Die Rita.

Wenn Sie sehr katholisch sind, oder aber von Beruf Wurst-Hersteller, dann werden Sie Rita kennen. Die Heilige Rita ist nämlich die Schutzpatronin eben jener Wurst-Hersteller und Metzger, ja, da staunen Sie!, ich habe das hier nachgelesen. Und nebenbei ist die Rita zuständig für alle komplett aussichtslosen Anliegen und Unterfangen, das macht sie mir mindestens so sympathisch wie die Sache mit der Wurst.

Jedenfalls war heute Rita-Tag im Rahmen der alljährlichen Wallfahrt zum Heiligen Blut. Nun bin ich ja sehr evangelisch, aber das wollte ich mir doch mal ansehen. Weil es bei der Heiligen Rita auch um Rosen geht, spielen die im Hochamt eine gewisse Rolle, 3.700 (dreitausendsiebenhundert) frische Rosen werden in der Basilika gesegnet und verteilt, und am Ende fallen aus einem runden Loch in der Kuppel gefühlte 3 Mio getrocknete Blütenblätter heraus.

Beides gilt es zu ergattern, habe ich mir sagen lassen, und so geht es im Gottesdienst zwischendurch ausgesprochen bewegt und munter zu. Die Kirche ist gerammelt voll, besonders viele Frauen sind da, junge, alte, die Leute hocken auf Altarstufen und Kniebänken, viele haben Taschen oder Rucksäcke dabei, und das alles ist so gar nicht, wie man sich einen ehrwürdigen Gottesdienst vorstellt.

Zeitweise kommt es mir vor wie in einer Markthalle, im besten Sinne, es ist ein freundliches Drängen und Schieben, die Masse wogt Richtung Altar und zurück, vorbei an den riesigen Rosensträußen. Die Gesänge und Gebete aus mehr als 1000 Kehlen lassen das Kirchenschiff vibrieren, und die Orgel donnert dazu. Vom Himmel fallen die Rosenblätter, Frauen laufen durcheinander und bücken sich und sammeln hurtig die Blüten. Ehrenamtliche sorgen dafür, dass das Durcheinander nicht allzu unübersichtlich wird, wie Verkehrspolizisten in weißen Gewändern lotsen sie die Gläubigen hierhin und dorthin. Es ist ein frommes Gewimmel, und ich bin begeistert. Ja, da staunen Sie schon wieder. Ich staune auch.

So Frauen-lastig es in den Kirchenbänken zugeht, so Männer-lastig ist es vorne am Altar, aber das ist ja nun nichts Neues. Bedauerlich trotzdem. Die katholische Kirche ist da bekanntlich noch ein bisschen hinterher. Aber die Inszenierung mit den Blütenblättern, nee, also ehrlich, die hat mich beeindruckt und fast ein bisschen neidisch gemacht. Sowas haben sie ja drauf, die Katholiken, das muss man ihnen lassen.

Falls Sie das nochmal als Foto-Video-slide-Show sehen wollen, bitte sehr, ich habe da mit einem neuen Programm herumgebastelt und erste Schritte unternommen. Nur mal so als Testballon. Und die segelnden Rosenblätter habe ich auch ganz kurz einfangen können.

Und hier können Sie nochmal nachlesen, was es überhaupt mit der ganzen Wallfahrt auf sich hat. Die können Sie sich ja mal für nächstes Jahr notieren. Die aktuelle geht nämlich am Sonntag zuende.

Hallo, DSGVO: Ich habe keinen der hier Abgebildeten um Erlaubnis für die Veröffentlichung gefragt. Sollte sich da jemand wiederfinden und gegen die Veröffentlichung Einwände haben: Bitte unverzüglich bei mir melden, ich werde die entsprechenden Bilder dann selbstverständlich umgehend löschen.

6 Kommentare

  1. Ja, so sind die Katholiken. H. war evangelisch von Geburt, wurde aber katholisch aufgezogen.
    Apropos Loch in der Decke: Da kam früher an Pfingsten auch höchstpersönlich der Heilige Geist als Taube herunter. Außerdem gab es Bühnen vor dem Altar, auf denen bestimmte Szenen dargestellt wurden. Das gläubige Volk verstand ja kein (Kirchen-)Latein.
    H. freut sich jedenfalls sehr über Ihre Berichte aus dem dunklen Wald.

    • Bonjour, Monsieur H.,

      ich bin auch evangelisch von Geburt an und habe grade geheult. Das lag bestimmt an der Musik, die Frau Landleben ausgesucht hat! *räusper* Eines muß man Katholiken lassen, Show und Eindruck vermitteln, können sie. Ich habe mir – um mal zum Leben zurückzukehren – die hübschen Kühe angeschaut anhand Ihrer Links. Sie sind schön! Die Hofseite war schon sehr informativ.
      …und Ihre Katze als Kartontaucher. *Mäusezähnchengrinsen*

  2. Pingback: Apfel und Stamm vor Bagger | Buddenbohm & Söhne

  3. Sehr zu empfehlen ist zum Rosenblätter Thema und der katholischen Inszenierung die Pfingstmesse im Pantheon an der wir das große Glück hatten dieses Jahr teilnehmen zu dürfen.

    https://m.youtube.com/watch?v=QRcNhctuTJI

    Unabhängig von jeglichem Glauben eine tolle Messe für Menschlichkeit, Verständigung und Nächstenliebe. Ach wäre doch der Monsieur Salvini dagewesen.

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