Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, kurz wmdedgt, das will immer am Fünften des Monats die freundliche Nachbarbloggerin wissen, und jetzt isses also schon wieder soweit, – Kinder, wie die Zeit vergeht.

Und jetzt ist es schon 2026, und eben war noch das Jahr 2000, damals hatte es mich beruflich in den Odenwald verschlagen, für den besten Job der Welt, und jetzt geht diese berufliche Zeit zu Ende, und ich starre auf die Tastatur vor mir und denke Tschüss, kleine Tastatur, war schön mit Dir, und ich starre auf den Kopfhörer am anderen Ende des Schreibtisches, Tschüss, kleiner Kopfhörer, war schön mit dir, undsoweiterundsoweiter. Das bestimmt meinen Tag heute ein bisschen. Das wird auch morgen und übermorgen jeweils den Tag bestimmen, und dann ist Schluss hier im Büro.

Zur Feier des bevorstehenden freiwilligen Abschieds improvisieren wir am Vormittag ein kleines Pressegespräch mit den Kollegen der hiesigen Zeitungen, mein Chef und ich, wir gucken nach vorne, wir gucken zurück, so macht man das an solchen Tagen. Den Zeitungskollegen sage ich: Ich gehe in großer Dankbarkeit, und so fühlt sich das auch wirklich an. Aber nach Jahrzehnten im stunden-aktuellen Journalismus ist es Zeit, mal einen Gang zurückzuschalten. Oder zwei. Man wird ja auch nicht jünger. Krückstockgefuchtel!, würde der verehrte Bloggerkollege Buddenbohm jetzt einfügen.

Der Rest des Tages verläuft dann aber so, als wäre nix gewesen. Zeit für Wehmut ist nicht. Alle anstehenden Arbeiten der Nachfolgerin rüberschieben Die Nachfolgerin einarbeiten, wir befassen uns mit umstrittenen Bauprojekten im Städtchen, mit einer der zahllosen Reformen im Gesundheitssystem, mit dem Niedrigwasserstand, mit Waschbären und einer Wildkatze. Das ganze, bunte Leben der Regionalreporterinnen, dazu Telefonate, Recherchen, Konferenzen – alles wie immer also.

Vor der Bürotür im Odenwälder Städtchen die ganze Welt versammelt, wie jeden Vormittag: die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Sprachkurse, der Integrationskurse, sie machen ihre Pause in der Sonne und unterhalten sich lachend mit Händen und Füßen, als gäbe es keine Barrieren. Gebrochenes Englisch, afrikanisch eingefärbtes Französisch und allerlei arabische und osteuropäische Sprachen in einem munteren Durcheinander, und es wird nicht mehr lange dauern, da unterhalten die sich alle auf Deutsch, der einzigen gemeinsamen Sprache. Das zu verfolgen, fand ich immer schön.

Am Nachmittag eine online-Pressekonferenz zur Woche der seelischen Gesundheit, auch ein spannendes Thema. Psychische Erkrankungen sind im ländlichen Raum offenbar immer noch stigmatisiert, stärker als in städtischen Regionen. Ich muss nach Wiesloch! klingt für viele noch wie eine Horrorvorstellung. Nicht wie die Aussicht, dass mir im Psychiatrischen Zentrum Nordbaden in Wiesloch endlich geholfen wird, gottlob. Einer der Gesprächspartner fordert das Schulfach Gesundheit.

Von den psychischen zu den technischen Problemen, die wir ohne die moderne Technik gar nicht erst gehabt hätten, man kennt das. Die freundlichen IT-Kollegen geben ihr Bestes. Vor den Bürofenstern scheint inzwischen dunkelgelb die späte Nachmittagssonne. Ich hake noch ein paar To Do-Notizen von der Liste ab, von meiner betriebsbedingten Sammlung der Letzten Dinge, sozusagen. Dann für heute Feierabend.

Zuhause Hühner streicheln, Hunde streicheln. Das erdet. Mit Uschi schimpfen, weil sie schon wieder Ausflüge mit ihren Kindern macht und neuerdings offenbar Nachbars Salatbeete toll findet, was wiederum Nachbar nicht toll findet. Da ist ein Nachbarschaftskonflikt am Horizont zu sehen, wir kriechen also auch heute Abend wieder durchs Gehege und suchen nach Schwachstellen, rüsten auf, verdrahten, spannen Netze. Wie gestern Abend eigentlich auch schon, bislang offenbar leider komplett erfolglos.

Naja, so wird einem nicht langweilig auf dem Lande, und das ist ja die Hauptsache. Naja, Sie wissen schon. (schimpfend ab)

5 Kommentare zu “wmdedgt”

  1. Vielen Dank für die neue Geschichte.
    Bitte nicht aufhören mit den tollen, interessanten, spannenden, erheiternden, humorigen Blog-Beiträgen!
    Alles Liebe und Gute im Ruhestand!

  2. Vielen Dank für die neue Geschichte. Bitte nicht aufhören mit den tollen, interessanten, spannenden, erheiternden, humorigen Blog-Beiträgen! Alles Liebe und Gute im Ruhestand!

  3. Man kann es nicht häufig genug sagen: „Vielen Dank für die neue Geschichte.
    Bitte nicht aufhören mit den tollen, interessanten, spannenden, erheiternden, humorigen Blog-Beiträgen! Alles Liebe und Gute im Ruhestand.“

  4. Ich schließe mich den zwei/drei Vorrednerinnen an:
    *Vielen Dank für die neue Geschichte.
    Bitte nicht aufhören mit den tollen, interessanten, spannenden, erheiternden, humorigen Blog-Beiträgen!
    Alles Liebe und Gute im Ruhestand!*
    Liebe Grüße
    Rolf

  5. Ich wünsche für die vor dir liegende Zeit im Ruhestand alles, alles Gute und dass es dir nicht langweilig wird,
    sondern sich ganz neue Welten auftun! Ich genieße diesen schon zwölf Jahre und seit vier Jahren eine Freiheit,
    die ich noch nie in meinem Leben hatte. Das Beste kommt zum Schluss.
    Grüße aus Köln!
    Astrid

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