Blogparade: Zugezogen.

Das ist ja eigentlich der Traum eines jeden Bloggers, da haut man ein bißchen in die Tasten, läßt mal Dampf ab, vielleicht auch nur ein Dämpfchen, drückt auf Veröffentlichen, und zack! nach einem halben Tag sind 305 Kommentare da. Dreihundertfünf. So geschehen der Frau Stern. Die hat dieser Tage in der ZEIT darüber berichtet, wie das war, (klick!)  als sie von der Stadt aufs Land zog.

Um es gleich vorweg zu nehmen: es war nicht lustig, offenbar. Irgendwas lief falsch, warum auch immer, von Ausgrenzung und Abschottung ist die Rede, und die Frau Stern ist ziemlich enttäuscht, frustriert und völlig ratlos, will aber durchhalten im Dorf, wenn ich das richtig gelesen habe.

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Zugezogen. Also, der Himmel hier.

In dem Thema ist offenbar Zündstoff drin. Man kommt nicht rein in die Gemeinschaft, heißt es auf der einen Seite, ach, die arroganten Zugezogenen wollen sich ja auch nicht einlassen mit uns, heißt es auf der anderen, wüste Pöbeleien eingeschlossen, das Internet machts möglich. Da prallen offensichtlich manchmal Welten aufeinander. Beim Lesen muß ich nicken und den Kopf schütteln gleichzeitig, hach, es ist kompliziert, das Thema.

Aber dafür vermutlich weltumspannend. Wenn Sie als Chinese nach Kenia ziehen, oder als Allgäuer nach New York, als Bayer auf die Hallig Hooge oder als Deutscher nach England, oder eben als Städter aufs Land oder als Landmensch in die Großstadt: erstmal sind Sie einfach fremd. Das hilft ja nun mal alles nichts. Is so. Aber dann, wie gehts weiter? Warum klappt es manchmal gut und manchmal gar nicht? Wie kann man den Anfang in der Fremde hinkriegen – und wie versemmeln? Wie mache ich mir als Städter auf dem Land garantiert Feinde, und wie finde ich Freunde? Fragen über Fragen.

Die Antworten hätte ich gerne in einer Blogparade. Zugezogen heißt der Titel. Aus Sicht derer, die zugezogen sind, und auch aus Sicht derer, die es mit Zugezogenen zu tun hatten oder haben. Erwartungen und Hoffnungen, Enttäuschungen, Freude, Frust und Nerverei? Neuanfang geglückt oder kläglich gescheitert? Landlust oder Landfrust? Wieso, weshalb, warum, naja, Sie wissen schon.

Und weil das hier ein LandLebenBlog ist, und die Frau Stern mich auf die Idee brachte, bin ich besonders gespannt auf die Geschichten von den Städtern, die aufs Land gezogen sind. Ist klar, man ist ja selber auch betroffen, nicht wahr. Alle anderen Zugezogenen sind aber auch willkommen. Falls Sie also zufällig gerade als Chinese auf die Hallig Hooge…- undsoweiter, undsoweiter.

Wenn Sie das Thema anspricht und Sie einen Blog Ihr eigen nennen und sich trauen: bitte sehr. Ich suche Ihre/Eure Erfahrungen mit dem Zugezogen-Sein und mit den Zugezogenen. Bis zum 30. September mitmachen, schreiben, hierher verlinken. Am Ende gibt es eine Zusammenfassung, mit hoffentlich mehr Lust als Frust.

 

 

 

 

Schwarzweissblick.

Alles so schön grün und gelb derzeit, überall Farbe, überall blühende Wiesen, strahlende Sonne und knallblauer Himmel. Trotzdem ein Schwarzweißblick, weil die freundliche Nachbarbloggerin einmal pro Woche darum bittet. Und weil man anders schaut, wenn man schwarzweiß guckt. Sehr spannend.

Ich habe mich mit den Damen und Herren hier unten darüber unterhalten, sie stehen derzeit immer am Wegesrand, wenn ich gerade von der Hunderunde komme. Zaungäste, die schmatzend und schnaufend ins Auto glotzen, sanft hin- und herschwankend. Wenig Tiere kenne ich auf dem Land, die soviel Ruhe ausstrahlen wie diese. Die Unterhaltungen mit ihnen sind wenig fruchtbar, aber vielleicht müsste man mal einen ganzen Tag mit ihnen verbringen, dann würde man verstehen. Oder so.

sdr

 

 

 

Die Vertreibung.

