Rückzug X

31. März 2020

Wie tröstlich der Güllegestank auf den Feldern ist. Und wie tröstlich, dass da ein Landwirt eine neue Weihnachtsbaumplantage anlegt. Das alles hat sowas von wohltuender Normalität. Dass ich mal so denken würde. Unfassbar. Naja, verrückte Zeiten eben.

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Einbrecher haben im Städtchen die Gunst der Leere genutzt und sind in ein Schuhgeschäft eingebrochen. Die Schuhe haben sie stehenlassen, aber einen Haufen Geld haben sie mitgenommen. Und jede Menge Wurstwaren. Ja, so habe ich auch geguckt. Zurückgelassene Wurstwaren aus einem Kühlschrank. Bestimmt Odenwälder Dosenwurst. Auch das Werte-Gefüge scheint in diesen Zeiten zu ver-rücken. Wurst statt Schuhe. Na gut. Dreckssäcke, elendige, in diesen Zeiten auch noch irgendwo einzubrechen, ja, sachtma, gehts noch.

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Auch der künstlerisch-freischaffende Gatte merkt die Auswirkungen der Krise. Zwei aktuelle Ausstellungen geschlossen, zwei geplante abgesagt. Keine Atelierbesucher mehr, nix. Jetzt lädt er in regelmäßigen Abständen zu einem Gang durchs Depot ein, unten in der großen Halle am Haus. Falls Sie sich da mal umschauen möchten in der digitalen Werkschau: die Beiträge gibts alle paar Tage (Klick!) hier.

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Mit einem Kollegen aus der großen Hauptstadt aneinandergeraten, meine Recherche bei den hiesigen Neckar-Odenwald-Kliniken macht ihn unzufrieden. Sie werden da hinten (sic) doch wohl noch zahlreiche andere Krankenhäuser haben, und nicht nur diese kleinen Kreiskliniken! Äh…nein. Noch ein ebenfalls sehr, sehr kleines Krankenhaus in Hardheim, aber mit Belegbetten, das hilft uns bei der Recherche nicht weiter. Und sonst? Nix? Nein, sonst nix.

Aber, wo wir grade beim Thema sind: Die Kreiskrankenhäuser suchen dringend helfende Hände, kurzfristig. Falls Sie aus der Region kommen und irgendeine Ausbildung in der Kranken- oder Altenpflege haben, oder Allgemein- oder Facharzt/ärztin sind und derzeit Zeit haben, bitte (klick!) hier entlang.

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Kaffeepause mit der lieben Freundin. Mit vorgeschriebenem Sicherheitsabstand und to-Go-Kaffee. Wenn Romeo und Julia fernsterln konnten, können wir das auch. Romeo und Julia haben doch gefensterlt, oder erinnere ich mich da falsch? Wenn Sie Zeit haben, finden Sie das bitte mal raus, ich komme grade nicht dazu.

Mich über erfreuliche Themen gefreut in all dem Un-Erfreulichen. Dorfmusik mal anders, lautete das Thema aus dem Nachbardorf, und nachlesen und -hören können Sie das (klick!) hier.

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Die Leute grüßen gar nicht mehr, berichtet die Freundin aus dem städtischen Umfeld. Die gehen bei den Hunderunden auf den Feldern einfach im großen Abstand aneinander vorbei und gucken nicht und grüßen nicht. Entgegenkommende Radfahrer fahren grußlos schnell vorbei. Das war doch vor ein paar Wochen noch ganz anders, schwört die Freundin. Bei uns hier oben grüßen alle noch. Vielleicht sogar noch mehr als sonst. Selbst Menschen, die ich nie zuvor gesehen habe. Und für ein aufmunterndes Lächeln oder einen kurzen Spruch im Vorbeigehen ist immer Zeit. Landleben vielleicht. Schön ist das.

  • 1 Kommentar
  • nina. aka wippsteerts 31. März 2020
    Antworten

    Ja, die beiden Teens haben gefensterlt, aber Romeo ist auch hoch geklettert.
    Hm vielleicht wie bei Cyrano de Bergerac? Wobei der hat dem fensterlden geholfen und der durfte glaube dann irgendwann auch…
    Na ja, hauptsache sich sehen, Aug in Aug
    Liebe Grüsse
    Nina

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