Was schön war.

Ganz viel war in der vergangenen Woche los, ganz viele Termine, ganz viel Nerverei, ganz viel Gerenne und ganz viel Gequassel, mal mehr, mal weniger bedeutungsschwer. Und ganz viel Regen, kübelweise, und noch mehr Matsch im Ziegen- und Hühnergehege.

Und ganz viel Schönes war auch. Man übersieht und vergisst das ja gerne. Und damit das eben nicht passiert, hat irgendwer mal diese Bloggeschichte Was schön war eingeführt, leider kriege ich nicht mehr zusammen, wer das war, ich habe es von dem hochverehrten Herrn Buddenbohm übernommen, der weiß bestimmt, wer die Urheberin ist oder war.

Schön war das Gute im schlechten Wetter zwischendurch. Schwarze Wolken vor blauem Himmel, ein gleißendes Licht, und das knallgrüne Maigrün. Und immer wieder: die Weite. Und immer wieder bloß die Händiknipse, ich werde es nicht mehr lernen. Und bin aber auch nach nunmehr fast 20 Jahren immer wieder berührt von Himmel und Wolken hier oben, ich fahre durch die Gegend und sage Boah und Waaaahnsinn vor mich hin am Steuer und bremse dann irgendwo unvermittelt und mit quietschenden Reifen, um ein Foto zu machen. Ob diese Begeisterung für den Himmel je aufhört? Ich hoffe, nein. Das wäre schön.

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Am Forellenteich im Wald, den ich mitbetreuen darf, brütet ein Entenpaar. Versteckt und fast unsichtbar im Dickicht am Ufer. Das ist doof, weil ich die Hunde jetzt dort draußen nicht mehr springen lassen will. Und wunderschön, weil demnächst vielleicht zehn winzige Entenküken, wie Perlen auf einer Schnur, aufgeregt hinter Vati und Mutti über den See paddeln werden. Da werde ich dann aber mal die vernünftige Kamera mitnehmen, versprochen.

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Und wo wir gerade bei Bääääbies sind: Am Teich sind neue Forellen geliefert worden, kleine, schlanke Fischlein, die durch das Wasser schießen wie etwas nervöse Blitze. Die verbliebenen alten und großen Forellen finden das junge Gemüse vermutlich auch irgendwie nervig, man kann das ja verstehen, zumal die Kleinen nicht mehr klein genug zum Fressen sind. Ja, Forellen kennen da angeblich gar nichts, das sind ja Raubfische, und wenn in der Nachbarschaft plötzlich Winzlinge auftauchen, happhapp!, weg sind sie. Das funktioniert hier also nicht mehr, die Großen sind genervt und müssen sich mit dem Futter zufrieden geben, das wir in den Teich werfen.

Wobei es jetzt an der Futterstelle am Steg ein gewisses Durcheinander gibt, die Großen kriegen großes Futter, die Kleinen kleines, die Großen wollen die Kleinen wegdrängeln, die Kleinen wuseln kreischend den Großen durch die Beine, also, jetzt im übertragenen Sinne natürlich. Man kann sich das in etwa vorstellen wie an einer überfüllten Imbissbude, es ist ein Hauen und Stechen und geht nicht immer rücksichtsvoll und vornehm zu.

Das führt nun wiederum dazu, dass der Futter-Spender mit zwei verschiedenen Futtergläsern herumrennt, ich renne hierhin und werfe großes Futter, dann dahin und werfe kleines Futter, ich locke die Großen nach links und füttere mit schneller Armbewegung die Kleinen rechts, das Wasser schäumt, es ist ein Zappeln und Klatschen auf und unter der Wasseroberfläche, ich springe hierhin und dahin und sehe vermutlich von Ferne aus wie ein etwas durchgedrehter Herbert von Karajan, der mit fuchtelnden Armen und in einer Mischung aus Genie und Wahnsinn das Forellenquintett vor 543 Orchestermitgliedern dirigiert.

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Wie ich da dieser Tage schwer am Putzen bin daheim, klingelt es an der Tür. Vor mir steht die verschollen geglaubte, liebe Bekannte, die ich vor fast zehn Jahren das letzte Mal gesehen habe. Sie haben damals zu mir gesagt, wenn ich jemals Hilfe brauche, darf ich kommen, sagt sie und lächelt etwas gequält. Darf ich? So viel Mut, so viel Vertrauen. Und so viel Dankbarkeit meinerseits. Und trotz der Umstände so ein schönes Wiedersehen.

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Die Schweizer waren wieder zu Besuch. Das Paar, das über diesen kleinen Blog hier einst den Weg aus der tiefen Schweiz in die Region gefunden hat, einfach mal da hinfahren, in diesen merkwürdigen Odenwald, einfach mal gucken. Inzwischen kommen sie regelmäßig, wir treffen uns abends und schwätzen und schwätzen, sie erzählen und fragen, und wir erzählen und fragen, und das alles ist immer ausgesprochen nett und bereichernd.

Inzwischen haben die beiden hier im Hohen Odenwald mehr Freunde als daheim in der Schweiz, sagen sie, und ich finde, wir sollten das als Kompliment auffassen. Und im Übrigen denken sie darüber nach, irgendwo im Landkreis ein Haus zu kaufen oder zu mieten. Falls Sie also was wissen: immer her damit. Und eine günstige Zwei-Zimmer-Wohnung wird auch gesucht, siehe oben, die verschollene Bekannte. Sie könnten in diesem wie in jenem Fall Freunde fürs Leben gewinnen. Ehrlich.

10 Kommentare

  1. Die Begeisterung für den Himmel kommt auch mir hoffentlich nie abhanden- es vergeht kein Tag, an dem ich das nicht tue. Quietschende Bremsen gabs heute auch bei mir. Euer Gewitter war dann auch irgendwann bei uns an der Landesgrenze Bayern/Baden-württwmberg. Das reingewaschene Grün danach ist unbeschreiblich schön. Ich habe übrigens zwei Zimmer in meiner Wohnung unterzuvermieten – falls bei der Freundin Interesse besteht. Bis zu euch rauf glaube 40 Min. Grüße von einer himmelsverliebten

  2. Als ich vor jetzt bald sechs Jahren mein Leben mal eben ganz radikal und vollständig um einhundertachtzig Grad gedreht habe, schien mir der Himmel in diesem Jahr immer wieder besonders spektakulär und imposant.

    Als das aber gar nicht abriss und Jahr um Jahr so atemberaubend blieb, ging mir auf: Der falsche Eindruck, dass das nur in diesem einen Jahr so besonders gewesen wäre, rührte daher, dass ich die Jahre davor nicht hingesehen hatte.

    Ja, ich bremse auch. Unvermittelt in der Weite des linken Niederrheins, derzeit wieder besonders berauschend im lustvollem unverwechselbaren Mai-Grün!

    Aber eine, der sie solche Hilfe zusagen, ist das nicht eher eine Freundin als eine liebe Bekannte?

  3. Pingback: | Buddenbohm & Söhne

  4. Himmel ist immer schön
    heute auch wieder gaaanz viel Himmel mit segelnden Wolken ;)

    wie schön wenn man Freunde und gute Bekannte hat
    und wenn man sich gegenseitig hilft
    mir gefällt die Mieze
    sie schaut so aufmerksam ;)

    liebe Grüße
    Rosi

  5. Wohnung/Haus zu kaufen gesucht? Haben wir! Nur 12 km von Balsbach entfernt. Auch Dorf (Lohrbach), auch viel G(emeinschaftsg)rün dran und drumherum, sogar eine gute Infrastruktur für so’n Dorf (Bäcker, Ärzte, Gemüseladen, Besenwirtschaft). Hier ein Link: https://www.nestoria.de/immobilien/kaufen/lohrbach_mosbach
    Sieht nach Immobilienmakler aus, wird aber von uns privat verkauft. Du kannst gern vermitteln, Friederike! Eine Zwei-Zimmer-Wohnung könnte miterworben werden.

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