Die alte Linde.

Ich ärgere mich ein bisschen, dass ich damals nicht dabei gewesen bin, mit der Kamera am besten. Ich hätte ein Foto davon gemacht, wie sieben traurige Gestalten sich dem kleinen Hügel im klitzekleinen Waldkatzenbach nähern, wie die sieben Männer jeweils einen dürren Stecken mit einem Wurzelballen in der Hand vor sich hertragen, wie sie dann diese sieben Setzlinge in sieben kleine Erdlöcher setzen und die kahlen Stecken am Schluß mit einem Seil zusammenbinden.

Ich hätte fortan jeden Monat ein Bild von den zusammengebundenen Lindenbäumchen gemacht, immer aus der selben Perspektive, 370 Jahre lang, dann hätte ich 4.400 Fotos gehabt und die zu einem Zeitrafferfilm zusammengebastelt, und man hätte innerhalb weniger Minuten mitverfolgen können, wie aus den sieben Setzlingen, wupp, wupp, wupp, wupp, wupp, die riesig-mächtige Dorflinde von Waldkatzenbach entstanden ist.

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Die Geschichte mit den sieben Männern ist nicht bewiesen, aber schön: Sieben Väter sollen es gewesen sein, deren Familien den 30jährigen Krieg überlebt hatten, all das Morden und Töten, das auch hier in der Region, auf dem Winterhauch, tobte. Angeblich waren sie die einzigen Überlebenden im Dorf, und zum Dank pflanzte also ein jeder von ihnen 1648, nach dem Westfälischen Frieden, sein Bäumchen in Waldkatzenbach.

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Die Bäumchen wuchsen und wuchsen, der eine Friede ging, der nächste Krieg stand vor der Tür, die Männer zogen in die Schlachten und kamen wieder heim oder auch nicht, so ging das über Jahre und Jahrhunderte. Heute ist aus den sieben dünnen Sommerlinden ein mächtiger Baumkoloss geworden, der inzwischen das Waldkatzenbacher Kriegerdenkmal krönt, als Teil davon. Als stummer Zeuge der Geschichte, als einer, der all das gesehen hat, was da auf den Gedenktafeln in knappen Worten angedeutet wird, all die Schlachten und all die Toten und Vermissten all der vielen Kriege.

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Auf das ungewöhnliche Naturdenkmal weist ein Schild hin, das inzwischen auch so aussieht, als sei es von 1648, die Schrift ist kaum noch zu entziffern, das Holz ist rissig und vermodert. Hey, möchte man dem Schild zurufen, guck Dir mal den Baum da an, der hat bald 400 Jahre auf dem Buckel, und Du gehst jetzt schon in die Knie? Jetzt reiß Dich mal zusammen. Angeblich soll es bald erneuert werden, das wäre höchste Zeit.

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Wenn Sie mal in der Gegend sind, statten Sie doch der alten Linde einen Besuch ab und grüßen sie von mir. Hier bekommen Sie die entsprechende Karte und noch ein paar sehr spannende Hintergrundinformationen. Und wenn Sie sich für Baum-Geschichten interessieren, hier hatten wir neulich schon mal eine.

 

 

 

Verlinkt mit allerlei anderen lesenswerten Baumgeschichten hier bei der freundlichen Nachbarin: http://jahreszeitenbriefe.blogspot.de/2016/11/mein-freund-der-baum-45.html

 

 

 

November.

Irgendwie war dieses ganze Jahr ein bisschen wie November. Weltgeschehen und so weiter, naja, Sie wissen schon. Alles schrecklich, alles Grau in Grau. Viele Prominente verabschiedeten sich dazu noch von der Bühne, nein, der auch?, ach Du liebe Zeit, die war doch gar nicht alt!, vieles davon ließ mich eigentlich persönlich unberührt, aber es blieb doch das Gefühl, dass es an allen Ecken und Enden bröckelt in dieser Welt. Wie in einem ins unendliche ausgedehnten November.

Passend zum November als dem Sterbemonat las ich heute einen Text beim kiezneurotikerund wie ich da so nachdachte über Tod und Sterben, da fiel mir eine Beerdigung neulich ein, im Nachbardorf. Die Alte war gestorben, und natürlich bin ich in die Kirche und anschließend mit auf den Friedhof. Wenn Du in Deiner neuen Heimat auf Beerdigungen gehst, dann bist Du angekommen, hat mir mal ein sehr netter Kollege hier im Odenwald  gesagt, und ein paar Monate später war seine Beerdigung die erste, zu der ich ging. 

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Ein Symbolbild.

Wie dem auch sei: Ich bin da also neulich auf dieser Beerdigung, und ich hatte ein trauriges, mickriges Häuflein Gäste erwartet, eine Handvoll Leute vielleicht, stattdessen ist die Kirche rappelvoll. Nach einer Stunde geht es dann zum Friedhof, 70 oder 80 Menschen laufen still die paar Schritte zu Fuß durchs Dorf, hinterher kommen Pfarrer und Ministranten mit wehenden Gewändern, ein kleines Mädchen schleppt ein Megaphon, ein anderes einen Lautsprecher, damit am Grab auch alle etwas hören.

Die Menschen verteilen sich im großen Kreis um Sarg und Grab, schweigend im eisigen Wind, alles geht seinen Gang, irgendwann wird der Sarg ins Grab hinabgelassen und langsam zerstreut sich die Gesellschaft, nur ein paar enge Angehörige bleiben noch etwas stehen.

Wer sind all diese Leute?, frage ich einen, den ich kenne, waren die alle mit der Alten bekannt? Das wäre mir ganz neu. Nein, sagt der, ich habe sie auch nicht gekannt, aber sie hat doch bei uns im Dorf gewohnt, da geht man eben hin zu der Beerdigung. Das gehört sich doch wohl so. 

Das gehört sich doch wohl so. Abschied zu nehmen von einer Unbekannten, sie auf ihrem letzten Weg zu begleiten, obwohl man sie nicht gekannt hat. Einfach, weil sie aus dem Dorf war, irgendwie dann doch dazugehörte. Der ebenfalls unbekannten Familie zu zeigen: Wir sind da, wir nehmen Anteil.

Keine Ahnung, warum, aber ich fand das irgendwie sehr rührend und sehr tröstlich.

 

 

 

Was schön war.

Ich habe am vergangenen Wochenende gefühlt zweihundert größtenteils wildfremde Menschen durch meine Küche und unser Haus gelotst, tatsächlich waren es vielleicht etwas weniger, einhundertfünfzig oder einhundertsechzig, was weiss denn ich, aber letzten Ende ist das auch egal. Das klingt jetzt nicht wirklich nach einem Beitrag für die Sendereihe Was schön war, aber es war tatsächlich schön, ich kann es selbst kaum glauben.

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Wenn der Gatte einmal im Jahr zum Offenen Atelier einlädt, dann erfordert das gewisse Vorbereitungen, das kann ich Ihnen aber flüstern. Aber, wie sagt der Chinese so treffend: Nicht über die Dunkelheit jammern, sondern ein Licht anzünden. Auf Odenwälderisch übersetzt heißt das ungefähr: nicht über mangelnde kulturelle Angebote maulen, selber welche schaffen, also bitte. Da muß man dann halt auch mal etwas tun.

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Also tagelang Küche und Wohn- und Arbeitsräume herrichten, Bilder hin- und herhängen, Skulpturen von rechts nach links und wieder nach rechts schieben, Einkäufe ranschleppen, Geschirr ausleihen, Kuchen hinstellen, Kaffeemaschinen anwerfen – und dann auf den Ansturm warten. Und dann zusehen und zuhören, wie wildfremde Leute miteinander ins Gespräch kommen, wie sich alte Freunde wiedertreffen, wie überall gequasselt und gelacht wird, sich Grüppchen zusammenfinden, dikutieren, fachsimpeln, mit und ohne Sachverstand, aber mit Kunst-Neugierde und Interesse allemal.

Nebenbei noch ein blind-date haben mit einer facebook-Bekanntschaft, der Herr Naefken kam vorbei, der hatte einen wirklich weiten Weg, will aber schließlich alle seine 600 Facebook-Freunde wirklich auch persönlich kennenlernen, also, ein Anfang ist gemacht. Und ausgesprochen nett wars auch. Und weil er so besonders früh kam, fand er im Dorf sogar noch einen Parkplatz in der Nähe unseres Hauses, das war im Lauf des Tages dann nicht immer selbstverständlich.

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Jedenfalls war das Haus an beiden Tagen dauernd krachend voll und voll mit guter Stimmung, das war tatsächlich richtig schön. Ich habe jetzt zwar lahme Arme vom Kaffee-einschenken und lahme Ohren und einen fusseligen Mund dazu, aber was macht das schon, wenn am Ende alle glücklich sind.

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Und a propos am Ende. Achtung, jetzt wird es persönlich. Genau vor einem Jahr, beim Offenen Atelier 2015, war ich selber ganz am Ende. Als die letzten Gäste damals raus waren, gab ich den vielzitierten Löffel ab, vorübergehend, für ein paar Monate. Nach 25 Jahren 24-Stunden-Dauereinsatz im Beruf, nach einem Jahr voller Unerfreulichkeiten, nach Kummer, Streß und Nerverei ging gar nichts mehr. Nichts. Einfach überhaupt nichts. Die disziplinierte Preußin ging schlichtweg in die Knie.

Nicht mal mehr die Hühner füttern konnte ich, das muß man sich mal vorstellen, ich bitte Sie. Ich ging mit den Hühnern nur noch zu Bett und stand morgens einfach nicht mehr auf. Eine Total-Erschöpfung vom Feinsten, burnout nennt man sowas gerne, klingt ja cooler als Erschöpfung, mit allem, was dazugehört. Ja, da staunen Sie. Ich staunte auch, falls ich dazu überhaupt noch in der Lage war.

Ich nahm zwangsläufig eine Pause, widerwillig, ist ja klar, Disziplin und so, aber nichts anderes war denkbar. Und ich merkte nebenbei, dass ich nicht nur den besten Ehemann, sondern auch die besten Chefs der Welt und die feinsten Kollegen ever habe. Auch eine Erkenntnis. Dafür bin ich von Herzen dankbar.

Ein paar Monate war ich weg vom Fenster. Viel gelernt habe ich seitdem. Jetzt bin ich wieder da. Ganz die Alte und hoffentlich auch eine andere. Und nicht mal so ein Offenes Atelier aus der Kategorie Nicht vergnügungssteuerpflichtig für die Gastgeber kann mir mehr etwas anhaben, na also, bitte. Nein, es war tatsächlich richtig schön, das Wochenende.

 

 

 

 

P.S. Wenn Ihnen das mit der Erschöpfung irgendwie bekannt vorkommt, dann holen Sie sich Hilfe. Verkriechen Sie sich nicht. Es gibt da draußen, ganz in Ihrer Nähe, hunderte und tausende von Menschen, denen es genauso geht oder zumindest ganz genauso ging. Sie glauben ja nicht, wieviel bekannte Gesichter ich in Wartezimmern von Fachärzten getroffen habe, haha, das war immer erst ein schöner Schreck. Und dann folgten oft ein guter Austausch, Ratschläge und hilfreiche Tipps und Ideen. Und Erschöpfung, burnout, Depression ist nichts, wofür man sich nun schämen müsste. Ich jedenfalls schäme mich nicht dafür, dass ich mir habe helfen lassen. Im Gegenteil, mir geht es so gut wie seit Jahren nicht mehr. Ich habe am Wochenende gefühlt 200 fremde Leute bei mir daheim bewirtet, eigentlich so eine Art Hausfrauen-Albtraum, also bitte. Ohne größer mit der Wimper zu zucken und mit netter Hilfe. Unfassbar, ehrlich. Aber wahr. Und schön.

