Immer am Fünften eines Monats will die freundliche Nachbarbloggerin wissen Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, kurz wmdedgt. Jahahaaaa, heute ist leider schon der Sechste des Monats, und das fasst den Fünften des Monats eigentlich ganz gut zusammen. Ruhiger Brückentag hin oder her, ich bin vor lauter lauter zu nix gekommen am Fünften. Man staunt. Ich staunte auch.
Hatte mich, wie gesagt, nach einer winterlichen Hunderunde (siehe oben) auf einen halbwegs gemütlichen Brückentag im Büro gefreut, war aber nix. Es kamen Verkehrsunfälle dazwischen, Geflüchtete aus der Ukraine und eine Bürgermeisterwahl, für die sich niemand beworben hat. Also: Niemand.
So fummele ich also den halben Tag am Büroschreibtisch herum, telefoniere, recherchiere, produziere. Fahre dann durch die Gegend, um das Bürgermeister-Rathaus zu fotografieren für die anschließende online-Berichterstattung. Bürgermeisterwahl ohne Bewerber, das ist schon extrem selten hierzulande, könnte aber – wenn Sie mich fragen – ein Thema für die Zukunft werden. Das entwickelt sich, Sie entschuldigen den Kraftausdruck, mehr und mehr zum Scheiß-Job. Oder zur Drecksarbeit, wie unser Bundeskanzler sagen würde.
Später am Nachmittag noch Home-office neben dem bullernden Kamin und dem bimmelnden Telefon, und dann wieder los zum besagten Rathaus. Vielleicht hat jemand drei Minuten vor Ablauf der Bewerbungsfrist doch noch seine Unterlagen eingeworfen? Bibbernd stehe ich bei minus acht Grad vor dem Gebäude herum und glotze gemeinsam mit dem sehr freundlichen Hauptamtsleiter der Gemeinde um Punkt 18 Uhr in den leeren Briefkasten. Fehlanzeige. Und damit aber landesweit von Interesse.
Also bei minus acht Grad (sagte ich bereits, dass es kalt war?) noch einen Videoaufsager gemacht vor der Rathaustüre, für die Nachrichten im Fernsehen. Wie ich da stehe mit der Kamera im Selfiemodus, mit gefrorenen Fingern am eiskalten Mikro, mit dem Stativ und einem kleinen Ringlicht, bremsen die vorbeifahrenden Autos allesamt ruckartig ab. Oh, Schaulustige? Werde ich jetzt doch noch berühmt? Dabei finde ich mich selber gar nicht so spannend, wie ich da stehe und frierend reportiere. Bis mir klar wird: Die finden mich auch gar nicht spannend, die halten mich für einen Blitzer, für eine behördliche Geschwindigkeitskontrolleuse. Jetzt aufpassen, dass ich beim Sprechen in die Kamera nicht jedesmal dämlich grinse, wenn ein Auto bremst.
Zwischendurch lädt mich der freundliche Hauptamtsleiter ins ansonsten verlassene Rathaus ein, zum Aufwärmen. Bürgernähe auf Odenwälderisch. Nach anderthalb Stunden ist dann alle abendliche Arbeit getan, zuhause warten der warme Ofen und ein heißes Essen, dem Gatten sei Dank.
Merke: Im Leben einer Regionalreporterin verläuft kein Tag wie geplant. Kein einziger, niemals. Manchmal ist das schön, manchmal etwas anstrengend. Und falls Sie Lust auf einen Job als Bürgermeister, Bürgermeisterin hätten: Bitte sehr, ich könnte da vielleicht vermittelnd tätig werden. Weiß aber nicht, ob ich Ihnen das wirklich empfehlen kann, so generell. (Klick!) Hier können Sie das alles nochmal nachlesen.
Jaa, jetzt hab ich Sie endlich mal im Fernsehen gesehen 🙂 liebe Grüße aus Ludwigsburg
Tja, bei uns liegen, zumindest per heute, zwei Bürgermeister-Bewerbungen vor und die Amtsinhaberin wird sich, allen Widerungen zum Trotz, auch nochmals aufstellen lassen. Unsere Wahl findet am 08. März 2026 statt, zusammen mit der Landtagswahl.
Wer ist eigentlich rasende Reporterin / rasender Reporter im Main-Tauber-Kreis? Wahrscheinlich niemand, das macht dann die freundliche Reporterin aus dem Nachbarkreis mit… ;-)
Liebe Grüße, Rolf
Ui, ui, ui, wie schafft man es als Gemeinde, die ja auch eine Gemeinschaft ist, daß sich niemand als Bürgermeister / Bürgermeisterin aufstellen (lassen) will?
Schönen Gruß und Dank an alle Bürgermeister / -innen!
Gabriela
Immer wieder faszinierend, wie salonfähig so manche Worte bzw. Aussagen werden durch Ihren werten Herrn Bundeskanzler. Oder vielleicht betreibt er auch nur Psychohygiene, indem er sich alles so frisch und ungeschönt von der Leber redet.
Jedenfalls habe ich wie immer Ihren Gedankenausflug äußerst genossen, liebe Grüße ins Nachbarland, C Stern