Fuchsologisch.

Es gab ja dieser Tage dieses kleine große Fuchsdrama bei mir im Hause, Viele haben da regen Anteil genommen. Und inzwischen muss ich auch darüber nicht mehr flennen. Für alle, die jetzt nur Bahnhof verstehen, bitte sehr: (Klick!) hier können Sie das Drama in drei Akten nochmal nachlesen.

Aber wie das so ist im Leben: Kein Drama ohne Sonne zwischendurch, oder jede Medaille hat zwei Seiten, im Schlechten das Gute sehen, blablabla, jedenfalls habe ich dank dem Füchslein, es ruhe in Frieden, Kontakt zu ein paar ausgesprochen netten Fuchsleuten bekommen. Zu einem Paar Fuchsleuten, sozusagen. Also, zu einer Frau und einem Mann, Benita und Alexander, in deren Leben sich alles um Füchse dreht. Und wenn ich sage alles, dann meine ich: alles.

Jedenfalls scheint das so, als ich die beiden neulich besuchen darf. Nun steht unser Treffen explizit unter dem Motto Füchse!, insofern ist es nicht verwunderlich, dass wir gute zwei Stunden ausschließlich über Füchse reden. Über Füchse und Füchsinnen, Fuchssäuglinge, Fuchsbääääbies und Fuchsteenager. Und über die drei sehr süßen Füchschen, die da derzeit bei den beiden untergebracht sind. Da geht einem der Gesprächsstoff ohnehin so schnell nicht aus, glauben Sie mir.

Riesiges Haus, riesiger Garten, riesiges eingezäuntes Gelände. Gemütliche Hütten und gebuddelte Höhlen, Rampen, Klettergerüste, Verstecke. Und irgendwo ein Loch im Zaun. Durch das schlüpfen die kleinen verwaisten Füchse, wenn sie groß genug sind. Und wenn sie keine Lust mehr auf den menschlichen Kontakt haben. Sie schlüpfen da einfach durch und gehen fort, für immer. Die drehen sich nicht mal mehr um, sagt die Frau, am Anfang war ich echt enttäuscht. Die springen eines Tages da hinten auf die Hütte, von dort aus durch das Loch im Zaun, und weg sind sie.

Bis es so weit ist, dass die Füchse groß genug sind, um durch das Loch zu verschwinden, – bis dahin werden sie von Benita und Alexander versorgt. Irgendwer bringt ihnen die Tiere, verletzt, verwaist, zurückgelassen von der Mutter. In dem Haus in Heidelberg werden sie gehegt und gepflegt, gefüttert, bespaßt und geliebt, rund um die Uhr, jedes einzelne Füchslein, immer wieder. Das Anwesen ist vermutlich die einzige Fuchs-Auffangstation in Baden-Württemberg. Auffang- und Auswilderungsstation in einem.

Eines wollten die Beiden nie: einen Fuchs behalten, ihn zum Haustier machen. In den USA kommt das seit ein paar Jahren schwer in Mode, Füchse als exotische Haustiere. Das geht gar nicht, das wäre unverantwortlich, sagt Benita Koepff, der Fuchs ist ein Wildtier, und er soll es auch bleiben.

Dass es durch den Kontakt zum Menschen zu einer Art Fehlprägung kommen könnte, das bezweifelt Benita Koepff schwer. Die zunächst so zutraulichen kleinen Fuchsbabies werden mit dem Alter immer selbständiger und irgendwann fast unnahbar, so ist ihre Erfahrung nach all den Jahren, nach all den Füchsen. Wie richtige Wildtiere eben. Und dann gehen sie, rauf in die Wälder, und kommen nie wieder, sagt Alexander.

Das Veterinäramt jedenfalls ist begeistert von der Station in Heidelberg, Wildtierschutz- und Tierrettungs-Organisationen sowieso. Sollte ich in meinem nächsten Leben kleiner verwaister Fuchs werden, man weiß ja nie, dann bringen Sie mich bitte da hin.

Schließlich würde ich mich auch in den ersten Tagen im Haus selber, in einem der vielen Fuchs-kompatiblen Zimmer pudel fuchs-wohl fühlen. Wie in einem Rudel. Von überall her gucken einen zahllose Füchse an, aus Bilderrahmen an der Wand, Öl, Acryl und Foto, als Porzellanfigürchen, als Geschirraufdruck, als Kissen, als Handtuch, als Serviette. Ganz fuchsbesoffen wird man da. Und überall darf hingepullert und gespuckt und sonstwas werden, Benita Koepff verbringt einen Gutteil des Tages, wie sie selber sagt, mit Wischeimer und Schrubber. Und den Rest des Tages füttert sie. Oder spielt. Oder krault. Oder fährt zum Tierarzt. Alles, wenn es sein muss, auch mitten in der Nacht.

So ungefähr muss man sich das vielleicht vorstellen, wenn jemanden die Leidenschaft gepackt hat. Für irgendein Thema, dem er dann sein Leben widmet. Radikal, und manchmal kompromisslos.

Nach der zweistündigen Fuchsdröhnung fahren wir nach Hause, durchs Neckartal. Und natürlich liegt am Rand der Bundesstraße kurz vor Eberbach ein toter Fuchs. Plattgefahren und zerfetzt. Und ich lasse die zwei Stunden in Heidelberg nochmal Revue passieren und denke so bei mir: Es gibt weiß Gott schlechtere Themen, in die man sich verbeißen kann.

Wenn Sie mal irgendwo ein kleines Füchslein finden: da gibts ein paar Regeln, die man beachten sollte. Und ein paar gute Hinweise, zum Beispiel (Klick!) hier.

Danke an Benita und Alexander, dass wir Euch besuchen und kennenlernen durften. Gerne wieder.

5 Kommentare

  1. Oh, das glaube ich, dass der Besuch Dir gut getan hat. Und was für tolle Bilder!
    Und das mit dem Auswilderung finde ich ganz toll!
    Nur den überfahren Fuchs nicht. Es werden so viele Tiere überfahren, verletzt, gehen elend ein, ihre Jungen ggf ebenso…
    Ach, ich schau mir noch Mal die schwarzen Knopfaugen Deiner Jungfüchse an
    Liebe Grüße
    Nina

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