Alarm.

Wenn der freundliche Herr K. mich anruft, nachts um Zwei oder um Drei, dann schwingt in seiner Stimme jedes Mal Bedauern mit. Ich liebe ihn dafür. Haaaallo, sagt er zurückhaltend ins Telefon, weil er weiß, daß ich erstmal zu mir kommen, aufwachen muß. Er selber ist dann immer schon ein, zwei Stunden bei der Arbeit, mit seinen Leuten, draußen irgendwo, bei Hagel, Sturm und Schneeregen.

Haaallo, Guten Morgen… also, wir haben hier gerade einen Einsatz, ich wollte das nur sagen…

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Wir, das sind die Freiwilligen Feuerwehren. Irgendwo brennts, und wenns ganz schlimm kommt, muß ich mit dem Mikro raus.

Ich werde dafür bezahlt.

Die nicht.

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Durch die schwarze Nacht zum Einsatzort. Ich muß nur grob die Richtung wissen, bald weist der Widerschein von grellen Lampen und zuckenden Blaulichtern am Himmel den Weg.

Vor Ort hundert Männer und Frauen, die seit Stunden löschen, retten, bergen. Ruhig und konzentriert. Nasser klebriger Qualm wabert durch die Luft, es stinkt nach Ruß. Die Funkgeräte plärren knarrend durch die Dunkelheit, hier ruft einer ein Kommando, da hinten antwortet jemand. Über allem das monotone Brummen von Aggregaten und Motoren.

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Eine Bäckerei hat aufgemacht, mitten im Dorf, morgens um Drei. Wasser und heißen Kaffee gibt es, und süße Stückchen von gestern.

Schöner Mist, denke ich, Drei Uhr früh, ich hätte gerne noch geschlafen. Der Tag gestern war lang. Kannste wenigstens dann freimachen den Rest des Tages?, frage ich einen der Männer in der viel zu großen Feuerwehrmontur. Wenn ich übermüdet bin, stelle ich manchmal saudumme Fragen. Er starrt mich verständnislos an. Ein anderer lacht.

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Die machen das freiwillig. Kriegen nicht mal Geld dafür. Rennen los, wenn es in der Hosentasche piepst. Löschen mitten in der Nacht brennende Häuser. Holen Menschen aus den Flammen. Schneiden sie wahlweise aus zermalmten Autos heraus. Sammeln Körperteile ein. Spritzen Öl und Blut von Fahrbahnen.

Müssen sich dann dumme Sprüche anhören. Hahaha, die löschen doch in erster Linie nur den Durst, die Leute bei der Freiwilligen Feuerwehr. Die sind doch heiß auf Feuer und auf Katastrophen, gibt ja gar nichts Schöneres für die, haha. Und überhaupt: die meisten sind doch selber Pyromanen. Neulich erst hat wieder einer eine Scheune angesteckt, ich weiß nicht, wo das war, irgendwo da oben, Norddeutschland, haha, da sieht mans mal.

Dieser Einsatz dauert lange. Nachts um halb Zwei sind die Männer ausgerückt, ein brennender Dachstuhl im verwinkelten Ortskern. Windböen fegen brüllend in die qualmenden Balken, Funkenwolken sprühen in alle Richtungen. Die Männer und Frauen haben Mühe, ein Übergreifen der Flammen auf die angrenzenden Häuser zu verhindern, auf die alte Kirche direkt nebendran. Bis zum Morgen qualmt es, erst am Mittag verlassen die letzten Feuerwehrleute den Einsatzort. Zwölf Stunden nach dem Alarm gehen sie nach Hause.

Oder zur Arbeit.

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Dieser Beitrag ist vor gar nicht langer Zeit schon mal hier erschienen, weil aber hier in der Region am Wochenende dauernd die Sirenen heulen und in allen Dörfern weit und breit hektisch Leute zusammenlaufen, um ihrem Ehrenamt gerecht zu werden, dachte ich, man kann es gar nicht oft genug sagen. Nicht mal Fussball gucken konnten die am Wochenende, stattdessen haben sie freiwillig in Schlamm und Wassermassen rumgemacht, Keller ausgepumpt und fortgespülte Autos wieder eingesammelt, hier im Odenwald und in der Nachbarschaft. Ersetzen Sie also einfach das Feuer im Beitrag durch Monstergewitter, Blitzeinschläge und Überschwemmungen, dann passt das.

Tauschen möchte man mit denen nicht. Aber sich mal von Herzen bedanken. Aber sowas von.

 

 

 

 

23 Kommentare

    • Nee, ich glaube, da gibt’s schon echt viele. Nur hat man ja selten genug Anlass, das zu sagen. „Gottlob“, möchte man fast anfügen.

  1. Ein ganz toll geschriebener Beitrag auf den ich durch einen Facebook Freund aufmerksam wurde.

    Ich bin Schwester/Tochter zweier freiwilliger Feuerwehrmänner, und ich finde es auch großartig, was diese Männer und Frauen in ihrer Freizeit freiwillig leisten.