Diese blöden Spatzen fressen den Hühnern im Stall das halbe Futter weg, und uns damit die Haare vom Kopfe. Es bleibt unklar, was der liebe Gott sich gedacht hat, als er diese komplett überflüssigen Mistviecher erfunden hat. Er hatte da wohl seinen gehässigen Tag. Naja, seis drum, wir gehen nun endlich zum Gegenangriff über, wir können uns das nicht bieten lassen, und haben nun heute eine dekorative Spatzenabwehr gebastelt. Es treten an: gepresste Schuberts, Schumanns, Schönbergs, außerdem ein kulturphilosophischer Essay über Jonanthan Meese, den Hitlergruß und die Kunst, sowie ein vertonter Aufsatz über Nietzsches Spätwerk.

Wenn das nichts hilft, dann weiß ich auch nicht mehr.

sdr

 

 

 

12 von 12.

Zwölf Bilder, die den Zwölften eines Monats beschreiben, das will die freundliche Nachbarbloggerin heute wieder von uns sehen. Könnense nachkieken, hier werden die Beiträge alle gesammelt. Lohnt sich.

Hier inzwischen alles wieder beim Alten, Hunderunde frühmorgens, heute mit zweitem Kaffee am See, nicht nur um des Reimes willen, sondern weil es so ein wunderschöner Platz ist, den ich nun morgens manchmal mit Thermobecher und in aller Ruhe genieße. Möglich macht es, ja, Sie werden staunen, ein Odenwälder Freund, der mir den Schlüssel überlassen hat. Was für ein Geschenk, beides. Als Gegenleistung füttere ich Forellen und verscheuche Reiher, beides ist ja meine leichteste Übung. Is klar.

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Dann das Übliche, das ja so lange nicht mehr war. Sich zaghaft wieder in die Büroarbeit reinfummeln. Arbeiten, quasi. Noch ganz ungewohnt. Und das Büro ausmisten. Dann, ja, Sie werden wieder staunen, in die Hundestunde, das ist ein Auftrag aus der Reha, mal weg vom Schreibtisch, mal weg mit schlauen und weniger schlauen Gedanken, mal was ganz Handfestes tun. Hundestunde bei diesem Wetter, handfester geht nimmer. Naja, man gönnt sich ja sonst nichts. Doch: Abends frische Kalbsschnitzel, ein saltim bocca, der Gatte lädt mich ein. Alle Zutaten haben wir quasi persönlich gekannt. Wie das halt so ist, an einem stinknormalen Tag auf dem Lande.

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Die Alte.

Ich habe dieser Tage die Alte besucht, das tue ich leider viel zu selten. Dabei waren sie und ihre fünf Kinder die ersten echten Odenwälder, die ich hier überhaupt kennen- und schätzengelernt habe. Eine Begegnung der besonderen Art. Denn zunächst schloss ich von dieser Odenwälder Familie auf alle Odenwälder Familien, ich hatte ja noch keinerlei Vergleich, und es überkam mich seinerzeit eine Mischung aus wohligem Schauer, liebevoller Neugierde und einer gewissen Sorge. Damals, als ich also noch ganz neu war hier, und sich niemand um mich kümmerte, nur die Alte und ihre fünf Kinder.

Die Alte und ihre daheimgebliebenen fünf Kinder wohnten damals mir gegenüber, und irgendwie meinten sie wohl, sie seien für mich verantwortlich. Sie luden mich ein zu Kaffee und Kuchen, immer bekam ich ein Glas sehr süßer Limonade und Eßbares angeboten, und manches Mal durfte ich auch beim Schweineschlachten helfen. Oh, die Kroischin!, brüllte die Alte durchs Haus, wenn ich kam, eine offensichtlich odenwälderische Kose-Form meines Nachnamens, oder sowas in der Art; sie fragte nach dem Männele daheim und nach dem Job und den Kollegen, sie lachte und fluchte wüst und kommandierte ansonsten die fünf erwachsenen Kinder herum, allesamt stattliche Männer und Frauen. Sie heere net, die Buwwe, sie folge net!, beklagte sie sich bei mir, wenn einer der zwei großen schweren Söhne um die Fünfzig nicht gleich sprang. Das verstand ich gleich, vieles aber von dem, was aus ihrem Mund drang, bleib mir zunächst ein Rätsel, eine gefühlte Mischung aus Chinesisch und Kyrillisch, dabei war es nur durch und durch altes, längst ausgestorben geglaubtes Odenwälderisch.

