WMDEDGT

5. Juli 2024

Der Fünfte des Monats. Soll heißen: Es ist der Tag des Tagebuchbloggens, so wollen es das Bloggergesetz und die freundliche Nachbarbloggerin. Also dann: WasMachstDuEigentlichDenGanzenTag, kurz wmdedgt.

Freitag ist Frei-Tag, der Wecker klingelt erst um Viertel vor Sieben statt um Sechs, man gönnt sich ja sonst nix. Die Katze kommt duch die Terrassentür ins Haus und erzählt von ihren nächtlichen Abenteuern, manches bleibt mir dabei unverständlich. Draußen piepsen die Vögel, der Hahn kräht, drinnen schnarchen die Hunde auf dem Sofa. Einzig das leise Rauschen in den Heizkörpern stört die sommerliche Morgenidylle, aber naja, Sie wissen schon. Dafür ist der Himmel blau, und die noch nasse Dorfstraße glänzt silbrig im Sonnenschein. Jetzt bloß nicht aufs Thermometer gucken. Man will ja nicht schon zu Tagesbeginn schlechte Laune kriegen.

A propos schlechte Laune: Im Hühnerauslauf schimpft seit Sonnenaufgang ein schwarzes Huhn. Besser: In einem separaten Stall im Hühnerauslauf schimpft das schwarze Huhn, ich habe es gestern unter Einsatz meiner körperlichen Unversehrtheit aus dem Legenest entfernt, das sie zum Brut-Nest erklärt hatte, Wochen ist das her. Seit Wochen also saß sie froher Hoffnung, erst auf einem Gips-Ei, dann auf zwei, drei, vier fünf echten Eiern, die die weiße Henne in voller Frauen-Solidarität in das besagte Nest legte.

Die Weiße setzte sich alle paar Tage auf die schwarze Glucke drauf, Platz ist in der kleinsten Hütte, und legte ein weiteres Ei, das die Schwarze dann unter ihre Fittiche nahm. So gingen die Tage und Wochen dahin, die Eier unter der Schwarzen wurden mehr und mehr, sie quollen nun schon rechts und links neben der aufgeplusterten Henne hervor, natürlich war weit und breit kein Küken zu erwarten, und nun sprach ich ein Machtwort. Entglucken, so nennt man das in der Fachsprache.

Jedenfalls schimpft heute den ganzen Tag die schwarze Henne. Erst, wenn sie aufhört zu schimpfen und ihren unerfüllten Kükenwunsch vergessen hat, darf sie wieder zu den anderen. Alle paar Stunden schaue ich nach ihr, sie schimpft und zetert, aber ich kann es nun auch nicht ändern. Die zumeist bereits gefaulten Eier entsorgen wir – wiederum unter Einsatz unserer körperlichen Unversehrtheit – auf dem Kompost.

Die schnelle morgendliche Hunderunde: durch den Wald, am Bächlein entlang. Die Hunde verfolgen weiterhin den ehrgeizigen, aber langfristigen Plan, bis zum Erdkern zu buddeln, verzeichnen aber heute wenig Fortschritte.

Vormittags kommt die Wohlfühlbeauftragte, wir schwätzen und trinken Kaffee, sie saugt und wischt, ich räume derweil auf, miste aus, fege. Und ich schrubbe die (Achtung!) Mülltonnen, bitte sagen Sie es niemandem weiter, – wie so eine schwäbische Hausfrau, – aber natürlich nur von außen. Man muß es nicht übertreiben. Über diesen Tätigkeiten vergehen die Stunden, es ist blitzeblank im Haus und sehr zum Wohlfühlen, und schon ist es Mittag.

Weil Frei-Tag ist, und weil es ausnahmsweise nicht regnet, ein kleiner Ausflug in die Umgebung; ich habe da vor einiger Zeit einen neuen Weg am Fuße des Katzenbuckels entdeckt, der es sogleich auf die Liste meiner Lieblingswege geschafft hat.

Niemand ist hier unterwegs, nichts ist zu hören, außer die Geräusche des Waldes, des Windes, meiner eigenen Schritte. Immer tiefer gehen wir in den Wald, immer tiefer und tiefer. Mehrfach muß ich mir Spinnenweben aus dem Gesicht wischen, die quer und unsichtbar über den Weg gehangen haben; und wie ich zu den Hunden sage Na, hier ist aber auch seit 200 Jahren kein Mensch langgegangen!, kommt ein LKW den verwunschenen Waldweg entlanggerauscht, auf seinem Hänger hat er zwei (Wieder Achtung!) Dixie-Klos festgezurrt. Wir weichen schnell auf die Seite aus, und ich sage, wiederum zu den Hunden,: Häää??, aber die Hunde antworten nicht, so bleibt dieses Ereignis rätselhaft.

Über zwei Stunden sind wir unterwegs, und zum Abschluß eines kleinen Ausflugs gehört ein ordentlicher Cappuccino und ein Stück Kuchen, traditionell. Ich sehe schon auf dem letzten Drittel des Weges einen schnuckeligen Biergarten vor meinem geistigen Auge, eine gemütliche Wirtschaft, oder irgendein anderes Gartenlokal, und ich gehe gedanklich schon mal alle Ortschaften der näheren Umgebung durch, wo ich denn wohl einkehren könnte an einem Freitagnachmittag bei Sonnenschein. Die Qual der Wahl, naja, Sie wissen schon. (Hier müssen Sie jetzt ein Schenkelklopfgeräusch einfügen).

Es endet, wie so oft, bei der winzigen Bäckerei-Filiale neben dem Discounter, Coffee to go und ein Rosinenbrötchen auf die Hand, dann irgendwo im Gelände rechts ranfahren und halt ein eigenes temporäres Gartenlokal erfinden und improvisieren, inklusive Kofferraumklappen-Sonnenschirm. Geht alles. Und hat auch seinen ganz eigenen Charme.

Zurück zuhause erwartet mich der Lärm einer Motorsense, diesmal klingt er wie Musik in meinen Ohren, der beste aller Motorsensenmänner aus dem Nachbardorf macht ein bißchen Ordnung in unserem Garten, den Zaun zum Nachbarn entlang. Wir sitzen danach noch eine kurze Weile beisammen und erörtern die Weltenlage, außerdem natürlich die Frage, wer heute abend gewinnen wird, Deutschland oder Spanien.

Wobei noch immer nicht geklärt ist, wie um alles in der Welt wir das heute abend kombinieren sollen, Fußball und Abendessen, Wer hat sich denn diese idiotische Uhrzeit für ein Viertefinale ausgedacht?, fragt mein Geo seit gestern mittag in schöner Regelmäßigkeit, wir können doch nicht essen und fußballgucken gleichzeitig! Dieses Problem beschäftigt uns nun also seit nahezu 24 Stunden, aber ich bin sicher, wir werden es irgendwie lösen.

Jetzt aber erstmal Hühner versorgen, nach der schimpfenden Henne gucken, dann also Fußball, dann Abendessen. Oder erst Abendessen, dann Fußball?

Das Leben bleibt kompliziert.

  • 5 Kommentare
  • Hannah 5. Juli 2024
    Antworten

    Wunderbar geschrieben! Es ist wie immer ein Genuss, Ihre Beiträge zu lesen.

  • Rolf 5. Juli 2024
    Antworten

    Erst Abendessen, dann Fußball. Ist (isst) gesünder…
    Die deutsche Mannschaft (nicht wir!) hat verloren. Hätte aber auch gewinnen können.
    Und nu’? Gute Nacht
    Rolf

  • Gabriela 5. Juli 2024
    Antworten

    Danke schön, ganz besonders für das Eingangs-Bild: Stillleben mit Hunden, frei nach den alten Meistern – oder so “Na, Sie wissen schon…”
    Gabriela

  • Sonja 5. Juli 2024
    Antworten

    Gerne gelesen, weil so schön atmosphärisch!

  • C Stern 7. Juli 2024
    Antworten

    Auch von mir wieder mit viel Genuss gelesen – und auch beim Lesen können alle Sinne eingesetzt werden :-) Sie werden hier ja herrlich verführt!
    Wünsche eine gute neue Woche, hoffentlich mit freundlicheren Außentemperaturen – für unsere inneren Betriebstemperaturen sind wir ja weitgehend selbst verantwortlich!
    Und ist die Fußball-EM vorüber, fallen gleich wieder einige Fragen weg ;-)
    Liebe Grüße aus dem Nachbarlande! C Stern

  • Antworten

Es geht uns allen so. Vorheriger Artikel Es geht uns allen so.