssen, zum Schleifen. Sägeblätter-ausbauen wollte ich schon immer mal lernen, also bitte. Aber heute driggt die Wippsäge noch wunderbar und zuverlässig, stundenlang kreischt das Gerät quer durchs Dorf. Was die Nachbarn lärmtechnisch können, können wir schon lange, aber sowas von. Und wer ordentlich Krach macht, schafft schließlich was. Sollen ruhig alle wissen.

  • 2 Kommentare
  • Jutta Kupke 27. Mai 2020
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    Schön geschrieben wieder, gerne hab ich hier gelesen und die tollen Fotos bewundert !
    Bei mir gibt es sowieso nur mein Smartphone ohne diverse Apps,
    ich brauche es auch zum fotografieren.
    Ich liebe das Landleben, ich wohne in einer Kleinstadt, da sieht es ähnlich aus,
    dem Himmel sei Dank !
    Sonnige Grüße

  • Provinzei 29. Mai 2020
    Antworten

    Je feiner das Sägemehl, um so stumpfer das Blatt.
    Das Foto zeigt auch einen ausgebrochenen Zahn.
    Und die anderen sind in der Tat sehr stumpf.
    Uff denne kah ma noch Paris reida.
    So geht es nicht !!
    Ein Hartmetall besetztes Blatt, da wird das Schleifen teuer !

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