 

Und die Fotos auf dieser Seite hat am Wochenende übrigens alle der Herr Fiedler gemacht, das ist auch so ein Netter, der gerade sehr erfolgreich ins Fotografen-Geschäft einsteigt, gucken Sie mal hier (klick!), da entsteht schon langsam eine schöne Website.

 

 

 

Landidylle.

Nein, wir langweilen uns nicht in diesen Tagen, ganz gewiß nicht. Jetzt also auch noch diese Vogelgrippe, das kostet Zeit und Nerven, leider hat der verehrte Herr Agrarminister bisher noch keine tatkräftige Hilfe angeboten, das war vermutlich abzusehen und ist ja auch verständlich. Also verbringen wir unsere Tage im Internet, suchen nach Partyzelten und alten NVA-Zeltplanen, nach Haken und nach Ösen, nach Maschendraht und Zaungestellen, wir rechnen, messen, verwerfen, rechnen neu, bestellen online. Wer keine Sorgen hat, der macht sich welche.

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Außerdem müssen kleine Strohballen her, wo bekommt man die denn jetzt, wir sind für Tipps sehr dankbar. Die Betonung liegt auf klein, so ein riesiger Rundballen passt ja nicht mal durch die Tür. Dazu brauche ich Ideen für Hühnerspielzeug, damit die lieben Kleinen nicht verdummen. Ja, so eine Vogelgrippeaufstallungspflicht bringt manchen Aufwand mit sich.

Immerhin konnte ich den Gatten überzeugen, die große Halle herzugeben für die Hühner, da ging es in den vergangenen Jahren um Kunst und um Kultur, Ausstellungen, Konzerte undsoweiter, das wird nun also unser neuer Hühnerstall. Ab Montag, denn am kommenden Wochenende ist erstmal Offenes Atelier im Haus und in der Halle, man gönnt sich ja sonst nicht, Sie dürfen gerne mal vorbeischauen. Und sich unter die rund 150 Besucher mischen, die am Samstag und am Sonntag von mir in meiner Küche nett bewirtet werden, mit Kaffee und warmen Worten. Dafür muss ich auch noch einkaufen, gut, dass wir darüber sprechen.

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Eben noch Kunst und Musik – bald Hühnerstall.

Den Garten hat der Gatte heute schon gerichtet, winterfest, naja, Sie wissen schon. Holz gehackt, dazu mehrere Glühlampen gewechselt und alle Fenster geputzt, irgendwas ist immer auf dem Lande. Von der humpelnden Katze reden wir jetzt gar nicht, die ignorieren wir jetzt einfach mal, bis Montag. Und die Hunde müssen raus, und sie müssten dringend zum Friseur, ich auch, fällt mir da ein.

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Außerdem waren wir auf einem Konzert im Dorf, das Kulturprogramm ist überschaubar, das Konzert aber war äußerst nett. Und die befreundeten Forellen habe ich gefüttert und das Laub vom See gefischt, das geht zwar in die Arme, ist allerdings mehr Entspannung als Arbeit. Und arbeiten war ich nebenher übrigens auch noch, Interviews führen, O-Töne schneiden, texten, Beiträge produzieren, Telefonate mit dem Bundesverteidigungsminsiterium und dem Pressezentrum des Heeres, da staunen Sie. Das war allerdings ebenso wenig ergiebig wie die Telefonate in Sachen Bauschutt aus Atomkraftwerken, dafür habe ich jetzt aber einen Termin mit einem Herrn, der am Wochenende hier ein internationales Schlittenhunderennen ausrichtet, ja, das ist die Bandbreite hier auf dem Land.

Nebenher will der Gatte von mir eine Überarbeitung seiner Homepage, so mal rasch, am besten gestern, da muß ja auch das neue Buch rauf, das er ganz genauso nebenher geschrieben hat. Dazu muss ich auch demnächst was schreiben, so als Werbeblock, oder Sie kommen einfach mal am Wochenende her und gucken selber, ich kann mich schließlich nicht um alles kümmern.

