Die Weltenlage insgesamt ist – wie wollen wir sagen…? Abscheulich ist vielleicht das richtige Wort. Und beschreibt das ganze Elend doch recht treffend. Völlig unbeeindruckt davon lacht die Sonne vom blauen Himmel, Wölkchen schieben sich an ihr vorbei, der Odenwald zeigt sich von seiner besten Seite, man kann nicht klagen.

Man könnte aber klagen im Angesicht der Weltenlage, man möchte es sogar sehr dringend, man möchte in den weißblauen Himmel glotzen und nach oben rufen Sachma, Alter, geht’s eigentlich noch? Und Reicht es jetzt nicht langsam? Das Jahr hat schließlich erst angefangen, aber jetzt schon Scheußlichkeiten präsentiert, die man durchaus hätte auf zwei, drei Jahre verteilen können. Wenn überhaupt. Ich für meinen Teil bräuchte eigentlich generell gar keine Scheußlichkeiten auf der Welt, aber es ist wohl einfach so, und mich fragt ja leider auch keiner.

Also: Durch den Wald und über die Felder, in den Himmel glotzen und ein bisschen knipsen. Vielleicht hilft das. Auch gegen den Infekt, der mich gestern abend urplötzlich angesprungen hat.

Sie ahnen: Es hilft natürlich nicht, denn da draußen in Gottes freier Natur setzt sich auf dem schmerzenden Grippe-Schädel und dem kratzenden Hals nun auch noch ein Heuschnupfen de luxe fest, ich taumele also von Niesanfällen geschüttelt durch die Gegend, explosionsartiges Öffnen des Kopfes nannte ein ehemaliger Kollege das, um direkt nach jedem Niesen in die Runde zu fragen Irgendjemand verletzt??

Mein Kopf öffnet sich fünfmal pro Minute explosionsartig, und vermutlich hört man das Niesen bis rüber ins Dorf. Zeitgleich schwellen Augen, Nase und Gesicht zu, sodass ich bald aussehe wie ein verkaterter Hamster nach seinem letzten Saufgelage. Zumindest fühle ich mich so, es ist ja kein Spiegel weit und breit da draußen, Gott sei Dank.

Nun wäre das alles ein weiterer Grund zum Verzweifeln, aber wie ich da über die Felder taumele und niese und niese und niese, der Blick durch Tränen verschleiert, Wimperntusche und Lidschatten verschmiert, da finde ich das alles dann doch so lustig, dass ich hustend kichern muss. Irgendjemand verletzt? frage ich zwischen den Niesanfällen in unbestimmte Richtung, die Hunde gucken ratlos, aber Humor ist, wenn man trotzdem lacht, jaja, jaja, naja, Sie wissen schon.

2 Kommentare zu “In den Himmel glotzen.”

  1. Ich gehöre schon lange nicht mehr zu denen, die Wunder vom Himmel erwarten. Ihre wunderschönen Wolkenfotos aber, liebe Frau Kroitzsch, tragen jetzt dazu bei, dass ich erkenne, in den Himmel zu glotzen macht tatsächlich Sinn. Auf der Welt herumzuglotzen wird ja von Tag zu Tag unerfreulicher, alles Häßliche tobt sich völlig ungehemmt aus, es ist erschreckend! Da bietet der Blick nach oben immerhin die (wenn auch sehr vergängliche) Schönheit der dahinziehenden Wolken. Hoffen wir mal, dass auch die Häßlichkeiten schnell vergängliche sind!

    Gute Besserung wünsche ich der Welt und Ihnen für Grippe und Heuschnupfen! (also der Welt nicht für Grippe und Heuschnupfen, aber Sie wissen schon!)

Antworte auf den Kommentar von Rolf Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert