Aus der gar nicht so weit entfernten Vorderpfalz erreichen mich Garten-Fotos mit grünen Trieben an langen Stängeln, dazu dicke fette Knospen an irgendeinem Rhododendron-ähnlichen Strauch, prall und rund, aus denen die ersten roten Blütenblätter herauslinsen. Blühende Schneeglöckchen und leuchtende Stiefmütterchen oder sowas in der Art, ich empfinde diese Fotos jedenfalls als eine gewisse Frechheit Herausforderung, als sie mit einem Ping! auf dem Handy aufploppen, während ich mich grade durch das ewige Eis rund um den Sportplatz beim Nachbardorf kämpfe.

Immerhin, die Schneedecke ist keine 30 Zentimeter mehr hoch, sodass Fußhupe Cara alias Frau Dr. Margot Wichtig nun auch wieder halbwegs wichtig-wirkend durch die Gegend stolzieren kann. Nach den Schneefällen der vergangenen Tage versank das kurzbeinige Hündchen bis zum Halse in der weißen Pracht und wirkte nun also gar nicht mehr wichtig, sondern eher etwas hilflos, wie sie da so feststeckte. (Kleiner Einschub für die Dialekt-Fans unter Ihnen: Man würde hierzulande sagen Frau Dr. Margot Wichtig war im Schnee festgestocke.)

Die Hühner stecken jetzt auch nicht mehr fest, sie blieben über mehrere Tage im Stall und beschwerten sich darüber lautstark. Dabei stand die Stalltür weit offen, aber Hühner sind schneeblind. Natürlich räumen wir ihnen Fußwege im Auslauf frei, wir haben ja sonst auch nichts zu tun, aber zeitweise war kein Hinterherkommen und die Hühner blieben lieber blinzelnd im Stall, als sich da rauszutrauen.

Zwerghahn Rudi, unser Neuzugang, traute sich auch nicht raus und ist als Anführer der Bande insgesamt noch nicht wirklich zu gebrauchen. Die alteingesessenen Hennen sind gefühlt doppelt bis dreimal so groß wie er, manchmal höre ich sie heimlich über Rudi flüstern und kichern, aber sie verhalten sich höflich und zuvorkommend ihm gegenüber, das ist doch schon mal was. Ich werde demnächst mal Fotos machen, damit Sie im Bilde sind. Wenn der Schnee irgendwann weg ist. Also, so in zwei, drei Monaten.

Hoher Odenwald eben. Badisch-Sibirien im Untertitel. Sechs Monate Eis- und Schneegefahr. Keine Ahnung, wer seinerzeit auf die Idee gekommen ist, ausgerechnet hier oben rauf zu ziehen.

Naja, Sie wissen schon.

6 Kommentare zu “Ewiges Eis.”

  1. Stimmungsvolle Bilder, wie immer und dafür: Dankeschön!
    Auch dieser seltsame Winter wird irgendwann vorbei sein.
    Schönen Samstagabend und liebe Grüße aus der gar nicht so großen Kreisstadt!

  2. Ach, und wenn’s taut, geht’s dem Schnee ganz rasch an den Kragen. Doch: Der Winter ist Garant für eindrucksvolle Bilder, wie man hier sehr gut nachvollziehen kann.
    Alles Liebe in den Norden, auch den Hunden und Hühnern.
    C Stern

  3. Es weiß ein jeder Odenwälder
    bei uns ist’s leider länger kälter
    acht Monat‘ Sommer, vier Monde kalt,
    ’s ist trotzdem schön im Odenwald

    1. Neun Monat‘ Winter, drei Monat‘ kalt,
      so ist’s bei uns im Bayerwald.
      Ein kühler Sommer wieder da:
      „Schatz, flieng’ma nach Italia!“

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