Kaffeehauskultur.

20. Januar 2016

Mein Geo hat manchmal die idiotischsten Ideen. Ich meine: so richtig idiotische Ideen. Völlig abseitige Ideen, fern aller Realität. Er guckt mich dann mit diesem merkwürdigen Gesichtsausdruck an, und es kommen Sätze aus seinem Mund wie Sollten wir nicht noch rasch irgendwo schön in ein nettes Café gehen?? Und wenn meinen Geo wirklich der Hafer gestochen hat, dann kommt die Steigerung: Wir kommen auf dem Heimweg doch sicher an einer hübschen kleinen Espressobar vorbei. (Sie hören jetzt im Hintergrund mehrere landerfahrene Leser hysterisch-verzweifelt auflachen.)

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Das ist nur ein Symbolbild, weil nicht direkt aus dem Odenwald. Aber Sie ahnen, was ich meine.

Irgendwo? Schön? Nett? Hübsch? Espressobar? Rasch schon mal gar nicht. Zehn oder zwanzig Kilometer Anfahrt müssen Sie schon rechnen, je nachdem, wie weit in der Pampa Sie so wohnen. Und obs dann nett oder hübsch ist, müssen Sie von Fall zu Fall entscheiden und der Laune der Bedienung überlassen. Manche Cafés im großen Odenwald sind so Fünfziger, inklusive Wirt und Wirtin, daß es allerdings schon wieder schön ist. Es soll ja Leute geben, die soetwas mögen. Morbider Charme, naja, Sie wissen schon, alles eine Frage der Betrachtung.

Testen Sie das mal aus. Aber bitte nicht zu früh am Tag. Vor 9 Uhr 30 haben viele der Cafés ja noch geschlossen, und schlußendlich landen Sie dann wieder am Stehtisch eines Backshops oder kippen Ihren Kaffee an der Tanke.

Aber es gibt sie tatsächlich im Landkreis, die Cafés, die wir meinen. Auf einer Fläche halb so groß wie das Saarland und fast doppelt so groß wie die Republik Malta fallen mir spontan zwei, drei Läden ein, mindestens, wo man in netter Atmosphäre und mit gutem Service einen feinen Kaffee trinken kann, und das sogar schon morgens. Jaja, da staunen Sie. Und falls Sie irgendeinen Tipp haben, bitte, immer her damit. Sie kennen ja jetzt die Kriterien: rasch, nett, hübsch, Espressobar undsoweiter.

Vielleicht sehen wir ja nur den Wald vor lauter Bäumen nicht.

 

 

 

P.S. Das traurige Foto oben ist in Eberbach entstanden, das ist so gesehen nicht Odenwald, sondern Neckartal. Wir täten der Stadt aber sehr unrecht, wenn wir an dieser Stelle nicht das großartige (aber eben leider auch 18 Kilometer von uns entfernte) Café Victoria erwähnen würden. Hier vermischen sich Fünfziger, Siebziger und die schicke Moderne auf das Allerbeste, der Laden ist an Wochenenden immer rappelvoll, der Service immer freundlich, die Torten und Gebäcke eine Sensation. Sollten Sie mal hingehen, ich kann das nur empfehlen, insbesondere allen Freunden der englischen Monarchie, von wegen Queen Viktoria und so. Hier können Sie das alles nochmal nachlesen.

P.P.S. Hach, vermisst Du denn gar nichts, da in Deinem Wald?, fragt die 80jährige Berliner Tante hin und wieder am Telefon. Nein, Tantchen, nichts, wirklich gar nichts, sage ich dann. Und denke Doch. Oh, doch.

 

 

 

  • 7 Kommentare
  • dergl 21. Januar 2016
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    Also doch! Ich habe begonnen zu lesen, sah das Bild und dachte Das kennst du doch, da warst du doch mal bei X. und bist dran vorbei…, lese weiter und es steht tatsächlich Eberbach, wo Kommilitonin X. damals lebte. Ganz vielen Dank für die Erinnerung, ist ungefähr zehn Jahre her.

  • waswegmuss 21. Januar 2016
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    Das mit den 9:30 hat seinen Grund. Da kommen die Damen vom Blutzuckermessen.
    Außerdem gehören Damen mit diesen Betonfrisuren, meine bessere Hälfte sagt Schlappmaulfrisuren dazu, und Schüler in ein Kaffee. Diese Hipster gilten nicht.

  • EausP 21. Januar 2016
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    Das Café Victoria gibt es also noch. Dort war ich 1980 mal Gast, und wenn ich mich recht erinnere habe ich sogar die Viktoria von Eberbach Torte probiert.

  • Brigitte Augspurger 21. Januar 2016
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    Weite Wege, anders geht’s im Odenwald wirklich nicht….
    Bei Gelegenheit empfehle ich einen Abstecher ins Hessische – das wären dann nur schlappe 30 Kilometer zu fahren… : http://www.kaffeemanufaktur-hirschhorn.de/kaffee-erleben/cafe-am-rathaus/

  • Johannes zu Ach 21. Januar 2016
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    Springen wir in Eberbach über den Neckar da wäre das Cafe Lutzki in Pleutersbach sehr zu empfehlen ! Wenn man aber in Eberbach bleiben möchte empfehle ich das Cafe Reichspost, dessen Inhaber wirklich immer sehr freundlich ist und immer einen lustigen Spruch auf den Lippen hat ! Doch leider ist er auch schon über das Rentenalter hinaus und ob da Nachwuchs in Sicht ist vermag ich nicht zu sagen, Schade ,Schade , Schade……
    Im Odenwald hätte ich noch einen Tip der weltmeisterlich ist, es befindet sich zwar im Hessichen Odenwald genauer in Michelstadt und zwar das Cafe Siefert, es gehört zu den rennomiertesten und am höchsten dekorierten Konditoreien Deutschlands und ist die Heimat von Bernd Siefert, Weltmeister der Konditoren. Also da lohnt doch mit Sicherheit auch der etaws weitere Anfahrweg aus dem Neckar Odenwald Kreis .

  • Waltraud Kessler-Helm 21. Januar 2016
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    Ja sag mal, kennst Du nicht das Cafe Köpfle in Osterburken? Da gibt es diese herrliche “ Borkemer Schlappe“ einfach Spitze. Frühstücken kann man dort auch, allerdings nicht Montags, denn da ist geschlossen. Und das Frühstück dort ist nicht mal sooo schlecht. Kannst unter mehreren Varianten auswählen. Ja und dann wär‘ noch das Cafe Laible in Mosbach…naja…zum Espresso trinken geht das noch ;-) Aber Frühstück ist nicht ganz so reichhaltig. Warst Du schon mal im Käfertörle? Ja genau, in dem Buchladen. Da muss man das Frühstück wohl ein paar Tage vorher anmelden, unter 3 Themen wählen kannst da auch und wenn Du willst, gibts auch noch n Buch dazu ;-) Auch zum Espresso trinken oder ne Brezel essen ist das nicht zu verachten ;-) Du siehst, es gibt auch in der Nähe der Pampa so ne „Art Espresso-Bar“ :-)

  • Sven Wagenhöfer 25. Januar 2016
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    Wenn du guten Kuchen Essen willst dann am Wochenende nach Nüstenbach ins Café Haas. Athmosphäre nicht da, aber der Kuchen ist lecker.

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