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Einfach anklicken, dann lesbarer.

Jetzt muß ich noch den Hühnern Gute Nacht sagen, den unaufgestallten, immernoch, dann zur Chorprobe ins Städtchen, Krönungsmesse, Mozart undsoweiter. Und nachher komme ich heim und setze mich in den Schaukelstuhl an den dann vermutlich nur noch glimmenden Kamin und glotze auf das Bild, das der Gatte nebenbei gemalt hat. Hoffnungsschimmer heißt es, na, das passt ja. Und dann lese ich beim Einschlafen noch in der Landlust nach, wie idyllisch das Leben auf dem Lande sein kann.

 

 

Artenvielfalt.

Ich frage mich manchmal, wo die vielen Damen und Herren Naturschützer eigentlich leben. Vermutlich in Großstädten. In hermetisch abgeriegelten klimatisierten Neubauwohnungen. Anders ist nicht zu erklären, wieso sie dauernd von Artenvielfalt schwärmen. Von Biodiversität.

Wenn sie, wie unsereiner, auf dem Lande leben würden, also richtig auf dem Lande, dann hätten sie die Schnauze voll von Artenvielfalt. So wie ich.

Foto: Gerda Müller/pixelio

Foto: Gerda Müller/pixelio

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Im Grunde meines Herzens bin ich  ein ökologisch bewusster Naturfreund. Ich plaudere mit Zaunkönig und Kuckuck,  erziehe unerzogene Siebenschläfer und schichte Laubhaufen für wintermüde Igel auf, ich weiß Maiglöckchen (lecker) von Bärlauch (giftig, – oder umgekehrt?) zu unterscheiden und pflücke im Frühjahr Waldmeister und Knoblauchrauke.

Im Auftrag unseres Kamins und im Kampf gegen den Heizölverbrauch krieche ich durchs Unterholz und sammle fürs wärmende Feuer Kiefernzapfen und säge oberschenkeldicke Äste, die mein Geo heimlich aus dem Wald herauszerrt, aber was tut man nicht alles für Umwelt- und Naturschutz.

Aber ich hasse die Artenvielfalt. Ich meine, die Welt wäre in Ordnung, wenn es eine Spinnenart gäbe, eine Fliegenart und eine Art von Wanzen, Zecken oder Asseln. So hatte ich mir das zugegebenermaßen auch gedacht, als ich aus der Großstadt raus aufs Land zog. Aber ich hatte die Rechnung ohne die Artenvielfalt gemacht.

Foto: K.Wieland-Müller/pixelio

Foto: K.Wieland-Müller/pixelio

Nein, Im Keller lauern nicht die Spinnen – was schlimm genug wäre – :  im Keller (und im Garten und im Badezimmer und auch am Kopfende des Bettes)  lauern kurzbeinige Behaarte, haarlose Langbeinige, dicke Kurzhaarige und solche, die ihre langen Langhaar-Arme nach mir ausstrecken, das sind die Allerschlimmsten.

Ich trage in der Regel ein Bestimmungsbüchlein durch die Gegend und lerne alle Tier- und Pflanzennamen wie ein braver Streber, aber ich habe mich von Anfang an geweigert, der Spinnenartenvielfalt dergestalt zu huldigen. Es ist mir völlig wurscht, wie sie alle heißen, ob salticus scenicus oder Phalangium opilio, alles völlig überkandidelte Namen für diese sechsbeinigen Caligulas, ich schreie sie bloß an, je behaarter, desto lauter, und laufe dann schnell weg und hole Geo. Frauenselbstbewußtsein und Emanzipation sind mir in solchen Augenblicken auch ganz wurscht.

Foto: M.Mittenentzwei/pixelio

Foto: M.Mittenentzwei/pixelio

Das Gleiche bei den Fliegen: Sind Sie auch noch der Ansicht, es gäbe Fliegen? Ja? Einfach so, eine Art? Hahaha, selten so gelacht.