Sie erzählte mir vom Leben und vom Odenwald, von der alten Hebamme, die seinerzeit das einzige Telefon besaß im Dorf, und die bei Baby-Alarm mit dem klapprigen Fahrrad lossauste über die Hügel und durch die Täler, oder im Winter auf einer Mischung aus Pferdefuhrwerk und Schneeräumer. Sie erzählte mir, wie sie als Kind in schweren und viel zu großen Holzschuhen zweimal täglich rüber ins Nachbardorf musste, zu Fuß, um sich dort in der Kirche eine Predigt oder sonstwas abzuholen und manches Mal auch Schläge vom Pfarrer. Bei ihr lernte ich den freundlichen Kauz kennen, der in einer Hütte hauste und sich die Zähne mit der Kneifzange zog. Und sie erzählte, wie sie ihren Mann kennengelernt hatte, der auf Umwegen in diesem Wald gelandet war.

Sie zerschlug mit ihren Erzählungen so manche naive Vorstellung vom romantischen Landleben anno dazumal, die ich damals noch hatte, und ich hörte gebannt zu und versuchte zu verstehen. Was ich nicht verstand, sagte sie in doppelter Lautstärke wieder und wieder und zerhackte dabei die unverständlichen Worte mit den Händen in der Luft in Einzelteile, Schei-er!, za-ckern!, Ver-reck-ling! Herbscht-kram-pe!, so, als sei ich nicht nur begriffsstutzig, sondern auch schwerhörig.

Groß und dick war die Alte, wie sie da immer am Küchentisch hockte, unbeweglich wie ein Fels in der Brandung, jahrzehntelang hatte sie geschuftet wie ein Pferd und dementsprechend auch gegessen, und nebenbei hatte sie insgesamt neun Kinder großgezogen. Jetzt saß und aß sie nur noch, und führte vom Küchentisch aus das Regiment über die fünf Unverheirateten. Mit wilden Armbewegungen und schriller Stimme beaufsichtigte sie die Töchter, die auf dem uralten Feuerherd das Mittagessen für sich und die Buwwe kochen sollten. Der schicke Elektroherd daneben diente nur als Abstellfläche.

Warmes Wasser hatten die Alte und ihre Kinder nicht, damals, als ich sie kennenlernte, vor 15 Jahren. Wollte die Alte in die Badewanne, wurde geschürt, und nach und nach verschwanden im Laufe eines Nachmittags alle Familienmitglieder in Richtung Badezimmer und tauchten etwas später frisch und duftend wieder auf. Ein bißchen stumm die Söhne, redselig und fröhlich die Töchter. Alle existentiell angewiesen, so schien, es auf das Kommando der Alten. 

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Jetzt liegt die Alte im Pflegeheim. Ein Oberschenkelhalsbruch, der klassische Fall. Plötzlich sieht die riesige Frau ganz klein aus in ihrem XXL-Pflegebett, der Kopf winzig und die Lippen blaß, und jetzt kommandiert sie nicht mehr, sie bittet bloß um Hilfe, wenn die Töchter sie besuchen. Die müssen nun allein zurechtkommen, für die Buwwe kochen, alles richten zuhause, falls die Alte wieder heimkommt. Jetzt muß es halt mal ohne Chef gehen, sagt die eine und lacht laut im tristen Pflegezimmer.

Dann muß die Tochter weiter, zur Arbeit in die Fabrik, und sich um den ganzen Versicherungskram kümmern, man versteht das alles nicht, was die da schreiben, das versteht doch kein normaler Mensch!, ich biete meine Hilfe an, wie schon manchmal, wenn es um offizielle Post geht, um all diese verquasten Schreiben, die irgendein Quadratschädel in irgendeinem Amt verfasst hat und die man nicht mal mit Hochschulabschluß versteht, geschweige denn mit Sonderschulabschluß. Ich lese dann vor und übersetze und gebe Ratschläge und formuliere. Man tut, was man kann.