  2. Ich fand diesen Post überfällig und toll!ich schätze die Arbeit der Feuerwehrleute hoch ein, vor allem weil der Gegner so unberechenbaren und stark ist. Ich habe in meinem letzten Jahr als Lehrerin wahrlich keine Highlights erlebt. Aber der Besuch mit meiner Klasse bei der Feuerwehr und ihren engagierten, warmherzigen Mitgliedern ( die im übrigen auch noch pädagogische Naturtalente waren ) war ein solches, an das ich gerne zurückdenken werde.
    Übrigens wurde auf dem Lande den Feuerwehren immer angedichtet, Pyromane und trinkfest zu sein…
    Ich wünsche dir einen nebelfreien 4. Advent!
    Astrid

  3. all diesen Freiwilligen sowie beruflichen Helfern gilt mein Respekt und Hochachtung.
    Ich wünsche ihnen gerade jetzt in der kerzenreichen und brandschwangeren Zeit ein paar ruhige Festtage bei und mit ihren Familien.

    Danke Frederike für das Erinnern – man vergisst gern, dass diese Menschen ihr Leben für das Leben anderer riskieren.

  4. Dieser Bericht ist einfach klasse und treffend, wenn die Hälfte der Gaffer die Rettungsmaßnahmen nicht unnötig behindern würden und diesen Dienst ehrenamtlich verrichten würden gäbe es in keiner Rettungsorganisation mehr Nachwuchsprobleme, und es käme auch nicht soweit dass ehrenamtliche Rettungsorganisationen aufgegeben werden müssen mangels Nachwuchs siehe HVO-Mudau

    • Wenn die Hälfte der Gaffer bei freiwilligen Hilfsorganisationen mithelfen würden, müssten die vermutlich wegen Überfüllung schließen. ;-(

    • Immer gerne. Inzwischen hat es sich ja etwas beruhigt, gestern und vorgestern hatte ich Sorge, der Server würde explodieren. Mit soviel Resonanz hatte ich im Traum nicht gerechnet, aber ein Wort FÜR die Freiwilligen Feuerwehren war ganz offensichtlich überfällig.

      • Das stimmt, das war wohl wirklich überfällig…. vor allen Dingen weil sie/wir es satt haben, in der Öffentlichkeit so dargestellt zu werden, wie Du es beschreibst. Du glaubst nicht, wie oft man diese Sprüche auch WIRKLICH zu hören bekommt. Man braucht sicher keine ständige Lobhuddelei, darum gehts denn Männern und Frauen, die dahinter stehen auch gar nicht. Aber einfach eine schlichte Anerkennung des Tuns ohne ständige Rechtfertigung. Und weil das viel zu kurz kommt, ist man Dir hier so dankbar!

        Hab ein schönes Fest!
        Liebe Grüße
        Pamela

  5. Schön geschrieben und gut beobachtet. Es ist tatsächlich so. Der Qualm zieht genauso zwischen den Häusern durch wabbelt an Deiner Feuerwehrjacke hoch um diesen kalten,stinkenden Rauch auch in die letzte Faser der Schutzkleidung zu drücken. Das kannst Du noch nach Tagen riechen. Und die Funkgeräte; die werden sich wohl immer so anhören. Das Knacken beim Betätigen der Ruftaste und ständiges Rauschen aus irgendeinem Gerät.

  6. Die Kommentare sind alle aus 2014 und 2015 ?, aber ich schreibe jetzt mal trotzdem noch was :-)

    Hallo :-)

    Die freiwillige Feuerwehr bekommt echt kein Geld für ihre Arbeit?
    Hier (Schweiz) gibt es auf den kleinen Dörfern auch freiwillige Feuerwehren (wer nicht hingeht, muss aber stattdessen eine Steuer bezahlen) und die werden für ihre Einsätze und auch für die Übungen besoldet (wie beim Militär). Ist nicht viel, aber trotzdem eine finanzielle Anerkennung ihrer Arbeit.

    Aber egal wie, auf jeden Fall ist diese Arbeit immer wieder erwähnenswert, denn ohne die Freiwilligen geht es eben nicht.

    Liebe Grüsse
    asty

  7. Ich bedanke mich mehrmals im Jahr via Facebook bei der FFW für die geleistete Hilfen! Zum Glück habe ich sie noch nie persönlich benötigt, aber es ist ungemein beruhigend zu wissen, daß sie IMMER da sind wenn Hilfe nötig ist!
    Seit wir hier First Responder mit Spezialausrüstung haben sind die im Dauereinsatz … so scheint es jedenfalls.Und sie haben auch schon etliche Leben gerettet.

    Nochmals ein großes DANKE an alle Feuerwehrleute!!

    Grüßlis Karin

  8. Pingback: Sirenen. – LandLebenBlog

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