Es gibt dicke fette Brummer, die wie Drohnen durch die Küche dröhnen, es gibt die kleinen wendigen, deren frühmorgendliche KamikazeSturzFlugübungen in der Regel mit Hubschrauber- Getöse in meiner Ohrmuschel enden (da braucht man keinen Wecker mehr), es gibt die feinsinnig summenden, die sich offensichtlich für was Besseres halten und es aber  immer nur auf meine Nasenspitze abgesehen haben, und darauf, dass ich mich – wild und verbissen mit den Armen fuchtelnd und gegen einen unsichtbaren Feind kämpfend – , zum Trottel mache, und es gibt die grünglänzenden, bei deren Anblick ich (während sie majestätisch  über unser warmes Abendessen schreiten) sofort einen Schluck aus der Desinfektionsmittelflasche nehmen möchte.

Von der dicken Kaffeefarbenen, die mir neulich nach einem lecker Cappuccino im Mund herumsummte, will ich gar nicht reden.

Foto. Gerda Müller/pixelio

Foto. Gerda Müller/pixelio

Mein Leidensgenosse Gabriel Strobl könnte Ihnen vermutlich noch viel mehr solcher Geschichten erzählen. Der gute Mann war Priester und sammelte für das Naturhistorische Museum von Stift Admont in der Steiermark. Fliegen. Und Mücken. 7500 Arten hat er zusammenbekommen und insgesamt  80.000 Exemplare aufgespießt. Ein Anfang, immerhin. Ich kann es ihm nicht verdenken. Offenbar hat auch er auf dem Lande gelebt, und offenbar war auch er ein Feind dieser Art von Artenvielfalt.

Es sei denn, ich hätte da was falsch verstanden.

 

 

 

Dieser Beitrag ist vor zwei Jahren schon mal hier erschienen, und als ich gestern im Keller wieder einer dicken fetten Erna gegenüberstand, musste ich an ihn denken. Ja, ich nenne alle dicken fetten Spinnen Erna, aus Gründen. Bitte, wenn Sie Erna heißen, fühlen Sie sich nicht getroffen, es hat mit Ihnen nichts zu tun, rein gar nichts. Es ist eine ganz andere Geschichte, die ich Ihnen hier auf dem Blog ganz sicher nicht erzählen werde. Oder vielleicht doch, eines Tages, wenn mich mal der Hafer sticht. 

 

Wasser.Fest.

Rausgehen, nass werden, abtrocknen, rausgehen, nass werden, abtrocknen, so bringt man den Tag auch rum. Und sich zwischendurch freuen, dass man da draußen zwar rumläuft wie die berühmte Muhme Iffendiffen, mit Hut, Gummihose, Gummistiefeln und verdrecktem Hundeanorak, aber wenigstens inwendig halbtrocken bleibt. Und ein bisschen rumknipsen gegen die Wetterdepressionen.

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Alle Fotos: Ernstthal/Mö/Schloßau, die Ecke.

 

 

 

 

 

 

Lieber Herr Hauk.

Ich mag Sie. Ehrlich. Sie glauben das vermutlich nicht, ist aber so. Politische Ansichten hin oder her. Spätestens seit unserer musikalischen Begegnung im Hemsbacher Kirchlein habe ich Sie richtiggehend in mein Herz geschlossen. Ja, irgendwann musste es herauskommen. Nun wissen Sie bescheid. Ich habe in meinem Leben noch nie Ihre Partei gewählt, das kann ich der Familie nicht antun, aber Sie, Sie gefallen mir, jawohl.

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Aber nun müssen wir ein ernstes Wörtchen reden, so von Geflügelhalterin zu Agrarminister. Vogelgrippe, Aufstallpflicht und so, naja, Sie wissen schon. Meine Hühner werden das irgendwie überstehen, der Auslauf wird sich von Jetzt auf Gleich von 1000 qm auf 30 qm reduzieren, mindestens bis Ende Januar, schreiben Sie in einer Pressemitteilung, vielleicht auch länger, das ist reichlich blöd, aber das kriegen die schon hin, die Hühner, so weh es mir auch in der Seele tut. Überhaupt ist das ja alles eine richtig schlimme Sache, für andere viel schlimmer als für mich, aber das ist jetzt nicht das Thema.