Ich höre immer mal wieder, dass der Alten und ihrer Familie ein Ruf wie Donnerhall vorauseilt, jeder in der Region scheint sie zu kennen, und jeder kann etwas berichten. Ich will das alles gar nicht wissen. Selten habe ich so hilfsbereite, freundliche Menschen getroffen wie die Alte und die Töchter. Wann immer ich selber Hilfe brauchte, kamen sie, und manches Mal hätte ich ohne sie nicht gewußt, was ich tun sollte. Und ich ahne: diese ganz einfache Familie würde auch springen, wenn ich nachts um Drei anrufen und um Unterstützung bitten würde.

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Ich möchte die Alte jetzt wieder öfters besuchen. Vielleicht freut sie sich. Oh, die Kroischin, wird sie dann sagen, etwas leiser als sonst, aber unnachahmlich. Und ich hoffe sehr, sie kommt nochmal auf die Beine. Sie soll nach Hause kommen und eines fernen Tages am Küchentisch sterben, wie der Fels in der Brandung, mit ihrer blauen Kittelschürze, mit der sie doch schon verwachsen war, während einer wilden fuchtelnden Armbewegung, wenn sie eine der Töchter herumkommandiert und mit ihrem meckernden Lachen, das im ganzen Haus zu hören ist.

 

 

 

 

Promis im Maisfeld.

Wir haben da bei unseren Hunderunden etliche bekannte Gesichter getroffen, das wollten wir Ihnen nicht vorenthalten. Ja, auch die internationale Sanges- und Polit-Prominenz verirrt sich manchmal in die Provinz, da kann man mal sehen. Wir warten jetzt noch auf Nena und Tina Turner, die fehlen uns nämlich in der Sammlung noch.

 

Und kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Trump-Donald, den haben wir natürlich mehrfach im Maisfeld gesehen, aber einfach ignoriert. Soll ja helfen, sowas.

 

 

 

Genius Lokus.

Es passiert ja nicht so häufig, dass man auf einer öffentlichen Toilette nun ausgerechnet über den Heiligen Geist oder die Mutter Gottes laut nachdenkt. Nicht mal hier im Odenwald, diesem Besonders Christlichen Hinterland. Ich habe es neulich trotzdem getan, auch noch ausgerechnet als Evangelische in einer durch und durch katholischen WC-Anlage, und schuld daran war Veronika.

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Veronika ist so um die 70, und sie hat während der Wallfahrt in Walldürn eines dieser Ehrenämter übernommen, um die sich keiner reißt. Ja, sogar als Scheißjob könnte man das bezeichnen, was Veronika da während der großen Wallfahrt gemacht hat, wochenlang, Tag für Tag, manchmal acht Stunden am Stück, manchmal zehn oder zwölf. Für Gotteslohn.

Veronika war in diesem Jahr zeitweise die Herrin über die zentrale Toiletten-Anlage direkt an der Wallfahrtsbasilika. Jeden Tag sind da ein paar hundert Kunden bei ihr in den gekachelten Räumen, manchmal bis zu tausend.  Denen wischt und putzt sie hinterher, sie lüftet, schrubbt und spült. Oh, die Männerrr verrrrgessen so oft zu ziiiehen, das stiiiinkt!, sagt sie lachend mit ihrem slowenischen Akzent und dem gerollten R. Und dann ruft sie einem erleichterten Wallfahrer ein Gottäs Säägen! nach.

Stolz zeigt Veronika ihr Reich: Hierrr ist für Dammen, da ist für Herrren, und hierr (Kunstpause): Wickelstube! Die WC-Anlage ist frisch saniert, hell gekachelt, aber immer noch ein bißchen duster mit all dem Beton drumherum. Veronika hat es sich trotzdem nett gemacht, zwischen Dammen und Herrren hat sie sich die kleine kalte Abstellkammer hergerichtet, neben Klappleiter und Desinfektionsmittel und Raumspray liegen Kreuz und Rosenkranz, und auf dem Paket mit dem Klorollenvorrat hat Veronika ihre Bibel immer griffbereit.

