Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, kurz wmdedgt, das will heute am Fünften des Monats wieder die freundliche Nachbarbloggerin wissen. Heute ist Donnerstag und Frei-Tag zugleich, aber nur so halb-frei, abends ruft wieder der Job. Tja, was mache ich denn jetzt den ganzen Tag?, das frage ich mich am Morgen auch. Erstmal schreckliche Nachrichten aus dem zwar weiteren, aber eben doch persönlichen Umfeld verdauen, daran arbeite ich schon seit zwei Tagen, und heute wird es sicher noch brauchen.
Frische Luft und Bewegung tun da gut. Die verschneiten Felder sehen auf den ersten Blick immernoch schön aus, entpuppen sich auf den zweiten Blick aber als wilde Herausforderung. Wie im richtigen Leben, denke ich, in so einer Stimmung bin ich heute.
Wo die knallhart gefrorene Schneedecke noch unberührt und friedlich aussieht, trägt sie mich für wenige Sekunden, dann breche ich krachend ein. Auf den Wegen haben sich alte matschige Fuß- und Fahrspuren in spiegelglattes Eis verwandelt; an anderen Stellen komme ich gut voran auf dem knirschenden, knarzenden Eisschnee und bewundere die schöne Landschaft. Mal kann ich stramm gehen, mal stapfe ich langsam, mal torkele ich wie eine betrunkene Alte.

Über längere Strecken ist es ein mühsamer Kampf, den ich schnaufend und schimpfend bewältige, dann geht es wieder mühelos vorwärts, und ich kann beim Gehen den Blick schweifen lassen und die Ausblicke genießen. Die dicken Stiefel an den Füßen werden schwer und schwerer, aber die Spikes an den Sohlen leisten ganze Arbeit. Ohne die würde man garantiert fallen, und nicht nur einmal. Sich den Arm brechen, oder das Bein. Müsste sich wieder aufrappeln, wenn man das schafft. Vielleicht würden andere sich das Genick brechen und dann einfach im Schnee liegenbleiben, für immer.

Nach anderthalb Stunden bin ich wieder zuhause, durchgepustet, erschöpft, aber auch ein bisschen stolz. Und dankbar, dass ich nicht gefallen bin. Fast Mittag ist es schon. Im Ofen bullert warm das Feuer, in der Tasse ein heißer Kaffee. Die private To-Do-Liste abarbeiten, und den Putzplan. Drängende dienstliche Telefonate, Frei-Tag hin oder her. Danach das Dienst-Telefon stummschalten.
Sofa.
Noch eine Hunderunde am Nachmittag, die Wege sind besser, das Wetter nicht.

Die Aufgabe besteht darin, in allem das Schöne zu sehen. Nicht den gefrorenen Matsch und die zertretenen Schneereste, sondern die wundersamen Kleinigkeiten. Landkarten, die Nässe und eisiger Wind auf den Asphalt gezeichnet haben. Moderne Kunst am Wegesrand. Ich knipse an den absonderlichsten Stellen, die Hunde bleiben brav stehen und warten, gucken allerdings vergleichsweise verständnislos.



Auf dem Rückweg eine längst überfällige Erledigung erledigen und das dann zuhause mit großer Geste von der To-Do-Liste streichen. Na, endlich!, sagt der Gatte. Manchmal dauern die kleinen, einfachen Erledigungen bei mir doppelt so lang wie die großen, aufwändigen.
Am Abend Eier abliefern bei der Freundin, die Hühner legen wie verrückt. Dann weiter in eine Kneipe. Rein dienstlich. Ich schwöre. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal privat in einer Kneipe war. Also, in einer Kneipe, die den Namen Kneipe auch verdient. Man geht hier in die Wirtschaft, aber doch nicht in eine Kneipe.
Und was ist das überhaupt für ein Wort: Kneipe? Sagen Sie das zehnmal schnell hintereinander, dann kommt Ihnen das ausgesprochen eigenwillig vor. Wenn Sie dieser drängenden Frage sprachlich und etymologisch auf den Grund gehen wollen, bitte hier, (Klick!) ich habe da mal was für Sie rausgesucht. Kein Tag ohne Horizonterweiterung.
Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich muss noch Hühner füttern, Hunde füttern, Katze füttern, und dann auf Kneipentour.
Ist der hübsche Hund ds oben Frau Dr.Margot Wichtig?
Ja, die Fußhupe ist Frau Dr. Margot Wichtig.
„Was meinten Sie da mit Kneipe …? Wir sind ein anständiges Haus“. Köstlich!
Darf Frau Dr. Margot Wichtig mit in die Kneipe oder ist das unter ihrem Niveau?
Kneipe ist unter ihrem Niveau. ;-)
Auch, wenn es hier schon unzählige Male erwähnt wurde, ich muss mich wiederholen: Die gezeigten Bilder sind einfach phänomenal, da könnte der Winter glatt ewig dauern.
Meine ToDo-Liste hält auch einiges parat, meine Aufschieberitis hat ein bisschen was dagegen.
Schreckliche Nachrichten aus dem Umfeld – das tut mir sehr leid! Bei mir hat das Jahr 2026 leider auf diese Weise begonnen.
Alles Gute, liebe Grüße, C Stern
Danke!
„Die Aufgabe besteht darin, in allem das Schöne zu sehen.“ Jaaa!
Und: Lieben Dank für Text und Bilder.
Wunderbar, auch die Bilder immer wieder ..
Wie wäre es mit einem Tretschlitten?
Ich finde die toll! LG
In meiner Nähe ist ein Kneipenkurort. Also, eigentlich Kneippkurort. Aber die haben eine Brauerei mit Biergartenbetrieb, da vergisst so mancher Kurgast das Kaltwassertreten. Kaltes Bier ist im Sommer doch viel angenehmer. Und Kneipen, also Wirtshäuser, hat’s da auch genügend. Bedauerlich für die Gäste, die eine Schlankheitsdiät machen, die müssen am Salat nagen während drumrum Schweinsbraten mit Knödeln und andere leckere bayerische Spezialitäten gegessen werden. Das ist Kuraufenthalt unter verschärften Bedingungen, und für Veganer sollte eigentlich eine Reisewarnung ausgesprochen werden.