Ich habe da heute nach Ihrer Pressemitteilung gleich ein bisschen recherchiert, wie man denn Hühner wohl bespaßen kann, wenn sie nicht in der Wiese frei herumturnen dürfen, es gibt da die tollsten Ideen, von Grünkohlpalmen bis zu lustigen Gemüsepyramiden, ja, da staunen Sie, man findet da allerlei Beschäftigungstherapie-Angebote, damit die Viecher nicht verblöden. Vogelgrippefrei, aber verblödet, nein, das wäre ja nun wirklich zu blöd.

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Das wirkliche Problem ist aber doch ein anderes: es gibt in meinem Leben ja noch einen anderen Mann, der einen Platz in meinem Herzen hat und mit dem ich darüber hinaus sogar verheiratet bin.

Wir führen eine wirklich mustergültige Ehe, wir streiten nie, wir schwätzen dauernd, wir haben nicht mal einen Fernseher, weil wir uns abends (und morgens und mittags) immer so viel zu erzählen haben, über alle Themen dieser Welt und über noch viel mehr. Wir gehen durch Dick und durch Dünn, wir vertrauen einander, wir lösen Konflikte immer sachlich und konstruktiv.

Aber wehe, wir müssen zusammen einen neuen, überdachten und umzäunten Hühnerauslauf bauen.

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Dann ist der eheliche Friede ernsthaft in Gefahr. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich spreche. Wann immer es um Baumaßnahmen geht, selten genug, gottlob, – wann immer es also um Baumaßnahmen geht, fliegen bei uns die Fetzen, mein Mann kommandiert mich herum, ich fange an zu jammern, er schreit, ich schlage mit dem Hammer auf die Daumen, nur auf meine, leider, ich flenne mit zittriger Unterlippe, er weiß alles besser, ich widerspreche lautstark, weil ich doch alles besser weiß, er unterstellt mir komplette Ahnungslosigkeit und zwei linke Hände noch dazu.

Ich schniefe in die Hosenträger meines Blaumanns, der Mann macht merkwürdige brummende Geräusche. Ich schmeiße irgendwann wutentbrannt das Werkzeug in die Ecke, er arbeitet fluchend weiter, in den Nachbarhäusern bewegen sich vorsichtig die Gardinen, so ein Schauspiel sieht man selten hier im Dorf.

Mit anderen Worten: Sie mit Ihrer Stallpflicht bringen meine Ehe in Gefahr. Wollen Sie das wirklich? Ich meine, da müsste es doch eine Ausnahmeregelung geben, ich weiß ja auch nicht so genau, aber es war doch die Rede von „existentiellen Gründen“, die eine Ausnahme ermöglichen würden. Wäre der eheliche Frieden nicht ein solcher Grund? Sie als Wertekonservativer wissen doch, wovon ich spreche. Würden Sie die Ehe opfern wollen? Wegen einer Handvoll Odenwälder Hühner? Also ehrlich.

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Und jetzt also weiß ich auch nicht weiter. Ohne Ausnahmeregelung sehe ich schwarz für die kommenden Tage. Könnten Sie nicht irgendwie ein bisschen helfen, sehr geehrter Herr Agrarminister, lieber Peter Hauk? Gibt es keine Lösung?

Doch, es gäbe eine!, – eben fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Den neuen überdachten und umzäunten Ausflauf, den bauen einfach Sie mit mir. Sie wohnen ja auch gar nicht weit von uns. Den Gatten schicke ich solang ins Wirtshaus, da kann er meckern wie er will, dann wird das alles nett und ganz entspannt. Sie haben das ja schließlich auch verordnet.