Veronika ist seit jeher eine fromme Frau. Schon viele Jahre hier im Odenwald und in Walldürn. Die Gemeinde mit ihrer europaweit bekannten eucharistischen Wallfahrt hat es ihr angetan. Ursprünglich kam sie als Gastarbeiterin nach Deutschland, lernte in Buchen ihren Mann kennen, der arbeitete in einer Fabrik. Dann kam der kleine Sohn auf die Welt. Hab ich immerrr gebätet zu Heilige Geist und Mutter Marrria, dass aus dem Sohn was Anständiges wirrrd, sagt Veronika und grinst dabei.

Kennst Du Brrrisbane?, fragt sie, weiter grinsend, Brrrisbane ist Australien, und an Uni Brrrisbane Sohn ist jetzt Prrrofessor. Veronika kichert laut in der WC-Anlage, und das Lachen springt von den gekachelten Wänden über das Kreuz, die Bibel und den Rosenkranz zurück auf ihr Gesicht. Dann wird sie kurz ernst. Fürrr sowas muss man auch mal Danke sagen. Auch deswegen bin ich jetzt hierrr in WC-Anlage, für Heilige Geist und Mutter Marrria. 

Vielleicht erzählt sie dem Sohn und den Enkeln in Brisbane am Abend von unserem Klo-Gespräch, sie sprechen ja oft miteinander, hat err mir so Ding gekauft, können wirrr uns sehen beim Telefonieren. Vielleicht wird es auch zu spät oder zu früh zum Telefonieren, weisst Du ja, Zeitverschiebung, wenn sie wieder bis tief in den Abend hier in ihrem gekachelten Reich bleibt, um unter Druck stehende Wallfahrer aus ganz Deutschland zu begrüßen, ihnen hinterherzuputzen, zu schrubben und zu spülen.

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Wochenlang Klo-Frau nur für Gotteslohn. Zu jeder Wallfahrt machen Frauen diesen Job. Und zumindest ordentlich Trinkgeld wird doch rausspringen, bei so vielen frommen Menschen, die nach ihrer Ankunft in Walldürn mit drückender Blase und rumpelndem Darm nicht selten erst zur WC-Anlage pilgern und dann zum Blutaltar in die Basilika. Naja, geben ein paarr was in das Schälchen, sagt Veronika und hebt lächelnd die Schultern. Nicht viele. Aber wenigstens ein paarr. 

 

 

 

Nachtrag: Wenn Sie übrigens weniger am Heiligen Geist interessiert sind, aber vielmehr an markigen Worten zum Thema Betriebstoilette, dann sollten Sie heute mal beim kiezneurotiker vorbeischauen. Aber Achtung, das ist nichts für schwache Nerven und für etepetete. Ja, er und ich, wir beide, wir haben beide am selben Tag das Thema Klo gewählt. War nicht abgesprochen, ehrlich nicht. Läßt aber doch tief blicken, Seelenverwandtschaft undsoweiter. Und seine Geschichte ist da doch deutlich deutlicher in den Beschreibungen, ähem, naja, Sie kennen ihn vielleicht ja schon. Und ich habe ja, im Gegensatz zu ihm, einen guten Ruf zu verlieren. Oder sowas in der Art.

 

 

 

Graviditas imaginata.

Dieses Blog ist derzeit zugegebenermaßen etwas Hühner-lastig, das liegt an den Hormonen und ist nun nicht zu ändern. Glauben Sie mir, ich wäre froh, wenn es hier nicht dauernd um Hühner ginge, aber mich fragt ja wieder kein Huhn Mensch. Also bitte. Wenn Sie sich mit Hühnern 1a auskennen, können Sie jetzt getrost wegklicken, alle anderen lernen vielleicht noch etwas dazu. Über Schwangerschaftsabbrüche und derlei Themen.

Stellen Sie sich also mal eine Frau vor, die beschließt, ihren Kinderwunsch in die Tat umzusetzen. Angeregt durch allerlei dicke Bäuche in ihrem Umfeld. Oder auch durch den Anblick brüllender Säuglinge, was weiß denn ich, beides trifft man frau ja allenthalben, dicke Bäuche und brüllende Säuglinge.

