Die Preise für Flugtickets explodieren förmlich, und kein Mensch kann sich mehr einen Flug leisten, so lese ich das in der Zeitung. Am morgendlichen Himmel lese ich was anderes, aber bitte. Mir kann es halbwegs wumpe sein, ich fliege nicht. Höchstens die Treppe runter. Das aber auch hoffentlich nicht so bald.
Oben drängeln sich die Flieger, unten im Odenwald die Aufsitz- und sonstigen Rasenmäher, Irgendeiner mäht immer, das ist hier der Standardspruch für frühsommerliche Samstage. Dabei hat der Naturschutzbund NaBu doch den Mähfreien Mai ausgerufen, damit am Leben bleibt, was kreucht und fleucht, und wir halten uns natürlich daran, halb aus Öko-Gründen, halb aus Faulheit.
Zwischen unserem Haus und dem Haus gegenüber bringen zwei Elstern ihren sechs Kindern das Fliegen bei, und vielleicht bleibe ich für immer am Fenster stehen und beobachte dieses Schauspiel. Die Eltern ermuntern die Kinder, vom Dach einfach loszuspringen, sie tun das mal liebevoll und machen ihnen vor, wies geht, mal rennen sie auf dem Dachfirst auf die Jungen zu, als wollten sie ihren Nachwuchs mit Anlauf in die Tiefe schubsen.
Die Kleinen zetern und schreien, ob aus Angst oder vor lauter Wonne, das lässt sich nicht ermitteln. Die Eltern schreien auch, man kennt das auch aus dem richtigen Leben, im Dorf wird jetzt auch der Letzte aus dem Bett gefallen sein. Jedenfalls flattern die Sechs immer weitere Strecken, vertrauen immer mehr der Kraft ihrer kurzen Flügel, und am Ende fliegt die ganze Familie zurück ins Nest. Erstmal essen nach so viel Aufregung.

An manchen Morgenden ist es noch empfindlich kühl, das Thermometer zeigt dann sechs oder acht Grad an, aber im Städtchen sind die Jugendlichen bauchfrei-armfrei-beinfrei unterwegs. Odenwald halt. Hier reißt man sich bei hochsommerlichen Temperaturen ab zehn Grad die Kleider vom Leibe, so gesehen sind wir dann immernoch die Zugezogenen, die Neuen. Mein Geo wirft abends noch den Ofen an.
Ich sitze derweil warm angezogen auf der Terrasse, für die wir uns jüngst eine schlichte Überdachung geleistet haben, beste Investition der vergangenen Jahrzehnte. Sie ist zwar noch nicht ganz dicht, die Überdachung, aber das sind wir ja auch nicht, insofern passt es wieder. Wenn es mal wieder ordentlich regnet, will der Terrassenüberdachungsbauer vorbeikommen und die zwei, drei un-dichten Stellen ermitteln und ab-dichten. Es regnet aber nicht.
Und dann haben wir noch einen Glucke. Eine von den Riesen-Hennen. Kaum war das neue winzige Zwerg-Hähnchen bei uns eingezogen, stand in großen Buchstaben Ich will ein Kind von Dir! auf ihrer Stirne, in ihren Augen blitzten die roten Herzchen. Seitdem sitzt sie also in ihrem Nest und bebrütet Eier, die schon aus anatomischen Gründen (winziger Zwerghahn vs Riesenhenne) eigentlich nicht befruchtet sein dürften.
Aus noch unerfindlichen Gründen sind nun alle anderen Riesenhühner dazu übergangenen, sich zum täglichen Eierlegen press neben die Glucke zu drängeln, so dass auch diese Eier unter ihr verschwinden. Ob es sich um einen kollektiven, solidarischen Kinderwunsch handelt oder um pure Dummheit, auch diese Frage bleibt ungeklärt.
Sollten die Eier aber wider erwarten doch befruchtet sein (was Gott verhüten möge), und sollte das noch ein paar Wochen so weitergehen, dann hat die Glucke zum guten Schluss 251 Eier unter sich liegen, aus denen dann 251 Küken ausschlüpfen, die dann wie eine der zehn biblischen Plagen über uns hereinbrechen. Erst werden sie den Garten und die Zäune überrennen, dann uns, dann das Haus besetzen und am Ende die Weltherrschaft an sich reißen.
Na, das kann ja was werden.
Und auch sonst ist eigentlich alles beim Alten hier.
Ich liebe die Hühnergeschichten! Hachz. Grinsegrüße vom Rhein, Schrebergarten-auf-Begehungsvordermann-bringen-matt, Eva