Und ratzfatz setzen wir die Stallpflicht um, mit einem schicken, neuen Vordach und so einer Art Voliere. Ich habe das ja alles auch schon aufgezeichnet, ich weiß ja, wie das geht, Sie müssten es nur machen mit meiner Unterstützung. Alles völlig easy. Das ist doch eine prima Sache. Und meine Ehe auch gerettet.

Sie haben hoffentlich ja nicht zwei linke Hände?

Mit lieben Grüssen,

undsoweiterundsoweiter. 

 

 

Wer suchet, der findet.

Wir werfen ja immer mal wieder einen Blick in die statistische Auflistung all jener Suchbegriffe, über die Menschen hier auf dieses Blog gelotst werden. Man wundert sich mitunter, und vermutlich muss das Blog so manche Antwort schuldig bleiben, also versuchen wir es hier nochmal mit einer kleinen Auswahl der vergangenen Wochen:

 

wer suchet

Volkstrauertag sportverein bedenken

Ja, liiiieber Sportsfreund, diese Frage haben Sie am 10. November ins Internet hineingerufen, gerademal drei Tage vor besagtem Volkstrauertag. Und jetzt? Hatten Sie ein Bezirksligaspiel angesetzt? Kam wahrscheinlich nicht gut, zumindest nicht am Vormittag und auf dem Lande. Am Volkstrauertag geht man in die Kirche und danach zum Ehrendenkmal, Kränze niederlegen, Reden hören, das klingt auch ein bißchen sportlich, ist aber irgendwie anders. Also, bitte, informieren Sie sich doch zukünftig etwas rechtzeitiger.

zebrastreifen basteln

Das klingt sehr spannend, da sind Sie hier allerdings leider falsch. Wir brauchen keine Zebrastreifen, hier fahren ja kaum Autos. Oder dachten Sie vielleicht vorausschauend an Weihnachten? Ein Zebrastreifen als Geschenk. Wenn ich das recht bedenke, ist das gar keine so dumme Idee, und wenn ich mir das Jugendzimmer meiner Nichte ansehe, dann könnte ich der Mutter, also meiner Schwester,  tatsächlich auch mal einen Zebrastreifen basteln, damit sie gefahrlos und unversehrt von einer Seite des Zimmers auf die andere wechseln kann. Schauen Sie mal hier, das könnte etwas weiterhelfen: Zebrastreifen basteln leicht gemacht. Und nicht mal teuer, dieser Bausatz. Ich werde mal noch ein bisschen weiter rumgooglen, am Ende lande ich ja doch wieder hier auf meinem eigenen Blog.

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extrem demotiviert hausfrau

Ja, ich weiss genau, wovon Sie reden.

es ist zum kotzen

Eben. Sag ich doch. Insbesondere das aktuelle Jahr, aber so gesehen kann es ja nur besser werden.

film VI dich geht die BVG Tübinger

Ich bin ja ein großer Fan der BVG, der Berliner Verkehrsbetriebe, ich liebe die Müffelbusse und die Stinke-U-Bahn, mit Tübingen habe ich es hingegen nicht so, und in diesem Fall muß ich leider wirklich passen. Ich habe nicht den Schimmer einer Ahnung, was Sie von mir wollen.

wo lebt marc Freukes?

Ich weiss es, ich weiss es, lalala la laaa la……aber ich sage es nicht weiter. Ich würde es selber nicht mehr finden, zugegeben. Hier (Klick!) irgendwo war das. Wenn er da überhaupt noch wohnt, so ohne Strom und fließend Warmwasser.

land-leben-wir

Ja, Sie bringen es mit den berühmten drei Worten auf den Punkt. land-leben-wir. stadt-sterbe-ich. mond-fliegst-du. rad-ab-ihr.

 

Bitte. Danke.

 

Bauernbua.

Falls Sie noch auf der Suche nach einem Ohrwurm sind, hier ist er. Die Jungs aus Österreich sind voll agro, sozusagen. Ich verstehe zwar nur die Hälfte, maximal, aber mir hats Spaß gemacht. Ihnen ja vielleicht auch. Und die nächste Version gibts bestimmt mit deutschen Untertiteln. Also, bitte.