Jedenfalls legt die gute Frau sich also ins Bett – alleine, versteht sich – und beschließt, schwanger zu werden. So liegt sie reglos da und isst nicht und trinkt nicht und wartet und wartet, drei Monate, acht Monate, 12 Monate, 20 Monate. Weil man ja nun aber durch Willenskraft alleine selten schwanger wird, wird sie demnach auch nicht immer dicker, sondern eher immer dünner. Sie ahnen es: das kann nicht gutgehen.

Eben.

So in etwa ist das bei den Hühnern. Gluckt eine, – und zieht dann auch noch kleine Küken groß-, wollen alle süße kleine Küken. Und setzen sich also auch ins (leider aber leere) Nest und essen nichts und trinken nichts, machen nur alle paar Tage einen gigantischen Haufen und setzen sich dann wieder hin und warten, was passiert. Und weil Hühner vielleicht eben doch in mancher Hinsicht dümmer sind als die Polizei erlaubt, interessieren sie sich auch nicht für die ornithologisch vorgeschriebenen Brutzeiten. Nach 21 Tagen müssten ja die Küken aus den nicht vorhandenen Eiern schlüpfen, aber so lange nichts schlüpft, bleibt die blöde Glucke hocken. Drei Wochen, fünf Wochen, sechs Wochen. Komme, was da wolle. Sie wird blaß und dünn und schwach und brütet und brütet die unsichtbaren Eier.

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Wir haben auf diesem Bild eine besessene Glucke versteckt. Finden Sie sie?

Der besorgte Hühnerhalter muss da natürlich einschreiten. Und die Glucke entglucken. Was wiederum nicht so einfach ist, wie wir dieser Tage wieder festellen dürfen.

Es gibt da allerlei Methoden, die wir alle für unseren Zweck verworfen haben: Glucke in einen Bottich mit Eiswasser tunken. Der Schreck vertreibt auch noch den zähesten Kinderwunsch, angeblich. Auch beliebt: Glucke in Sack stopfen und irgendwo herumbaumeln lassen, bis sie zu der Einsicht kommt, das Glucken besser sein zu lassen. Oder: Glucke wieder und wieder vom Nest heben, ans andere Ende des Geheges tragen und dann einen Wettlauf mit dem lieben Tier veranstalten, wer als erster wieder am noch angewärmten Nest ankommt.

Wir haben uns nun also für die Methode Katzenkiste entschieden. Glucke raus aus Nest, rein in nackte, olle Katzenbox. Dann Kiste irgendwo hinstellen, wo möglichst viel Betrieb ist, Unruhe und Lärm. Ungebetene Zaungäste inklusive, siehe oben. Alles soll so unromantisch sein wie möglich.

So haben wir das also gemacht, die Glucke erwachte in der unbequemen Box zu ungeahntem Leben, maulte, zeterte und randalierte, wir betrachteten das mit großer Freude. Nach 36 Stunden ließen wir sie gestern abend wieder frei, mit großem Hallo und Klatsch, Klatsch und scheuch, scheuch durchs Gelände und nicht, ohne vorher die Nester verbarrikadiert zu haben, um jeglichen neuen Anläufen zur Mutterschaft gleich einen Riegel vorzuschieben. Wie man halt seine Tage verbringt, auf dem Lande.

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Das Ergebnis: ernüchternd. Mit wildem Gebrüll überwand das blöde Viech die Barrikaden am Nest, zwängte sich wildentschlossen neben die Eimer, die als Schutzwall gedacht waren, und verfiel augenblicklich wieder in Brut-Trance.

Ja, gut. Die Glucke geht jetzt also in die siebte Woche, und wir gehen zu Stufe Zwei über: Glucke in Katzenbox, Katzenbox auf Terasse zu Hunden und Katzen und Küchengeklapper. Das wäre doch gelacht, wenn wir an einer scheinschwangeren dämlichen Henne scheitern würden. Wir werden Ihnen weiter berichten. Und falls irgendwer noch eine zündende Idee hat: bitte sehr, immer gerne.