Sie gucken am besten heute wiederum nicht nach der Weltenlage, sondern lesen hier im Blog über die guten Dinge des Lebens nach. Ja, die gibt es noch. Man wundert sich. Oder auch nicht. Irgendwo muss Zuversicht doch herkommen, verdammtnochmal und zugenäht.

Also, bitte. So ein Wetter ist das heute vormittag gewesen, knalleblauer Himmel, Sonne, schneeweißer Schnee. Mit den Hunden stapfe und eiere ich über die Felder vor der Haustür, wir laufen im Tiefschnee in andrer Leuts Fußspuren, das ist ein bisschen mühsam, aber immerhin. Wir nehmen also zwangsläufig die Wege, die andere vor uns gegangen sind und gucken, wo es langgeht.

Und wie ich noch völlig verschwitzt und keuchend beklagen will, dass niemand diese Spazierwege wenigstens ansatzweise räumt, kommt schon von Ferne ein Traktor angebrummt durch den Schnee, an ihm festgebunden drei Plastikschlitten mit drei vermummten Männern darauf. Die Viererkette saust in atemberaubendem Tempo an uns vorbei und macht die Wege wunderbar glatt und begehbar.

Eine klassische win-win-Situation, würde ich mal sagen: die vermummten Herren sehen zwar leicht verkrampft aus, sie krallen sich mit den Händen irgendwo an den Schlitten fest, mit ihren verspiegelten Brillen, Schals und Mützen sausen und schlingern sie in gefühlt rasender Geschwindigkeit hinter dem Traktor her, aber sie wirken doch insgesamt ausgesprochen fröhlich. Ist das jetzt kommunal beauftragte Räumarbeit oder reines privates Vergnügen?, so genau weiß man das nicht, aber hinterher sind die Wege frei und alle glücklich. Win-win halt.

Am Waldrand ein Geräusch, immer näher kommt es. Wie juchzende Kinder oder junge Hunde? Über mir am leuchtend blauen Himmel plötzlich eine riesige Formation wilder Gänse, die gemächlich über die verschneite Landschaft fliegt. Was für ein Anblick. Ich will mich erst noch wundern, was das um diese Jahreszeit zu bedeuten hat, und ob vielleicht der Klimawandel, und überhaupt, und vielleicht sollte ich schnell die Szene fotografieren, aber ich entscheide mich schlussendlich dafür, den Moment einfach nur zu genießen. Noch lange sehe ich am Himmel die Gänse Richtung Süden ziehen, höre ihre Rufe.

Auf dem Heimweg denke ich nochmal nach, über eine dienstliche Begegnung gestern, ein paar Realschüler betreiben ab sofort in einem der Nachbardörfer einen klitzekleinen Dorfladen. Weil es sonst eben nix mehr einzukaufen gibt im Dorf. Und weil es sonst niemand macht. 13jährige, 14jährige, Kinder fast noch, die ihre Welt vor Ort verändern wollen. Ich meine, wenn einen das nicht zuversichtlich macht, – was denn dann? Hier (Klick!) können Sie die Geschichte nochmal nachlesen.

6 Kommentare zu “Zuversicht, verdammt noch mal.”

  1. Wie schön, danke!
    Und Sie haben recht, Zuversicht ist das Stichwort, welches Auftrieb in sich trägt… Schwarzmalen kann jeder, aber es bringt nichts, so gar nichts!
    Ich bin großer LandLebenBlog-Fan!!
    Wollte ich immer schon mal gesagt haben!
    Ganz liebe Grüße an Sie 😊

  2. Vor gar nicht langer Zeit habe auch ich mit Staunen eine Formation von Gänsen über mich hinweg fliegen sehen – das Staunen galt der dafür eigentlich ungemäßen Zeit. Mir kam auch der Klimawandel in den Sinn. Wie auch immer – für mich ist es stets ein Moment der – ja, ich sag’s mal – Ergriffenheit, wenn ich dieses wunderbare Schauspiel miterleben darf, das ich nicht nur visuell, sondern auch akustisch tief berührend finde.

    Die Geschichte der Kinder, die einen Dorfladen in Betrieb halten, hat mich auch sehr berührt! Wie wunderbar, dass es noch Menschen gibt, und in diesem Fall Kinder!, die aus altruistischen Motiven heraus einen Dorfladen am Leben halten wollen – um das Leben der Alten, für die eine Fahrt zu einem weit entfernten Supermarkt nicht machbar ist! Großartig!!

    Und danke für die wunderbaren Fotos! Da ich in diesem Kommentar schon etliche Male das Wort „berühren“ verwendet habe, kommt es auf einmal mehr oder weniger auch nicht mehr an: Ich fand die Fotos sehr berührend!

  3. Die V-Formation der Gänse haben wir auch einige Minuten andächtig beobachtet.. Unsere Theorie: vielleicht fliegen Sie nur ins Rheintal, weil dort kein Schnee liegt?
    Bin sonst nur stille Leserin, aber deine Beiträge zaubern mir immer ein Lächeln und oft auch ein Lachen ins Gesicht. Danke

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