Odenwaldhölle.

3. Februar 2014

 

Nein, wir wollen diese Geschichte jetzt nicht wieder aufwärmen. Auch, wenn ich mich seinerzeit furchtbar darüber aufgeregt habe, daß irgendsoeine dahergelaufene spätpubertäre Plunz behauptet, der Odenwald, so insgesamt, sei nun die reine Hölle. Arroganter Großstädterkram, Stadt contra Provinz, unterstützt von der altehrwürdigen FAZ. Und das ausgerechnet im Zuge einer Serie zum Thema Heimat.

 

Der Odenwald stand Kopf, die Erde bebte.

Die digitale Odenwald-community (die es so bis dato gar nicht recht gegeben hatte) schrie auf, Landräte, Bundestagsabgeordnete und Bürgermeister protestierten. Forderten Wiedergutmachung und Richtigstellung. Wo man hinkam im Odenwald: Die Höllengeschichte war tagelang das Gesprächsthema schlechthin.

(und spülte ganz nebenbei innerhalb von nur drei Tagen knapp sechstausend Besucher auch auf mein armes, kleines Blog. Der Rechner stöhnte, der Server ächzte. Ich tat es auch.)

 

Aber inzwischen haben sich alle wieder eingekriegt.

 

Eigentlich hasse ich bedruckte T-Shirts. Aber das musste sein.
Eigentlich hasse ich bedruckte T-Shirts. Aber das musste sein.

 

Und ein Gutes hatte die Höllengeschichte ja durchaus: Soviel Publicity für ein deutsches Mittelgebirge war selten. Die Presse berichtete quer durch ganz Deutschland über die tumultartigen Zustände, die der Artikel ausgelöst hatte, Fernsehteams gaben sich im Odenwald die Klinke in die Hand.  Der flugs gegründeten facebook-Gemeinschaft „Odenwaldhölle“ traten in kürzester Zeit fast 11.000 Menschen bei. Soviel geballtes Heimatgefühl hatten die Odenwälder noch nie. 

 

Das merkten auch zwei Odenwälder Jungs, die die Gunst der heimatlichen Stunde erkannten und daraus eine Marketing-Idee kreierten. Seit Wochen tun die beiden nachts nichts anderes mehr, als T-Shirts bedrucken zu lassen, Taschen zu bestellen, Kaffeebecher zu ordern, und all das dann zu verschicken an die Kundschaft. Tagsüber müssen die Zwei schließlich arbeiten. Die Odenwaldhölle ist überall, und alle wollen ein Stück davon zuhause haben.

 

Der Auslöserin vons Janze, der Baum-Antonia von der FAZ, wollen die Beiden demnächst mal einen Besuch abstatten. In ihrem schicken Berliner Redaktionsbüro. Und ihr ein Präsentkörbchen mit all den guten Dingen aus dem Odenwald überreichen, inklusive Höllen-T-Shirt. Schließlich hat sie die Region ins Rampenlicht gestellt.

So oder so.

 

 

 

 

  • 3 Kommentare
  • Stefan 3. Februar 2014
    Antworten

    Also nun etwa frei nach Johann Wolfgang von Goethe „Über allen Gipfeln ist Ruh‘, in allen Wipfeln spürest Du kaum einen Hauch; die Vögelein schweigen im Walde …“ – oder doch nicht? Yeah, check this out:

    https://www.youtube.com/watch?v=J-BSXGZepiQ&feature=youtube_gdata_player

    • Friederike 3. Februar 2014
      Antworten

      haha, die Kreativität kennt plötzlich keine Grenzen mehr in er Provinz! ;-)

  • Michael Wolf 3. Februar 2014
    Antworten

    Ich habe nicht mit bekommen, dass sich alle anderen auch sooo darauf kapriziert hatten. Bei uns ist die Odenwaldhölle zu eine so veflügelten Wort geworden, dass es nahezu täglich im Munde geführt wird. Auch der Wegweiser raus aus der Hölle gestern auf meiner facebookseite war unabhängig von der Kenntnis dieses Songs. Für diese Welle ist nicht die FAZ oder FAS verantwortlich, sondern ausschließlich die Bloggerin;)
    Jetzt muss ich mich mal ganz schnell den 11.000 Ja
    – Sagern anschließen.

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